Artikel Natur :: Natürlich Online Blumige Ernte | Natürlich

Blumige Ernte

Kategorie: Natur
 Ausgabe_01/02_2016 - 01.02.2016

Text:  Eva Rosenfelder

Wie duftet die Welt? Vor dreissig Jahren zogen vier Junge Freunde aus, um Pflanzen und deren Wohlgerüche zu entdecken. Heute steht der Name Farfalla für fair und umweltfreundlich hergestellte Biokosmetik und Öle.

Den Zikaden lauschen. Und den Duft des würzigen Rosmarins einsaugen. Umhüllt vom Parfüm der Rosen träumen. Sich von Bergamottenfrische in den Süden Kalabriens entführen lassen. Riechen Sie es? Düfte tragen uns weit in die Ferne, wecken Erinnerungen, beruhigen, regen an, wirken magisch. Düfte verzaubern. Im Bann dieser Düfte der Natur sind seit 30 Jahren auch vier unzertrennliche Freunde. Angefangen hat es in den 1980er-Jahren am Zürcher Rosenhof-Markt mit einem «Duftstand». «Es war eine Zeit des Aufbruchs, die Blüte der Hippie-Ideologie», erinnert sich der 63-jährige Jean-Claude Richard. «Wir verkauften ätherische Öle, natürliche Gesichts- und Körpercrèmes, Edelsteine. Produkte, die damals als exotisch galten.» Aus dem Marktstand wurde Farfalla (italienisch: Schmetterling), ein Unternehmen mit fünf Ladengeschäften in der Schweiz und zahlreichen Wiederverkäufern, auch im Ausland.

Erste Experimente in der WG-Küche. Inzwischen sind «Schmetterlinge» der zweiten Generation in der Geschäftsleitung: Der 34-jährige Sohn von Jean-Claude Richard, Malvin Richard, ist zuständig fürs Marketing und die Ethnobotanikerin Serena Britos (34) reist in alle Welt, um Rohstoffe und Produzenten aufzuspüren. «Wir alle tragen die einstigen Werte mit», versichert Malvin Richard. «Diese sind heute zudem auch topaktuell, vegane und biologische Produkte gefragter denn je.» Rund 400 verschiedene Produkte von ätherischen Ölen, Parfums, Badesalzen, Pflegeölen, bis zu Edelsteinen und Schmuck sind heute im Angebot. «Doch alles ist langsam und organisch gewachsen», erinnert sich Malvin Richard, dessen Geburtsjahr 1982 zusammenfällt mit der Eröffnung des ersten Ladens im Zürcher Seefeld. «In der Küche unserer zwölfköpfigen Wohngemeinschaft, experimentierten meine Eltern mit Mixer und Mischbuch ausgerüstet mit ätherischen Ölen und erstellten so die erste Naturkosmetik.»

Suche nach neuen Düften. Doch das Gründungsteam, die vier «Farfallas» Paul Gisler, Gian Furrer, Marianne und Jean-Claude Richard, hat in diesen dreissig Geschäftsjahren viel mehr als «nur» ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut. «Unsere Leidenschaft für natürliche Duftessenzen führte uns – ähnlich den Schmetterlingen – unentwegt zu neuen Pflanzen. Wir wollten mehr über die Herkunft und Verwendung der Pflanzen erfahren und unseren eigenen Wissensdurst stillen», erinnert sich Jean-Claude Richard. «Damals gab es noch kein Internet, keine klar definierte Bioszene, alles beruhte auf persönlichen Beziehungen.» Sie reisten in alle Himmelsrichtungen und knüpften Kontakte zu lokalen Produzenten und Bauern. Über die Jahre ist so ein Netz entstanden, das auf den Pfeilern der damaligen Hippie-Ideologie beruht: Bio, Nachhaltigkeit, Fairness und Menschlichkeit.

Bis zum heutigen Tag sind diese Werte fester Bestandteil der Firmenideologie geblieben. Neben diversen anerkannten Natur- und Biokosmetik-Labeln zeichnet Farfalla heute zudem auch mit hauseigenem «GrandCru-Label» ätherische Öle aus, deren Erzeugnis neben Bioproduktion oder Wildsammlung auch noch einen sozialen Mehrwert bietet. «GrandCru»-Produkte stammen aus der für sie typisch ursprünglichen Anbauregion, deren Produzenten setzen sich für nachhaltige Themen wie Ökologie und Soziales vor Ort ein und tragen bewusst zur Artenvielfalt bei. Alle diese Rohstoffe und Aromapflanzen stammen aus kontrollierter Wildsammlung, biologischem oder Demeter-Anbau.

Bei den Pflanzenflüsterer. «Wir suchten Lieferanten, die in Einklang mit der Natur sammelten und destillierten, ganz wie es unseren Idealen von Freiheit und Kreativität entsprach», so Jean-Claude Richard. «Begegnet sind wir vielen eindrücklichen Menschen, oft richtigen Pflanzenflüsteren. Daraus sind langjährige Beziehungen und Freundschaften entstanden, die zum Teil bis heute andauern.»

Ihre erste Lieferantin für Bio-Essenzen trafen die Farfallas im Land des Lichts, in den südfranzösischen Cevennen. «Sie brachte uns viel bei über die Natur der Pflanzen und weckte unsere Begeisterung für Wildpflanzen. Von hier stammt unser wilder Berglavendel, ebenso Wacholder und Lorbeer. Heute sammelt jeweils eine Gruppe von acht einheimischen Frauen von Mai bis Oktober die in und um den Nationalpark wild vorkommenden Pflanzen, aus denen hochstehende ätherische Öle nach Bio-Richtlinien gewonnen werden.» Das ist nur eines von zahlreichen Projekten: In Süditalien gibt es beispielsweise eine Cooperative, die ihre Haine ausschliesslich biologisch pflegt. Aus dieser herben, vom Winde verwehten Küstengegend Kalabriens bezieht Farfalla die Bergamotte. Das ätherische Öl dieser wenig bekannten Zitrusfrucht wird aus den reifen Fruchtschalen gepresst. Stimmungserhellend soll diese Essenz wirken. Wenn wunderts – bei 360 Tagen Sonne im Jahr.

Das erfolgreiche Projekt der vier Farfallas, deren langjährige Freundschaft bis heute trägt, zeigt: Auch wer vorerst im Kleinen wirkt, kann manchmal Grosses bewirken. Das Rezept dazu habe nur drei Buchstaben, weiss Jean-Claude Richard: «Tun!». 

Literaturtipps
• Susanne Fischer-Rizzi: «Himmlische Düfte: Das grosse Buch der Aromatherapie», AT-Verlag
• Maria Kettenring: «Hausapotheke Ätherische Öle. Schnelle Hilfe für jeden Tag», Joy Verlag
• Renato Strassmann: «Duftheilkunde: Der Weg, Düften zu begegnen», Strassmann Verlag

Fotos: zvg, istockphoto.com

Tags (Stichworte):

Kategorie: Natur

Vögel II: Überforderte Greifvögel

Windräder sind eigentliche Todesfallen für grosse Vögel – beispielsweise...

Kategorie:

Kategorie: Garten

Seelenwärmer und Bastelutensil

Einst das Brot der Bauern, heute eine winterliche Gaumenfreude: Eine...