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Eine flinke Taucherin

Kategorie: Natur
 Ausgabe_04_2016 - 01.04.2016

Text:  Markus Kellenberger

Eine tauchende Maus, die ihre Beute mit giftigem Biss lähmt: mit der Wasserspitzmaus hat die Naturschutzorganisation Pro Natura eine aussergewöhnliche Bachbewohnerin zum Tier des Jahres 2016 gewählt.

Unerschrocken stürzt sich der pelzige Winzling ins Wasser, taucht bis zum Grund und stochert kopfüber mit spitzer Schnauze zwischen Steinen nach Leckerbissen. Die Lebensweise der Wasserspitzmaus, Tier des Jahres 2016 von Pro Natura, verblüfft: Seine Nahrung erbeutet das kleine Säugetier mehrheitlich schwimmend und tauchend. Der niedliche Eindruck täuscht: Seine Opfer lähmt es mit einem giftigen Biss.

Auf sauberes Wasser angewiesen. Die Wasserspitzmaus lebt an kleinen bis mittleren Wasserläufen und stehenden Gewässern in der ganzen Schweiz. Sie ist auf sauberes, sauerstoffreiches Wasser angewiesen, in dem sie ein reich gedecktes Unterwasserbuffet vorfindet – Insektenlarven, Kleinkrebse, Schnecken, Muscheln, gelegentlich auch kleine Fische. Natürliche Ufer mit dichtem Bewuchs, unterspülten Bereichen, Baumwurzeln oder Steinblöcken bieten dem scheuen Kleinsäuger Deckung vor seinen Feinden wie etwa der Schleiereule, dem Reiher, dem Wiesel oder dem Fuchs.

Keine Deckung gibt es für die flinke Taucherin vor einer weniger offensichtlichen Gefahr – vor Pestiziden im Wasser. Diese gelangen aus der landwirtschaftlichen Produktion in die Bäche. Schweizweit werden jährlich rund 2000 Tonnen solcher sogenannter «Pflanzenschutzmittel» auf Äcker, Wiesen, Weinreben oder in Obstplantagen ausgebracht. Mit dem Regenwasser gelangt ein Teil davon in die Gewässer. Mit der Wahl einer Bachbewohnerin zum Tier des Jahres macht Pro Natura auf den besorgniserregenden Pestizidcocktail besonders in den kleineren und mittleren Fliessgewässern aufmerksam und ruft auf zum besseren Schutz unserer Gewässer und ihrer Ufer.

Stark verschmutzte Gewässer
Die Eawag, das Wasserforschungsinstitut der ETH, publizierte im Jahr 2014 eine Analyse von fünf mittelgrossen Schweizer Wasserläufen mit alarmierenden Resultaten: In jeder Probe konnten im Durchschnitt 40 Pestizide aus der Landwirtschaft nachgewiesen werden. Insgesamt wurden über 100 verschiedene Pestizide nachgewiesen, die teils über dem Grenzwert der Gewässerschutzverordnung lagen. Pro Natura fordert eine deutliche Reduktion des Pestizideinsatzes sowie ein Verbot besonders umwelt- und gesundheitsschädlicher Pestizide.

Eine Maus, die keine ist. Die Wasserspitzmaus ist die grösste von elf einheimischen Spitzmausarten. Sie misst ohne Schwanz sechs bis zehn Zentimeter und wiegt zehn bis zwanzig Gramm. Ihr Pelz ist zweifarbig mit hellem Bauch und schiefergrauem bis schwarzem Rücken. Zur Orientierung verlässt sie sich vor allem auf ihren guten Riecher und die Tasthaare an ihrem beweglichen Rüssel. Mit den «echten» Mäusen ist die Wasserspitzmaus trotz ihres Namens nicht näher verwandt. Während die eigentlichen Mäuse zur Ordnung der Nagetiere gehören und sich vorwiegend pflanzlich ernähren, zählen Spitzmäuse zur Ordnung der Insektenfresser. Ihre nächsten Verwandten sind Maulwürfe und Igel.

Quelle: Pro Natura, Fotos: zvg, Illustrationen: Rahel Blaser

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