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Scharfe Kerlchen

Kategorie: Garten
 Ausgabe_05_2016 - 01.05.2016

Text:  Vera Sohmer

Oft sind sie nur Nebendarsteller. Dabei haben Radieschen das Zeug zum Star – sei es als Salat oder warm als köstliche Vorspeise.

Erste Behauptung: Radieschen sind ja ganz nett für zwischendurch, aber einen feinen Gaumen beglücken sie wohl kaum. Zweite Behauptung: Für den warmen Verzehr sind sie völlig ungeeignet. «Papperlapapp», sagte sich der Berliner Spitzenkoch und Gemüsegärtner Michael Hoffmann; putzte und halbierte seine Radieschen, schwitzte sie in etwas Öl in der Pfanne an, goss ein bisschen Wasser dazu, legte den Deckel darauf und liess das Ganze köcheln. Danach wurde mit Salz abgeschmeckt und auf einem Teller mit ein paar Kräutern und etwas zerbröseltem Ziegenkäse angerichtet. Nachmachen und staunen: Welch schmackhaftes und im Nu zubereitetes Gericht. Das Rezept wird inzwischen als länderübergreifender Geheimtipp gehandelt und steht auch bei Schweizer Hobbyköchen regelmässig auf dem Plan. Manchmal als Vorspeise und liebend gern als leichte Hauptmahlzeit.

Von Asien nach Frankreich. «Radisli» als warmes Gemüse. Das mag auf den ersten Blick neu und überraschend erscheinen. Liegt aber auf der Hand, weiss Biogemüsebauer Stephan Müller aus Steinmaur im Zürcher Unterland. Schliesslich stammen Radieschen aus dem asiatischen Kulturraum, wo Gedünstetes seit jeher üblich ist. Der verwandte Rettich dürfte dort ebenfalls schon immer gekocht konsumiert worden sein. Der Radieschen-Ursprung wird in Vorderasien oder China vermutet, dort wurden wilde Formen gefunden. «Im Altertum hat man sie dann in japanischen und chinesischen Ziergärten angebaut», sagt Müller. Bekannt und beliebt seien sie auch im alten Ägypten und Griechenland gewesen. Frankreich war im 16. Jahrhundert erstes Anbaugebiet in Europa. Deutlich später als der Rettich. Dieser wurde in Deutschland bereits im 13. Jahrhundert als Gemüse- und Heilpflanze geschätzt.

Grün nicht wegwerfen. Heute ist das Radieschen zum Standardgemüse geworden und wird in der Schweiz das ganze Jahr angebaut. Geraffelt oder geviertelt finden es Konsumenten in Fertigsalaten, als Garnitur auf dem Teller oder im Sandwich; oft als unscheinbare und fad schmeckende Dreingabe, die nicht besonders beachtet oder extra erwähnt wird. Höchste Zeit, das knackige Knöllchen in den Mittelpunkt zu rücken – und es so frisch wie möglich zu geniessen. Wer Radieschen selbst anpflanzt, kann es machen wie Stephan Müller: Sie aus der Erde ziehen, abwischen, reinbeissen. Ein herrlich saftiger, pikant scharfer Frischekick.

Unkompliziert im Anbau. Als einfach beschreibt Stephan Müller die Aussaat. Auch benötigt das Gemüse keine besondere Pflege. Auf der Hut sein müsse man nur vor ein paar Schädlingen. Radieschen kommen aus der grossen Familie der Kreuzblütler und sind auf alle Kohlschädlinge anfällig. Aufwendig hingegen ist die Ernte – es geschieht alles in Handarbeit. «Es gibt nur wenige, spezialisierte Betriebe, die mit Bündelautomaten arbeiten», sagt Müller. Er bietet seine Exemplare auf dem Wochenmarkt oder im Hofladen an. Zunehmend beliebt seien «Jumbo-Radies», sie haben einen Durchmesser von dreieinhalb oder mehr Zentimetern. Liebhaber, die darüber hinaus das Besondere suchen, finden inzwischen wieder alte Landsorten. Diese können gelb, grün, weiss oder rot-weiss marmoriert sein. Und haben Sie schon einmal einen «Eiszapfen» probiert? Es handelt sich um eine schmackhafte, in die Länge gezogene Kreuzung aus Radieschen und Rettich; und kann natürlich auch gekocht werden.

Wissenswertes rund ums Radieschen
• Die Bezeichnung Radieschen leitet sich aus dem lateinischen Wort radix ab, was Wurzel heisst.
• Frische Radieschen haben feste Knollen mit glatter, straffer Haut. Überlagerte hingegen fühlen sich «gummig» und weich an und die Blätter sind schlapp.
• Freiland-Ware schmeckt in der Regel schärfer als jene aus dem Treibhaus. Für die Schärfe ist das Senföl in der Knolle verantwortlich.
• Radieschen bleiben länger frisch, wenn man die Blätter abschneidet. Das verhindert den Wasserverlust. Am besten so weit kappen, dass Stümpfe von zirka einem Zentimeter übrig bleiben. Den Bund dann mit den Stümpfen nach unten in ein Schälchen mit Wasser stellen und mit einem Plastikbeutel zudecken. Die Radieschen halten sich so im Gemüsefach des Kühlschranks mehrere Tage. Sie lassen sich auch in ein feuchtes Tuch einschlagen.
• Die Knollen haben manchmal kleine Risse oder Löcher (Frass-Stellen). Das mag unschön aussehen, sagt Gemüsebauer Stephan Müller, ist aber keine Qualitätseinbusse. Es schmeckt trotzdem.
• Radieschen sind eine gesunde Zwischenverpflegung. Sie enthalten Mineralsalze sowie die Vitamine A, B und C.

Fotos: istockphoto.com

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