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Hochsaison

Kategorie: Garten
 Ausgabe_06_2016 - 01.06.2016

Text:  Remo Vetter

Stundenlang könnte Remo Vetter die Vorzüge von eigenem Gemüse preisen, doch im Juni ruft die Arbeit; mit selbst gemachten Kräuterauszügen sorgt er dafür, dass seine Pflanzen widerstandsfähig werden und gesund bleiben.

Ein Grund, weshalb ich so gerne gärtnere, ist schlicht, dass ich gerne esse und dass ich wissen möchte, woher ein Produkt kommt und wie es gewachsen ist. Beim eigenen Gemüse habe ich die Gewissheit, dass es aus gutem Saatgut stammt, mit viel Liebe umsorgt wurde und ohne chemische Pflanzenschutzmittel «aufwachsen» konnte. Kann der Genuss grösser sein, wenn man weiss, dass die Tomate im Salat vor einer Stunde frisch geerntet wurde? Für mich ist das Luxus pur. Die Freude am Essen und der Zubereitung der frischen und farbigen Pflanzen und Kräuter fühlt sich für mich ähnlich an wie die Freude an Kunst: Es regt die Sinne an und erfüllt einen mit Zufriedenheit. Und das Kochen eines Essens mit Zutaten aus dem Garten hat für mich etwas Meditatives, weil ich mir dafür Zeit lasse und weil ich diese Zutaten besonders schätze.

Nachsäen nicht vergessen. Doch genug geschwärmt: Der Garten ruft! Haben die Radieschen, die im März ausgesät wurden, fast unendlich lange auf sich warten lassen, bevor wir ernten konnten, geht jetzt im Juni alles viel schneller. Wärme im Topf und im Gemüsebeet sowie viel Licht durch die länger werdenden Tage, lassen nun alles viel schneller wachsen. Starkzehrer wie Tomaten, Gurken und Zucchini müssen jetzt regelmässig gedüngt und gewässert werden. Ich sage es immer wieder gerne: Gemüse sollte man lieber kleiner als zu gross ernten. Da schmeckt frisch Geerntetes einfach nochmals viel besser. Wichtig ist auch, rechtzeitig an das Nachsäen zu denken. Radieschen werden beispielsweise nachgesät, sobald sich die ersten Blätter zeigen, beim Pflücksalat, wenn sich die ersten drei, vier Blätter gebildet haben. Und wer nicht sät, sondern Setzlinge kauft, muss rechtzeitig für Nachschub sorgen. Im Topfgarten ist es am einfachsten, abgeerntete oder noch in Wartestellung befindliche Töpfe oder Blumenkästen in Rotation zu verwenden. Je nach Salatkonsum reichen beispielsweise drei einen Meter lange Balkonkästen, um sich vom Frühjahr bis Herbst mit Salat zu versorgen. Ist der eine Kasten fast abgeerntet, der zweite gerade im Kommen, dann wird wieder ausgesät.

Kraftfutter fürs Beet
Kräuterauszüge aus Brennnessel, Ackerschachtelhalm, Rainfarn und/oder Beinwell stärken die Widerstandskraft von Gemüse und Nutzpflanzen. Dafür nehmen wir ein Kilogramm frische Kräuter auf eine 10-Liter-Giesskanne und lassen das Ganze 24 bis 48 Stunden ziehen. Danach giessen wir unverdünnt. Mindestens einmal wöchentlich anwenden.

Nahrung für Tomaten. Sobald die Tomaten ihre ersten Blüten zeigen, heisst es neben dem regelmässigen wetterabhängigen Giessen, die üppig wachsenden Pflanzen auch zu düngen. Es gibt spezielle Biogemüse- oder Tomatendünger, die dafür einmal die Woche eingesetzt werden. Ich persönlich habe zum Düngen der Tomatenpflanzen Brennnessel- und Beinwellwasser angesetzt. Dies fördert dank dem enthaltenen Stickstoff das Pflanzenwachstum. Auch Gurken, Zucchini und Kürbis, alles Starkzehrer, sind über eine wöchentliche Düngergabe sehr erfreut. Bei den Tomatenpflanzen können nun die unteren Blätter entfernt werden. Dies hat zum einen den Zweck, dass die Tomaten mehr Energie in das Wachstum und vor allem in die Fruchtbildung legen. Zum anderen kann so die Krankheitsanfälligkeit minimiert werden und man muss beim Giessen nicht mehr schauen, dass die unteren Blätter nicht nass werden. Zum Entblättern der Tomaten ein paar Zentimeter vom Haupttrieb entfernt mit einem scharfen Messer einfach die Blätter bis maximal zur untersten Blütenrispe entfernen. Wichtig auch: Das regelmässige Entgeizen. Dabei einfach den frischen Austrieb zwischen zwei Blattachseln mit den Fingerspitzen abknipsen. Die anfänglich zarten Triebe wachsen rasch und stärker als der Haupttrieb und schwächen so die Pflanze. An heissen Sommertagen müssen wir unsere Tomaten und Gurken im Gewächshaus vor Überhitzung schützen. Dazu bringen wir unter dem Dach und an den Seitenwänden ein Schattiernetz an. Ausserdem ist es wichtig, die Dachfenster regelmässig zu öffnen, damit die aufgeheizte Luft entweichen kann. Tomaten reagieren empfindlich auf starke Temperaturschwankungen und einen unregelmässigen Wasserhaushalt – das kann sich dann mit dem Platzen der Haut bemerkbar machen. Zu sonnig kann es den Pflanzen hingegen nicht sein.

