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«Die Lawine weiss nicht, dass Du Experte bist.»

Kategorie: Natur
 Ausgabe_12_2015 - 01.12.2015

Text:  Andreas Walker, Markus Kellenberger

Lawinen und wie man sich vor ihnen schützt, ist seine Passion. Der Lawinenexperte von Transa, Rüdiger Flothmann, über sinnvolle Ausrüstung und unseren Hang zum Risiko.

Der Mann ist gerne draussen. Im Sommer als Wanderleiter, im Winter als Lawinenexperte. Rüdiger Flothman kennt die Berge und ihre Gefahren. Sein Wissen teilt er gerne umfassend und kostenlos allen auf seiner Website (www.ich-liebe-berge.ch) mit, aber besonders gerne und praxisnah tut er das an Lawinenpräventions-Kursen.

Der erste und eindringlich formulierte Tipp vom Fachmann: «Wer das Abenteuer abseits der Pisten sucht, muss entsprechend ausgerüstet sein.» Das heisst, das Lawinenverschüttetengerät (LVS) befindet sich eingeschaltet auf Mann, und im Rucksack hat jeder eine Lawinenschaufel und eine Lawinensonde dabei. Diese Basisausrüstung gibt es im Fachhandel einzeln oder ab rund 200 Franken auch als Bundle zu kaufen – das ist nicht ganz billig, aber das eigene Leben und das der Kameradinnen und Kameraden sollten einem schon ein paar Franken wert sein.

Wichtig zu wissen ist: Alle LVS sind ohne Rücksicht auf Marke und Alter untereinander kompatibel, sie senden und empfangen auf derselben Frequenz. Die Grösse der Lawinenschaufel richtet sich nach den Kräften des Besitzers, das heisst Frauen tragen tendenziell eher kleinere Schaufeln mit sich als Männer. Und eine vernünftige Sondierstange ist mindestens 2,40 Meter lang, weil man im Ernstfall sonst mühsam auf den Knien arbeiten muss, um genügend tief sondieren zu können. «Aber», sagt Flothmann, «die beste Ausrüstung nützt nichts, wenn man nicht mindestens einmal mit ihr geübt hat.»

Relativ neu auf dem Markt sind als Zusatzausrüstung Rucksäcke, die mit einem Lawinenairbag ausgerüstet sind. Die Idee dahinter: Wer in eine Lawine gerät, kann den Airbag auslösen. Dieser hilft der betroffenen Person, an der Oberfläche der Lawine zu bleiben, und bildet, falls sie trotzdem ganz verschüttet wird, einen Luftraum zum Atmen. Solche Rucksäcke sind teuer – günstige Modelle gibt es erst ab rund 700 Franken – und bieten keine Garantie für ein Überleben in der Lawine. Erste Zahlen deuten darauf hin, dass diese Rucksäcke bestenfalls jeden zweiten Lawinentoten verhindern können. «Es ist bestimmt kein Fehler, sich einen solchen Rucksack anzuschaffen», sagt Rüdiger Flothmann, «aber man sollte nicht zu viel von ihm erwarten und dadurch leichtsinnig werden.»

Trotz aller Aufklärungsarbeit sind neben den Pisten noch immer über 30 Prozent aller Tourengänger ohne Lawinenausrüstung unterwegs. Ganz typisch sei das für Frauen und Männer, die regelmässig an ihrem «Hausberg» Touren unternähmen, sagt Flothmann. «Man glaubt das Gebiet und seine Gefahren zu kennen, dabei kann selbst am Uetliberg jemand von einer Lawine verschüttet werden, wenn es dumm läuft.»

Eine falsch eingeschätzte
Lawinensituation ist vor Ort die wohl häufigste Ursache für einen Unfall. Auch dazu hat Flothmann eine durchaus plausible und sehr wohl auch praxiserprobte Meinung: «Es kommt nämlich nicht auf die Anzahl Touren an, die jemand gemacht hat, sondern auf die Fähigkeit, alle zur Verfügung stehenden Informationen auszuwerten und daraus den richtigen Schluss zu ziehen.» Oder anders ausgedrückt: «Wenn mir im Gelände ein Fehler passiert – dann ist es der Lawine egal, ob ich Experte bin oder nicht.» 

Infoabend über Lawinenprävention
Zusammen mit der Bergsportschule Höhenfieber führt Transa im Dezember in Zürich, Basel, St. Gallen, Bern, Luzern und Winterthur mehrere Infoabende zum Thema Lawinen und Lawinensicherheit durch. Der vom Lawinenexperten Rüdiger Flothmann geleitete Kurs eignet sich für alle, die sich im Winter gerne einmal auf Skiern oder Schneeschuhen neben der Piste bewegen möchten. Jeder Kurs dauert zwei Stunden und kostet 20 Franken. Alle Kursdaten, Anmeldung und Reservation unter www.hoehenfieber.ch/transa

Fotos: istockphoto.com, zvg

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