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Willkommen, ihr Blätter

Kategorie: Garten
 Ausgabe_11_2015 - 01.11.2015

Text:  Remo Vetter

Das Laub fällt von den Bäumen, Stauden werden trocken und lichten aus. Was Beete und Pflanzen jetzt brauchen, damit sie gut in den Winter starten.

Obwohl man in diesem Prachtsommer viel Zeit und Arbeit in den Garten investieren konnte, gibt es vor der Winterruhe noch einiges zu tun. Bei uns auf 1000 Metern über Meer gilt es vor allem auch, den ersten Frost und Schnee zu berücksichtigen. Auf meinem Rundgang durch den Garten nehme ich mir zuerst die Wasserleitungen und -hähne vor. Ich bin da ein etwas gebranntes Kind. Vor vielen Jahren habe ich einmal zu spät reagiert, und der Frost hat eine Wasserleitung gesprengt. Seither passe ich auf und entleere die Wasserleitungen anfangs November oder sobald erste Fröste möglich sind. Die Wasserhähne lasse ich offen, damit kein Restwasser in den Leitungen bleibt, gleichzeitig werden die Regentonnen geleert. Auch das Laub auf dem Dach des Treibhauses und Gartenhauses entferne ich, denn wenn das durchnässte Laub gefriert, können sich schwere Eisplatten bilden.

Kompost sieben. Eine typische Herbstarbeit im Garten ist das Kompostsieben. Der Kompost vom letzten Jahr ist nun reif. Ich siebe ihn und lagere ihn bis zum Frühjahr, denn bis ich mit dem Sieben fertig bin, sind die Beete bereits unter einer Laubdecke verschwunden. So wartet die Komposterde mit einer Folie abgedeckt, die das Aus- und Wegspülen verhindert, bis ich sie im Frühjahr auf den Beeten verteilen kann und der Feinkompost, mit etwas Sand vermischt, als Saaterde zum Einsatz kommt.

Sobald alle frostgefährdeten Pflanzen geschützt, Wasserleitungen und Regentonnen entleert und die Pflanzungen der wurzelnackten Gewächse getätigt sind, kann ich es etwas ruhiger angehen.

Weiterhin bin ich jedoch auf Schneckenjagd, indem ich Bretter auslege und die darunter abgelegten Eier einsammle. Dabei kann ich wie jedes Jahr über die gleiche Gartenfrage sinnieren: Soll ich die Beete jetzt zurückschneiden, oder schneide ich Verwelktes erst im Frühjahr zurück? Hier scheiden sich die Geister. Schneiden oder stehen lassen, das ist die Frage. Ich denke, es kommt auf verschiedene Aspekte wie Klima, Art der Bepflanzung und Gartengrösse an. Wer in einer schneereichen Gegend, wie wir es tun, lebt, wird kaum in den optischen Genuss zart eingepuderter Samenstände kommen, wenn diese unter Schneebergen begraben sind. Wer einen grossen Garten hat, wird allein aus Zeitgründen mit dem Ausputzen der Stauden schon im Herbst beginnen, weil die Arbeit im Frühjahr sonst überhandnimmt. Unser Credo: Möglichst viele Pflanzen im Herbst stehen lassen, damit Insekten und Vögel Nahrung finden.

Matschig. Abschneiden sollte man im Herbst alle Stauden, deren Laub oder Blütenstände nach Frosteinbruch matschig oder unansehnlich werden oder besonders hoch sind; dazu gehören unter anderem Herbstanemonen, Frauenmantel, einige Taglilien, Hosta, Sonnenhut und Topinambur. Solche Plätze werden auch gerne von Schnecken aufgesucht. Unter den Blättern finde ich meist noch Schnecken oder Schneckengelege.

Ungeschnitten schickt man alle Gräser in den Winter. Für Gräser geht die Gefahr im Winter meistens von Feuchtigkeit aus, die in die Mitte des Horstes dringt und das Gras dort zum Faulen bringt. Deshalb empfiehlt es sich, mittelhohe und hohe Gräser mit einem Strick zusammenzubinden, damit von oben keine Feuchtigkeit eindringen kann. So überstehen sie den Winter gut und sind gleichzeitig ein schöner Anblick in der kalten Jahreszeit. Auch die Fruchtstände niedriger Sonnenhutarten und anderer Samen ansetzender Stauden sind sowohl ein Blickfang im Garten als auch eine willkommene zusätzliche Nahrungsquelle für Vögel. Bei frostempfindlichen Stauden können verwelktes Laub und Blütenstände als Winterschutz an der Pflanze bleiben oder abgeschnitten und dann daraufgelegt werden. Auch das Laub von Bäumen und Sträuchern – idealerweise vorher mit dem Rasenmäher zerkleinert – ist ein perfekter Pflanzenschutz, vor allem Lavendel und Kräuter wie Salbei und Petersilie sowie Zwiebeln schätzen diesen Frostschutz. Mit Reisig abgedeckt, fliegt auch bei einem kräftigen Wintersturm nichts davon.

