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Die Geschichte von Eingeklemmten

Kategorie: Natur
 Ausgabe_06_2016 - 01.06.2016

Text:  David Hunker

Einst Käser und Bobfahrer, heute gewiefter Vermarkter von Bioprodukten: Andi Lieberherr hat mit dem Burgrain-Bauernhof einen Vorzeige-Biobetrieb aufgebaut.

«Die Leute kaufen keine Produkte, sondern Geschichten», sagt Andi Lieberherr. Und der Geschäftsführer des Bauernhofs Burgrain ist ein guter Geschichtenerzähler. Seine Lieblingsgeschichte ist die vom «besten Eingeklemmten der Welt». Schon bevor der 52-Jährige vor acht Jahren ins Luzerner Hinterland kam, um auf dem Burgrain-Hof in Alberswil einen Biolandwirtschaftsbetrieb aufzubauen, trieb ihn die Idee um, ein Sandwich herzustellen, wie er es aus seiner Kindheit kannte: hochwertige Zutaten «eingeklemmt» zwischen zwei Brotscheiben, ganz ohne Schnickschnack, wie einst. Nun ist er endlich am Ziel.

Das Eingeklemmte. Lieberherr sitzt an einem der massiven Holztische im hofeigenen Restaurant. Das Eingeklemmte thront auf einem rustikalen Holzbrett, nur mit einigen Blättern Nüsslisalat garniert. Zwei ordentliche, mit etwas Butter bestrichene Scheiben Ruchbrot umschliessen den Weichkäse aus Rohmilch. Ein Sandwich oder eben ein Eingeklemmtes, wie es viele auch gerne in den Wanderrucksack packen. Das Eingeklemmte ist das Vorzeigeprodukt, an dem Lieberherr den Anspruch der Produktion auf dem Burgrain-Hof veranschaulicht: biologisch, saisonal, regional. Daraus hat Lieberherr eine Marke gemacht: Unter dem Namen RegioFair vertreibt eine weitere Firma, deren Geschäfte der gelernte Käser ebenfalls leitet, auch Produkte von 100 weiteren Biohöfen und -verarbeitern aus der Zentralschweiz. Was den Burgrain-Hof gegenüber anderen Biobetrieben auszeichnet, ist diese Verbindung von Produktion und Handel und damit die Kontrolle über die gesamte Wertschöpfungskette: sozusagen vom Euter der Kuh bis zum Teller des Kunden.

Bio zahlt sich aus
. Schnell hat Lieberherr gemerkt, dass die Biolandwirtschaft ein erfolgreiches Geschäftsmodell sein kann. Laut Zahlen von Bio Suisse, dem Dachverband ökologischer Bauernbetriebe, wächst der Markt für Bioprodukte in der Schweiz stetig. Im Jahr 2014 um 7,5 Prozent auf insgesamt 2,2 Milliarden Franken. Der Umstieg auf Biolandwirtschaft würde sich für viele Schweizer Bauern lohnen, weil sie im Gegensatz zur konventionellen Landwirtschaft höhere Produktpreise erziele, ist Lieberherr überzeugt. Ebenso, dass Bio nicht auf eine Ideologie angewiesen ist, sondern problemlos auf dem Markt bestehen kann, ja muss: «Was nicht wirtschaftlich ist, kann auch nicht sozial oder ökologisch sein.» Um das zu veranschaulichen, vergleicht Lieberherr sein Eingeklemmtes mit einem Luxusprodukt: «Mein Ziel war es, das Eingeklemmte in Zürich an der Bahnhofstrasse neben Gucci-Täschchen zu verkaufen.» Tatsächlich wird das Ein geklemmte nun im Laden «Fuuschtbrot» in der Zürcher Altstadt angeboten; der nächste Gucci-Laden ist nur drei Gehminuten entfernt.

Besucher willkommen. Lieberherrs Hof trägt offiziell den Namen «Erlebnis Agrovision». Er ist darauf ausgerichtet, besichtigt zu werden. Das wird bereits in der Gaststube klar, die zugleich auch die Backstube ist. Der mächtige Holzbackofen, der in einer Ecke steht, fällt sofort ins Auge. In den letzten Jahren hat Lieberherr Hunderte von Gruppen über den Hof geführt. Die erste Station ist jeweils der Kuhstall, der mit einer Galerie ausgestattet ist, von der aus man die neugeborenen Kälber und die Kühe beobachten kann. Eine weitere Station ist der Hofladen, dessen gläserne Wand den Blick in die Käserei freigibt: Die Transparenz über die Herkunft und die Produktion wird hier wörtlich genommen.

Für Kinder hat Lieberherr einen ganzen Fuhrpark von Plastiktraktoren angeschafft. «Die erste Investition, die ich hier getätigt habe», wie er mit glänzenden Augen erzählt. Und wenn er von der langen Rutschbahn spricht, die er als ehemaliger Bobfahrer unbedingt auf dem Spielplatz installieren wollte, hat man das Gefühl, dass der Bauernsohn aus dem Toggenburg hier seine eigenen Bubenträume verwirklichen konnte. Doch der geschäftstüchtige Manager weiss eben auch, dass seine kleinen Gäste «die Biokonsumenten von morgen sind.»

Biobetriebe in der Schweiz
Die Zahl der Schweizer Landwirtschaftsbetriebe nahm seit dem Jahr 2000 um über 30 Prozent ab – derzeit sind es noch knapp 50 000. Im Gegensatz dazu wuchs die Zahl der Biobetriebe in den letzten Jahren langsam, aber stetig. Über 6000 Betriebe produzieren nach den Richtlinien des Knospe-Labels von BioSuisse, rund 400 weitere nach der Bioverordnung des Bundes, die mit der Bezeichnung biologisch und/oder ökologisch vermarktet werden dürfen. Die rund 200 Schweizer Demeter-Betriebe erfüllen alle mindestens auch das Knospe-Label. Zusammen machen die Biobetriebe einen Anteil von über 12 Prozent aller Landwirtschaftsbetriebe aus. Rund 4500 weitere Betriebe halten sich an die Richtlinien von IP Suisse (integrierte Produktion). Die Migros bezieht seit 2006 nur noch Produkte von Knospe-Betrieben, wenn diese aus der Schweiz stammen. Bei den Importen des Grossverteilers gelten nur die EU-Anforderungen, die weniger streng sind.

Fotos: David Hunziker

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