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Die gute Erde

Kategorie: Garten
 Ausgabe_03_2016 - 01.03.2016

Text:  Andreas Krebs

Grundlage des gärtnerischen Erfolgs, ja des Lebens überhaupt ist die Erde. Jetzt im Frühjahr ist es Zeit, sich ihr zu widmen. «natürlich» zeigt, was es braucht, damit die Erde reiche Früchte trägt.

«Es kam mir vor, wie wenn ich in den Himmel voller funkelnder Sterne schauen würde. Augenblicklich wurde mit klar, dass die Erde etwas Dynamisches, etwas zutiefst Lebendiges ist», erzählt eine Freundin, nachdem sie durch das Mikroskop eine Bodenprobe ihres Gartens betrachtet hatte. Tatsächlich: In einer Handvoll Humus gibt es mehr Lebewesen als Menschen auf der Erde.

 

Ein Volk von Gärtnern. Den meisten Schweizer Hobbygärtnern ist es freilich verwehrt, ihre Gartenerde einmal so detailliert zu begutachten. Jahr für Jahr schleppen Hobbygärtner in der Schweiz rund 300 000 Kubikmeter Erde sackweise nach Hause: Universalerde, Balkonerde, Rosenerde, Topferde, Kaktuserde – das Angebot an Mischungen ist riesig. Rund zwei Drittel davon stammen aus dem Ausland, hauptsächlich aus Deutschland. Noch immer enthalten viele Mischungen Torf. Torferde gilt einerseits als ideale Erde für Pflanzen, die gerne einen sauren Boden haben, und andererseits soll die Beigabe von Torf den Boden verbessern und düngen. Der effektive Nutzen von Torf in der Erde ist inzwischen aber umstritten, weil Torf den Boden längerfristig sauer macht und so wiederum zusätzlicher Dünger gebraucht wird. Das Hauptproblem sind jedoch die ökologischen Auswirkungen des Abbaus: Über Jahrtausende gewachsene Moorlandschaften werden für immer zerstört, einzigartige, hoch spezialisierte Pflanzen wie Sonnentau, Wollgras, Orchideen und bedrohte Tiere wie Birkhuhn, Sumpfohreule und Hochmoorgelbling verschwinden. Zurück bleiben trostlose Torfwüsten, die kaum Wasser speichern. Überschwemmungen drohen. Zudem werden beim Torfabbau gewaltige Mengen CO2 freigesetzt. Moore machen nur drei Prozent der weltweiten Landfläche aus, speichern aber doppelt so viel Kohlenstoffdioxid wie alle Wälder der Erde zusammen. In der Schweiz ist der Torfabbau seit 1987 verboten. Doch der Raubbau geht anderswo weiter: Vorwiegend auf dem Baltikum, wo Moorlandschaften kaum geschützt sind, aber auch in Skandinavien und Kanada.

 

Lockern statt Düngen – Tipps für eine gute Erde

 Kaufen Sie ausschliesslich torffreie Erde mit der Bezeichnung «ohne Torf» oder «torffrei».

 Achtung: Die Bezeichnung «bio» ist bei Erden nicht geschützt und keine Garantie dafür, dass es sich um ein torffreies Produkt handelt. Deshalb: Angaben der Inhaltsstoffe beachten. Bio Suisse- und Knospe-Erden sind torffrei.

 Brauchen Sie gekaufte Erde rasch auf.

 Sie können sich auch Ihre eigene Universalerde mischen aus der Erde Ihres Gartens (ca. 60 %), reifem Kompost (20 %) und Sand (20 %). Kompost wirkt als organischer Dünger und fördert die biologische Aktivität des Bodens.

 Lehmige Böden nicht düngen; allenfalls mit Sand und etwas Kompost sowie Erde aus dem Handel aufbereiten.

 Sandige Böden vertragen zuweilen etwas Dünger, da die Nährstoffe nach unten ausgeschwemmt werden. Aber auch dort gilt: weniger ist mehr. Besser mit lehmiger

Erde sowie etwas Kompost und Hornspänen mischen.

 Lockern Sie den Boden öfter. Das verbessert die Durchlüftung und die Bodenstruktur.

 Verzichten Sie auf Rhododendron, Azaleen und andere Arten, die saure, in der Regel torfhaltige Erde benötigen. Pflanzen Sie stattdessen einheimische Bäume, Sträucher und Blumen wie zum Beispiel Holunder, Vogelbeere, Schneeball, Glockenblume, Storchenschnabel, Eisenhut oder Katzenminze. Als Belohnung können Sie sich an Vögeln und Schmetterlingen erfreuen.

 Topfpflanzen sollte man nicht in die Erde des letzten Jahres setzen, da diese womöglich Krankheitskeime enthält und versalzen ist. Die Erde kann kompostiert oder direkt ins Beet eingearbeitet werden. Erde im Frühjahr wechseln, wenn kein Frost mehr folgt, aber bevor die Pflanze mit Kraft zu wachsen beginnt. Beim Austausch kontrollieren, ob die Pflanze einen grösseren Topf braucht.

