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Vergnügliche Einkehr

Kategorie: Garten
 Ausgabe_05_2016 - 01.05.2016

Text:  Remo Vetter

Ob grosser Garten oder kleiner Balkon: Wer seine Zeit jetzt wieder vermehrt draussen verbringt, bereitet damit nicht nur sich, sondern auch seinen Mitmenschen viel Freude.

Der Garten, die Terrasse, selbst der kleinste Balkon erhöht bei den meisten Menschen die Lebensfreude. Neben dem Aspekt, dass man sich ab dem Beginn der Gartensaison mehr bewegt und durch das Draussensein für eine schöne Portion Extrasauerstoff sorgt, hat das Tun mit der Erde und den Pflanzen durchaus auch einen therapeutischen Charakter; das Schaffen im Garten hilft abzuschalten, schafft Platz für neue Gedanken und sorgt für ein wohliges Gefühl der Zufriedenheit.

Viele Menschen erleben durch die Gartenarbeit eine Art Erdung in einer Welt, die so schnelllebig geworden und zubetoniert worden ist. Sie geniessen das Werkeln, Richten, Hegen und Pflegen von Rasen, Hecken, Gemüsebeeten und Obstbäumen. Und über das Schaffen hinaus bietet ein Garten, eine Terrasse oder ein Balkon viele Möglichkeiten, soziale Kontakte zu pflegen, sei es durch eine spontane Einladung zum Grillieren, sei es um Geburtstage oder andere Jubiläen zu feiern. Ist der Balkon zu klein, um Gäste zu bewirten, reicht der Platz doch meist aus, um einen kleinen Stehapéro in der untergehenden Sonne geniessen zu können.

Wenn die warmen Sonnenstrahlen nach einem langen Winter aufzeigen, dass nun die Zeit der Erneuerung kommt, heisst es, sich um die Planung und Vorbereitung von Kübelpflanzen, Bäumen sowie der einzelnen Beete zu kümmern. Es lässt sich einiges vorbereiten, um schlussendlich im Sommer sein Garten- und Balkonparadies in voller Farbenpracht geniessen zu können.

Geniessen und warten. Der Mai ist einer der schönsten Monate im Jahr, nicht nur für heiratswillige Pärchen, sondern vor allem auch für Garten- und Balkonbesitzer. Häufig gibt es während dieses Monats bereits warme Tage, die dazu einladen, viel Zeit im grünen Paradies zu verbringen. Jäten im Wildkräuterbeet, das Einbringen der Erdbeeren und frostempfindlichen Sommerpflanzen sowie der Zwiebeln der Herbstpflanzen oder auch der Schnitt von Gräsern sind Arbeiten, die im Mai erledigt sein wollen.

Dennoch, nur nicht ungeduldig werden, heisst das Gärtnermotto im Wonnemonat Mai. Denn die Eisheiligen (11. bis 15. Mai) sollten abgewartet werden, bevor das grosse Pflanzen beginnen kann. Ungeduldigen sei gesagt: Vorzeitiges Pflanzen lohnt nicht, denn der Zeitgewinn kann das Risiko nicht aufwiegen. Aufpassen müssen wir auch noch nach den Eisheiligen, da die Bauernregeln nicht immer so genau genommen werden können. Es kann vorkommen, dass es auch noch bis Ende Monat kalte und manchmal frostige Nächte geben kann. Da wir heute auch als Gärtner immer öfters online sind und die Wetter-App doch einmal kühlere Tage ankündigen kann, sind wir meist gewarnt und es bleibt Zeit, Pflanzen mit einem Vlies oder einer Folie vor der Kälte zu schützen. Wir sind in den vergangenen Jahren grundsätzlich ganz gut damit gefahren, einem Onlinewetterbericht zu folgen. Auch als Gärtner profitiert man von den digitalen Errungenschaften: Schon öfters haben wir per SMS Wetterwarnungen von Gärtnerkollegen aus ganz Europa erhalten, wenn zum Beispiel ein Sturmtief oder Kälteeinbruch drohte.