Gartenarbeiten im Juni
• Allgemein
Wir pflanzen neben dem Kompostbehälter jeweils ein bis zwei Kürbispflanzen und leiten die Triebe an den Seitenwänden hoch. Die grossen Kürbisblätter beschatten so den Kompost und sorgen bei kräftigen Regenfällen dafür, dass er nicht zu stark vernässt. Am nährstoffreichen Boden in Kompostnähe haben die Kürbispflanzen Freude.
• Nutzgarten
Nach dem 21. Juni ernten wir die Rhabarberstängel nicht mehr. Einerseits sind sie nicht mehr so gut, zum anderen braucht der Rhabarber die verbliebenen Blätter, um sich zu regenerieren. Wir arbeiten nach der letzten Ernte rund zwei bis drei Liter Kompost flach in die Erde ein und entfernen die jetzt entstehenden Blütenstängel. Wer die Triebspitzen seines Rosmarins nicht regelmässig für die Küche verwendet, sollte die Pflanzen nach der Blüte einmal kräftig stutzen. Lässt man Rosmarin frei wachsen, verkahlt er von unten und wird unansehnlich. Damit Salatgurken einen kräftigen Mitteltrieb und nicht zu viele Früchte bilden, muss man sie regelmässig ausdünnen. In der Regel belässt man nur die erste Frucht am Seitentrieb. Schlangengurken brauchen im Sommer bis zu drei Liter Wasser pro Tag. Bei Wassermangel werfen sie schnell ihre Früchte ab. Anders als Stangenbohnen, die spätestens Ende Mai ausgesät werden sollten, können wir uns bei rasch wachsenden Buschbohnen noch den ganzen Juni Zeit lassen. Wir säen sie in Reihen mit 40 Zentimeter Abstand und legen alle zwei bis drei Zentimeter jeweils einen Samen in die circa drei Zentimeter tiefen Rillen. Unter die Erdbeerpflanzen sollte eine Schicht Stroh ausgelegt werden, damit die Früchte nicht auf der Erde liegen. Das Mulchen der Erdbeeren mit Stroh schützt Pflanzen vor Krankheiten und Fäulnis.
• Aussaaten
Wenn nicht schon ausgesät, ist im Juni die letzte Möglichkeit, Karotten auszusäen (Sommersorten). Es empfiehlt sich, in die Karottenreihen Dill oder Radieschen mit einzusäen. Da diese schneller keimen als die Karotten, kann man die Pflanzreihen erkennen und Unkraut einfacher entfernen. Diesen Monat kann noch Bohnenkraut gesät werden. Der Spätsommersalat Endivie wird ab Mitte Juni direkt ins Beet gesät und auch Radicchio und Zuckerhut können ab derselben Zeit ausgesät werden. Blatt- und Stielmangold können immer noch gesät werden. Bis Mitte Juni kann man auch noch Randen aussäen. Die Ernte dieser Aussaat eignet sich besonders gut zum Einlagern für den Winter. Für die Winterernte vorgesehener Weisskohl und auch Blumenkohl säen. Ab Juni kann man auch Chinakohl direkt ins Freiland säen.

Am Morgen giessen. Zu viel, zu wenig oder zu spät gegossen? Das ist weniger ein Garten-, aber oft ein Topfgartenproblem. Vor allem auch bei hohen Temperaturen, wie wir sie letzten Sommer hatten, und bei sehr sonniger Ausrichtung. Ideal ist es, morgens den Topfgarten zu giessen und dann die Kannen gleich wieder zu füllen. Dann hat man das Wasser am nächsten Tag gleich griffbereit.

Zur Person
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im A. Vogel Besucherzentrum in Teufen Appenzell Ausserrhoden tätig.


Fotos: istockphoto.com

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