 Eine Drainage aus Kies, Blähton oder Schaumglas verhindert, dass die Wurzeln im Wasser stehen.

 Trauermücken bei Zimmerpflanzen sind ein Zeichen dafür, dass die Erde zu feucht gehalten wird.  

 

Kokos statt Torf. Alternativen zum Torf gibt es viele. Gute sind in ihren Eigenschaften mindestens ebenbürtig, aber nicht zwingend ökologisch besser. Zum Beispiel Kokos, das besonders häufig als Torfersatz verwendet wird. Laut einer kurz vor Weihnachten 2015 publizierten Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften Wädenswil stellen Kokos fasern «bezüglich der ökologischen Kriterien keine geeignete Torfalternative dar. Zwar tragen Kokosfasern im Vergleich zu Torf weniger stark zum Klimawandel bei, dafür sind insbesondere die Schadstoffemissionen ins Wasser höher». Als Torfersatz, so die Wissenschaftler, «zeichnen sich insbesondere Landerde, Rindenkompost, TEFA-Maisfasern, Holzfasern und Holzhäcksel sowohl durch geringe Umweltauswirkungen als auch durch eine positive Beurteilung der sozialen Aspekte und der zukünftigen Verfügbarkeit aus».

 

Aus ebendiesen Materialien, hauptsächlich Nebenprodukte der Land- und Forstwirtschaft sowie des Gartenbaus, produziert Ricoter, Schweizer Marktführer in der Erdaufbereitung, in Aarberg und Frauenfeld über 100 000 Kubikmeter Erde pro Jahr. «Wir bringen hochwertige Schweizer Naturprodukte, die früher deponiert wurden, in den Kreislauf zurück», sagt Geschäftsführer Ulrich Zimmer. Landerde, wie sie beim Rübenwaschenanfalle, sei zum Beispiel nach der Aufbereitung als klassischer Torfersatz eine sehr wertvolle Komponente. Dass es ohne Torf geht, beweist Ricoter: Seit 2014 sind die Erden desHobbybereichs torffrei, bei über 30 Produkten. Selbst für Moorbeete, wie man sie beispielsweise bei Rhododendren braucht, hat die Pionierin Alternativen entwickelt. «Nun bauen wir die Bio-Linie weiter aus», sagt Zimmer. Gut ein Drittel des Sortiments ist schon biozertifiziert. Bio sei vor allem bei Gemüse-, Kräuter- und Rasenerden gefragt. Ausserdem wolle Ricoter Kokosfasern mehr und mehr mit Mais und anderen natürlichen Produkten ersetzen, so Zimmer weiter. «Wir sind ständig auf der Suche nach ökologisch noch besseren Varianten.»

 

Hausgemachte Erde. Wer einen eigenen Garten hat, kann Erde auch selber herstellen. Erde aus dem Handel brauche es im Garten nicht, erklärt Urs Streuli, Gartenberater bei Bioterra. Blumenerde für Kistli und Töpfe macht man mit lehmiger Erde (die von Maus- und Maulwurfhügeln hat eine besonders gute Struktur), etwas Kompost oder Hornspänen und Sand. Streulis Tipp, um das selbst gemachte Substrat luftiger zu machen: 30 Prozent Erde aus dem Handel beimischen. Er rät davor ab, diese pur zu verwenden. «Auch Bio-Erden enthalten in der Regel nur wenig Mineralisches. Wenn man Tomaten zieht, ist der Stickstoff nach fünf bis sechs Wochen aufgebraucht.» Wer nicht mit Kompost und Hornspänen vorgesorgt hat, muss dann nachdüngen. Erden in kleinen Töpfen sollte man jedes Jahr wechseln, da sie versalzen und womöglich von Schädlingen befallen seien, sagt Ulrich Zimmer von Ricoter. Stark mineralische Erden in

grossen Töpfen und Trögen hingegen könne man über Jahre bleiben lassen – «sofern der Topf noch passt». Eine Drainage aus Kies, Blähton oder Schaumglas verhindert, dass die Wurzeln im Wasser stehen. Trauermücken bei Zimmerpflanzen sind übrigens ein deutliches Zeichen dafür, dass die Erde zu feucht ist.

 

+ Buchtipps

Annie Francé-Harrar: «Die letzte Chance für eine Zukunft ohne Not», Blue Anathan Verlag (als PDF gratis: www.ddbpage.net/btq).

Erhard Henning: «Geheimnisse der fruchtbaren Böden – Die Humuswirtschaft als Bewahrerin unserer natürlichen Lebensgrundlagen», OLV Organischer Landbau Verlag.

Amy Stewart: «Der Regenwurm ist immer der Gärtner», oekom.

Raoul Heinrich Francé: «Das Leben im Boden. Das Edaphon», OLV Organischer Landbau Verlag.

Bioterra-Merkblatt «Kompost – Das Gold des Biogartens» (bestellen via www.bioterra.ch/shop).

Agnes Pahler: «Das Kompostbuch», Pala Verlag.

David R. Montgomery: «Dreck – Warum unsere Zivilisation den Boden unter den Füssen verliert», oekom.

 

Fotos: istockphoto.com,  ricoter.ch

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