Im Frühjahr können die Laubreste dann eingeharkt werden, sie lockern den Boden und dienen nach dem Zersetzen als organischer Dünger. Das restliche Laub vom Rasen kommt auf den Kompost und ist dann im nächsten Herbst schönste Gartenerde. Bei viel anfallendem Laub mache ich mit Baumschnitt und Reisig Igelunterschlüpfe entlang der Hecken und am nahen Waldrand.

Gartenarbeiten im November
• Allgemein
Gartengeräte pflegen, Tongefässe vor Frost schützen, Nistkästen reinigen.
• Ziergarten
Wärmeliebende Kübelpflanzen, die Eis und Frost nicht ertragen, ins Winterquartier zügeln. Oleander nach den ersten Frösten ins Winterquartier zügeln, aber nicht zurückschneiden. Zimmerpflanzen wie Orchideen und Ficus in Fensternähe platzieren. Amaryllis eintopfen. Balkon- und Fensterkistchen in Herbstschmuck erstrahlen lassen. Frühlingsblüher pflanzen und die letzten Blumenzwiebeln für die Frühlingsblüte in Garten und Balkongefässe stecken. Für Lilien ist jetzt die beste Pflanzzeit. Rasen wächst an milden Tagen, deshalb vor Winterbeginn auf etwa vier Zentimeter schneiden. Moos und Laub abrechen, kompostieren. Laub auf Wegen und Rasenflächen zusammenrechen, unter Sträuchern aber liegen lassen. Da bietet es den Wurzeln Kälteschutz und Kleintieren Lebensraum.
• Nutzgarten
Lauch, Feder- und Rosenkohl anhäufeln. Möglichst erst nach den ersten Frösten ernten, denn danach schmecken sie milder. Winterportulak, Nüsslersalat und Winterspinat gedeihen in geschützten Lagen auch in Balkonkistchen. In ein bis zwei Zentimeter tiefe Rillen säen, dann die Sämlinge auf zwei bis drei Zentimeter Abstand auslichten. Im Kräutergarten Salbei, Minze, Zitronenverbene und Stevia stark zurückschneiden und die Blätter trocknen. Stevia und Verbene sind nicht winterhart, sie können aber in einem kühlen Raum überwintern.

Nochmals kräftig jäten. Unkraut, das in den Beeten unerwünscht ist, sollte noch vor dem Winter entfernt werden. Das Jäten ist eine von den meisten ungeliebte, aber notwendige Arbeit, denn vor allem Gras wächst bei milden Temperaturen im Winter weiter. Damit man im Frühjahr nicht gleich eine geschlossene Rasendecke im Beet hat, sollte man sich die Mühe machen und gründlich jäten, eventuell gefallene Blätter aus den Beeten entfernen und erst die vom Unkraut befreite Erde mit gehäckseltem Laub abdecken.

Beim Winterschutz im Garten kommt es auf den richtigen Zeitpunkt an. Generell gilt, dass nicht zu früh verpackt werden darf, weil manchmal sogar noch im November zweistellige Tagestemperaturen erreicht werden können und es den Gartenpflanzen dann einfach zu warm würde. Vereinzelte Nachtfröste schaden nicht, erst wenn der Wetterbericht Dauerfröste ankündigt, sollte gehandelt werden, besonders, wenn kein Schneefall zu erwarten ist.

Bei winterharten Stauden, die in Töpfe oder Kübel gepflanzt sind, kommt es darauf an, sie vor Staunässe und extremen Temperaturschwankungen zu bewahren. Das heisst, sie sollten eher schattig stehen, die Töpfe selbst können mit Luftpolsterfolie, Jute, Vlies oder einer dicken Laubschicht ummantelt werden. Gute Überwinterungsplätze für Topfpflanzen sind an der Nordseite einer Hauswand oder an anderen geschützten Stelle. Wichtig ist eine Isolation von unten. Hier ist Styropor eine gute Wahl, wobei es aber unerlässlich ist, dass der Wasserabfluss des Topfes frei bleibt. Luftundurchlässige Materialien wie Folien dürfen immer nur um den Topf selbst, nie um die Pflanze direkt gewickelt werden. Robuste Stauden in Töpfen können auch wie folgt behandelt werden: Die Töpfe zusammen an geschützter Stelle im Garten unter einem Baum gruppieren, Zwischenräume mit Laub auffüllen und aussen herum Laub aufschütten. Auch hier darauf achten, dass Wasser ungehindert abfliessen kann.

Zur Person
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen (AR) tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräutergarten von A. Vogel hegt.

Foto: istockphoto.com, fotolia.com

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