Gartenarbeiten im Mai
• Allgemeine Gartenarbeiten
Wenn die Temperatur steigt, beschleunigen auch die Mikroorganismen im Komposthaufen ihre Arbeit. Um den Verrottungsprozess zu beschleunigen, bietet sich ein Umsetzen des Kompostes jetzt an. Ende Monat sollten die ersten direkt gesäten Sämlinge bereits keimen. In dieser Phase ist es wichtig, dass wir dem Wasserhaushalt Beachtung schenken, damit die zarten Pflänzchen nicht vertrocknen. Mit häufigem Hacken lockern wir den Boden, öffnen die Kapillaren, damit die Erde atmen kann, und verhindern so auch das Wachstum von unerwünschten Kräutern. In den Zierbeeten, zwischen Blumen und Stauden mulchen wir den Boden, damit das Unkrautwachstum reduziert und die Feuchtigkeit im Boden gehalten wird. Gleichzeitig wird dem Boden so Humus zugeführt. Wenn die Temperaturen steigen und der Boden sich erwärmt hat, keimt auch das Unkraut. Problematische Arten wie Ackerwinde und Quecke müssen unbedingt ausgegraben werden. Auf gar keinen Fall mit der Bodenhacke oder dem Kultivator bearbeiten, das vermehrt die Wurzelunkräuter und lässt sie zur Plage werden. An den ersten feuchtwarmen Tagen treten bereits grosse Blattlauskolonien auf. Wichtig ist, dass wir bereits Nistplätze für Nützlinge wie Schlupfsäcke und umgestülpte mit Holzwolle gefüllte Tontöpfe für Ohrwürmer aufgestellt haben, um Nützlinge zu fördern, welche die unerwünschten Schädlinge in Schach halten. Um Nützlinge anzulocken, ist es wichtig frühjahrsblühende Pflanzen wie Narzissen, Traubenhyazinthen, Schlehe und Weissdorn im Garten zu haben sowie Kräuter wie Kümmel, Liebstöckel, Fenchel und Ringelblumen.
• Gemüsegärten
Vorgezogene Kräuter und Gemüsesetzlinge wie zum Beispiel Basilikum, Estragon und Majoran können ab Mitte Monat in den Garten oder auf den Balkon umgesetzt werden. Auberginen, Blumenkohl, Buschbohnen, Fenchel, Grünkohl, Gurken, Paprika, Rosenkohl, Tomaten, Zucchini, Weisskohl und Wirsing können ins Freiland gesetzt werden. Um Rüebli vor Ungeziefer zu schützen, pflanzen wir diese zwischen Lauch und Zwiebeln. Kohl pflanzen wir zu Sellerie und Lauch. Ab Mitte Mai säen wir Schnittsalate, Spinat, Karotten, Radieschen, Rettiche, Randen, und Schnittsellerie direkt ins Beet. Kräuter wie Kerbel, Dill, Bohnenkraut, Majoran, Koriander, Maggikraut und Kapuzinerkresse können direkt in den Garten gesät werden. Je nach Bedarf säen wir den ganzen Sommer hindurch nach, damit wir immer frische Kräuter zur Verfügung haben.
• Blumengarten
Der Mai ist auch ein idealer Monat, um Containerpflanzen wie Rhododendron auszupflanzen. Jetzt ist auch ein günstiger Moment, um Rasen zu säen. Frisch gesäter Rasen sollte in Zeiten ohne Regen etwa drei Mal die Woche gewässert werden. Ein Austrocknen würde das Wachstum verlangsamen oder den frisch gesäten Rasen zerstören. Damit das Gras besonders kräftig, dicht und grün wird, entfernen wir zuerst das Unkraut. Anschliessend schneiden wir den Rasen auf etwa fünf Zentimeter Länge und geben etwas biologischen Rasendünger. Den Rasenschnitt verwenden wir zum Mulchen der Staudenbeete oder geben ihn auf den Kompost. Wichtig ist, dass der Rasenschnitt mit dem übrigen Kompostmaterial gut vermischt wird, damit kein unerwünschter Silagegeruch entsteht. Ab Mitte Monat Kübelpflanzen und Geranien auf Balkon und Terrasse stellen. Hecken verschönern jeden Garten. Jedoch entfalten sie erst nach dem Schnitt ihre Formschönheit. Wir schneiden Sträucher wie Forsythie, Hibiskus, Goldregen und Flieder und teilen diese bei Bedarf. Um den jungen Trieben Platz zu machen, müssen die alten Zweige direkt am Ansatz der Pflanze entfernt werden. Falls die mehrjährigen Blütenstauden im letzten Sommer nicht mehr so reichhaltig geblüht haben, dann ist das ein sicheres Zeichen, dass sie eine Verjüngungskur benötigen. Kletterpflanzen sind ein optimaler Sichtschutz für Terrasse und Balkon. Dazu eignen sich zum Beispiel Geissblatt oder Glyzinien. Das sind fleissige Kletterer, schiessen schnell in die Höhe und tragen bald schon schöne Blütenstände.

Geschätzte Mischkulturen. Als erfahrene Gärtner pflanzen wir unser Gemüse grundsätzlich als Mischkultur an. Dies bietet nicht nur einen optischen Reiz, sondern beugt einem Schädlingsbefall sowie Pilzerkrankungen an den Pflanzen vor. Mischkulturen können wir nicht nur durch die Vermischung von Gemüsesorten erreichen, sondern auch mit Pflanzen wie Tagetes, Ringelblumen, Sonnenblumen und Kapuzinerkresse zwischen den Gemüsereihen. Diese Sommerblumen passen sehr gut zu Tomaten, Gurken und Zucchini, die wir nicht kriechen lassen, sondern an Stäben hochbinden.

Zur Person
Demo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im A. Vogel Besucherzentrum in Teufen Appenzell Ausserrhoden tätig.

Fotos: fotolia.com, istockphoto.com

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