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Hoch das Beet

Kategorie: Garten
 Ausgabe_09_10_2015 - 01.09.2015

Text:  Remo Vetter

Hoch- und Hügelbeete sind nicht nur attraktiv fürs Auge, sie sind vor allem auch praktische «Endlager» für Gartenabfälle. Remo Vetter erinnert deshalb nochmal daran, wie man solche Beete selbst baut.

Schon legen sich die ersten Herbstnebel über das Land, die Hitze des Sommers ist nur noch Erinnerung. Die Temperaturen sind gefallen. In der Natur stellt sich ein leichtes Verfärben ein. Der Herbst kommt mit schnellen Schritten. Für mich eine schöne Jahreszeit, die dank der tiefer stehenden Sonne Herbstblumen, Fruchtstände und Laub in ein bezauberndes Licht taucht und den Tau in den Spinnweben funkeln lässt. Im Garten geht es nun etwas gemächlicher zu und her. Wir pflanzen jetzt Sträucher, Stauden und Blumenzwiebeln, räumen auf, was nötig ist und bereiten neue Beete vor.

Besucher unseres Gartens sind immer wieder fasziniert von der Pflanzenvielfalt und staunen über das Gedeihen auf den Hügel- und Hochbeeten. Ich weiss nicht, wie oft ich im Verlaufe eines Jahres über die Vorteile solcher Beete spreche. Deshalb, liebe Leser und Leserinnen, möchte ich an dieser Stelle noch einmal eine kurze Einführung in das Thema geben.

Vor Jahren sind wir dazu übergegangen Hoch- und Hügelbeete anzulegen. Für uns ist die Lösung mit den Hoch- und Hügelbeeten optimal, zumal wir in einem klimatisch eher rauen Klima gärtnern. Hier die wichtigsten Vorteile eines Hochbeetes: Man kann Gartenabfälle beim Bau des Hochbeetes im Inneren des Beets verstauen (ähnlich wie bei einem Hügelbeet). Beim Gärtnern in einem Hochbeet muss man sich nicht so tief bücken wie in einem flachen Beet. Im Inneren des Hochbeets «verkompostieren» die Gartenabfälle, das heisst sie werden durch Bodenlebewesen zersetzt. Bei dieser Zersetzung werden Wärme und Nährstoffe frei und das sind beste Voraussetzungen für ein gutes Pflanzenwachstum.

Gartenarbeiten im September
• Kompostpflege
Das Pflanzenmaterial von abgeernteten Beeten, Grasschnitt, Laub und gehäckselten Gehölzschnitt vermischen wir gut und geben diese auf den Kompost. Da bei der Kompostierung im Hausgarten jedoch nicht so hohe Temperaturen wie in einer grossen Kompostieranlage erreicht werden, geben wir kranke Pflanzen (Kraut-/ Braunfäule, Kohlhernie, Feuerbrand) sowie samentragende Unkräuter nicht auf den Komposthaufen, sondern entsorgen diese.
• Brombeeren
Wenn sich die Brombeerfrüchte zur Reifezeit nicht gleichmässig schwarz färben, so ist dies ein Hinweis darauf, dass die Pflanze von der Brombeergallmilbe befallen sein könnte. Besonders spät reifende Sorten zeigen starke Symptome. Schwach befallene Früchte sind weniger süss als unbefallene Früchte, stark befallene Früchte sind ungeniessbar. Befallene Früchte sollte man deshalb absammeln und entsorgen. Ausserdem ist ein Rückschnitt zu empfehlen. Bei starkem Befall kann man zusätzlich im nächsten Frühjahr eine Austriebsspritzung durchführen.
• Johannisbeeren
Johannisbeeren können im September aus diesjährigen, kräftigen Langtrieben vermehrt werden. Man entblättert den Trieb und steckt ihn in sandige, humose Erde.
• Tomatenpflege
Bei Tomaten wird – wenn sie gut belaubt sind – der Haupttrieb gekappt. Ansonsten bricht man neu gebildete Blütenstände aus, denn mehr als fünf bis sechs Fruchtstände gelangen bei uns im Appenzellerland in der Regel nicht bis zur Fruchtreife. Voll entwickelte, grüne Tomaten können im Wohnraum bei 15 bis 20 Grad nachgereift werden.
• Gemüseaussaaten
Anfang September können noch Radieschen, Schnittsalat und Spinat gesät werden. Feldsalat für die Frühjahrsernte sät man bis spätestens Mitte September. Man sollte darauf achten, dass man für den Herbst geeignete Sorten wählt. Jetzt ist auch Pflanzzeit für Knoblauch, Rhabarber und mehrjährige Kräuter. Auf Beete, die nicht mehr genutzt werden, kann man Gründüngung zur Bodenverbesserung aussäen. Wir arbeiten hauptsächlich mit der Bienenweide Phacelia.
• Blumen
Jetzt können auch Stecklinge für Geranien und Fuchsien für das nächste Jahr geschnitten und gesteckt werden. Wer sich im nächsten Jahr an Anemonen, Krokussen, Schneeglöckchen, Tulpen, Narzissen und anderen Frühlingsblühern erfreuen will, sollte jetzt pflanzen. Schutz vor Wühlmäusen bieten Körbe aus Drahtgeflecht.

