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Gut fürs Gemüt

Kategorie: Natur
 Ausgabe_11_2015 - 01.11.2015

Text:  Marco Voken, Remo Kundert, Bearbeitung: Tertia Hager

Drückt der Herbstnebel zu fest aufs Gemüt, reist man durch den Gotthard ins Tessin: Auf dem Zuckerhut von Lugano erwartet die Besucher eine fantastische Rundsicht und in den nahen Pärken, viel beruhigendes Grün.

Wenn in Wanderführern von Parks oder Pärken die Rede ist, sind meistens National-, Regional- und Landschaftsparks gemeint. All denen ist gemeinsam, dass sie Fördergelder aus Bern oder von interessierten Organisationen erhalten – aber nur, wenn die ansässige Bevölkerung bereit ist, in gewissen Kernzonen Einschränkungen in Kauf zu nehmen, beispielsweise auf die Jagd, das Fischen, das Pilzsammeln und das freie Betretungsrecht zu verzichten. Sobald aber derart Dramatisches wie die Einschränkung der Jagd gefordert wird, stösst das Thema in der lokalen Bevölkerung trotz optimistischer ökonomischer Aussichten nicht selten auf Stirnrunzeln oder Kopfschütteln, so auch beim vor 15 Jahren erstmals vorgestellten Projekt eines Nationalparks im Locarnese. Nach langem Ringen, unzähligen Sitzungen, Projektgruppen und Diskussionen um die Finanzierung, ist die Region um Locarno und das Centovalli nun beim Bund offiziell Kandidat für ein Nationalparkprojekt.

Von Pärken, die das pure Gegenteil von Wildnis und unverfälschter Natur darstellen, soll nun aber die Rede sein. Pärke, die vor allem das Auge und die Sinne erfreuen und deren pädagogische oder politische Seite vernachlässigbar ist. Der Parco San Grato (ganzjährig geöffnet) auf dem Hügelkamm zwischen dem Monte San Salvatore und Morcote ist so einer, und der Parco Scherrer (bis Ende Oktober geöffnet) am Seeufer in Morcote ebenfalls. Beide entstanden sie durch die Initiative, die Schaffenskraft und den Starrsinn von Einzelpersonen, die ihre fixe Idee durchboxten. Beide liegen im Grossraum Lugano, profitieren von ähnlich günstigen klimatischen Verhältnissen und sind mittels einer interessanten Tageswanderung gut zu verbinden – und trotzdem sind die beiden Pärke völlig verschieden, könnten unterschiedlicher kaum sein.

Oberhalb von Carona erwarb Martin Othmar Winterhalter, Erfinder des «riri»-Reissverschlusses, 1943 eine Parzelle Buchenwald. Der Pferdeliebhaber baute dort seinen Zweitwohnsitz mit grosser Koppel und pflanzte Azaleen und Rhododendren. 1957 verkaufte er das Grundstück an Luigi Giussani, den damaligen Verwalter der Stahlwerke Monteforno. Dieser wandelte die Pferdekoppel in eine Gartenanlage um, rodete viel Wald, pflanzte weitere Azaleen, Rhododendren und verschiedene Nadelbäume und nannte das alles nach dem Schutzheiligen S. Grato. Mit dem Umbau seines Wohnhauses zum heutigen Restaurant wandelte er seinen Garten in einen rund 26 Hektaren grossen botanischen Garten um. Für die schon damals mehr als 1500 Besucher pro Tag baute er hinter Carona ein grosses Schwimmbad und liess zur besseren Erschliessung von Park und Bad die heute leider nicht mehr existierende Gondelbahn von Melide hinauf nach Carona bauen. Nach seinem Tod 1983 ging der zwischenzeitlich auf 6,2 Hektaren geschrumpfte Park an die UBS über, die ihn 1997 dem Verkehrsverein Lugano schenkte.

Durch all die Jahre wurde der Park gehegt, gepflegt, sanft umgebaut und zuletzt mit interessanten Themenwegen ausgestattet. Doch eines ist geblieben: Im Frühling – in den Monaten April und Mai – verwandelt sich San Grato in einviolett-blau-weiss-gelb-rot leuchtendes Blütenmeer. Heerscharen von Besuchern sind dann dort unterwegs. Im Herbst hingegen findet man im Park wohlige Beschaulichkeit und Ruhe.

Auch im Parco Scherrer in Morcote. Der St. Galler Textilhändler Hermann Arthur Scherrer kam während seiner Studienjahre und später geschäftlich viel in der Welt herum. Er war begeistert von der Kultur des Orients, kaufte viele Kunstgegenstände und liess sie in den 1930er-Jahren an den Lago di Lugano transportieren. Um den richtigen Rahmen für die Ausstellung seiner Sammlung zu schaffen, rodete er ein überwuchertes Gebiet am Rande von Morcote und liess dort mehrere kleine Gebäude nach klassischen und fernöstlichen Vorbildern errichten; umgeben sind das siamesische Teehaus, der arabische Palast und der griechische Tempel von Pinien, Magnolien, Zypressen, Eukalyptus und anderen Bäumen und Sträuchern aus der ganzen Welt. Eine weitere Oase der Ruhe sind auch die Isole di Brissago etwas weiter im Lago Maggiore (ganzjährig geöffnet), wo man über 1700 Pflanzen entdecken und zudem im Insel-Hotel übernachten kann.

Das Buch «Bergwandern im Tessin» von Remo Kundert und Marco Volkenist ist als Leserangebot zu einem Vorzugspreis erhältlich.

Auf dem Höhenweg
• Ausgangspunkt
Lugano Paradiso
• Endpunkt
Morcote
• Wanderzeit
4 3/4 Stunden
• Höhendifferenz
Aufstieg 850 Meter, Abstieg 880 Meter
• Route
Vom Bahnhof Paradiso dem Wegweiser zum Monte San Salvatore folgen und am Trassee der Standseilbahn entlang zur Mittelstation Pazzallo. Links gegen den Lago die Lugano ausholend, erreicht man die Bergstation der Standseilbahn. Lohnend: ein Abstecher zur Gipfelplattform. Im Zickzack weiter nach Ciona, durch den Wald zum sehenswerten Dorfkern von Carona. Am Schwimmbad vorbei, dann Wegweiser Parco San Grato folgen. Dann weiter nach Baslona. An der Cima Pescia und dem Monte Arbòstora vorbei zur Lichtung der Alpe Vicania hinab. Durch Rebberge und das Villenviertel zum Castello und dann steil hinunter nach Morcote. Der Parco Scherrer befindet sich am westlichen Dorfausgang.
• Variante
Mit der Standseilbahn auf den San Salvatore (Zeitersparnis: 1 3/4 Stunden).
• Karte
Landeskarte 1: 25 000, 1353 Lugano
• Restaurants
Auf dem San Salvatore, in Ciona, Carona, im Parco San Grato, auf Alpe Vicania und in Morcote.
• Weitere Infos
www.monte sansalvatore.ch, www.carona-tourism.ch ,www.promorcote.ch ,www.isolebrissago.ch ,www.luganoturismo.ch

Fotos: swiss-image.ch, Remy Steinegger, www.at-verlag.ch, swiss-image.ch/Nico Schaerer, www.atverlag.ch

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