So bauen Sie ein Hochbeet

1 . Zunächst die Masse des Hochbeetes auf die Fläche, auf die es gebaut werden soll, übertragen. Dazu werden Schnüre gespannt, auf rechte Winkel achten. Ideal ist eine Breite von einem Meter, damit man von beiden Seiten bis zur Mitte des Beetes arbeiten kann. Die Länge richtet sich nach der Fläche, die einem zur Verfügung steht. Wir haben Hochbeete von 200 bis 500 Zentimetern Länge angelegt.
2 . Als Nächstes den Boden auf der geplanten Fläche etwa 10 bis 20 Zentimeter abtragen.
3 . Die Beetumrandung des Hochbeets bauen. Als Erstes die Eckpfosten setzen. Wir nehmen dafür Aluminiumelemente. Attraktiv sind Verkleidungen mit halben Rundhölzern. Die Holzqualität ist sehr wichtig. Wir arbeiten seit Jahren ausschliesslich mit robustem Lärchenholz.
4 . Den Boden innerhalb des Hochbeetes zunächst grob lockern – beispielsweise mit einer Grabgabel – und danach den gesamten Innenraum mit einem feinen Maschendraht gegen Wühlmäuse auskleiden.
5 . Die einzelnen Schichten der Hochbeet-Befüllung sind etwa 25 bis 30 Zentimeter dick: Die unterste Schicht sollte aus grobem Gehölzschnitt bestehen, den man durch Festtreten verfestigt.
6 . Die nächste Schicht enthält Staudenrückschnitt, Grassoden und feineren Gehölzschnitt/Gestrüpp.
7 . Darauf folgt eine Schicht mit halbfertigem Gartenkompost oder – falls man keinen hat – halbverrottetem Stallmist.
8 . Als oberste Schicht benutzen wir guten Kompost oder torffreie Bioerde.
9 . Jetzt kann gepflanzt werden. Besonders attraktiv und sehr ertragreich auf Hochbeeten sind Mischpflanzungen von Gemüsen, Kräutern und Blumen.

Und so bauen Sie ein Hügelbeet

Ein Hügelbeet bietet – genauso wie ein Hochbeet – die Möglichkeit, Gartenabfälle zu verstecken, denn im Grund sind beide Systeme sofort genutzte Kompostanlagen. Ausserdem vergrössert ein Hügelbeet durch die Wölbung die Anbaufläche um einiges. Dank der entstehenden Wärme und der Freisetzung von Nährstoffen während des Kompostierungsvorgangs gedeihen Gemüse und Kräuter auf dem Hügelbeet schneller und kräftiger als auf einem flachen Beet und bepflanzte Hügelbeete sehen sehr attraktiv aus. Ein Hügelbeet im Garten sollte etwa 1 Meter 50 breit sein. Bei breiteren Beeten wird es schwierig, die Pflanzen in der Mitte zu pflegen. Die Länge der Hügelbeete richtet sich nach den Platzverhältnissen. Unsere Beete weisen eine Länge von zehn bis 15 Metern auf.
1 . Zuerst wird festgelegt und abgesteckt, wo das Hügelbeet hinkommen soll.
2 . Falls sich dort, wo das Hügelbeet hinkommen soll, Rasen befindet, werden zuerst die Rasensoden abgestochen und zur Seite gelegt.
3 . Dann wird die oberste Erdschicht («Humusschicht») bis zu einer Tiefe von etwa 20 Zentimetern ausgehoben und auf einen eigenen Haufen neben dem zukünftigen Hügelbeet abgelegt.
4 . Nun wird das ausgehobene Beet mit Maschendraht gegen Wühlmäuse ausgekleidet.
5 . Danach beginnt das Einschichten: Als erstes werden Gehölzschnitt-Abfälle etwa 30 bis 40 Zentimeter hoch eingefüllt.
6 . Als nächstes werden die Rasensoden etwas zerkleinert und – je nachdem, was man hat – mit Laub, Stroh, Staudenabfällen, Mähgut und ähnlichem vermischt und dann als etwa 30 Zentimeter hohe Schicht darüber gegeben. Vor allem Mähabfälle müssen gut mit anderen Materialien gemischt werden.
7 . Nun folgt etwa 20 bis 30 Zentimeter reifer Gartenkompost.
8. Als letztes werden Komposterde und die gute Humuserde, die man zur Seite gelegt hat, über das Hügelbeet gegeben. Die Schicht sollte etwa 20 bis 25 Zentimeter hoch sein.

Zur Person
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen (AR) tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräutergarten von A. Vogel hegt.



Fotos: fotolia.com, istockphoto.com

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