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Rückkehr ins Paradies

Kategorie: Garten
 Ausgabe_03_2015 - 01.03.2015

Text:  Christine Fürst

Vor hunderten, gar tausenden von Jahren wurde er bereits angelegt und bis heute ist er für die Menschen wichtig: der Garten. Was gibt er uns? Auf der Suche nach Antworten.

Die Menschen fühlen sich vom Garten angezogen. Bewegen sich in ihm, arbeiten in ihm, ziehen sich in ihm zurück, tanken Kraft und Energie. Was macht diesen Ort so magisch? Woher kommt unsere Lust auf Garten? Davon handelt dieser Text.

Frühling – die Erde
Die Geschichte über die Entstehung der Gärten geht Jahrtausende zurück. Bereits in der Bibel taucht der Garten Eden auf, heute wird er oft als Sinnbild für einen paradiesischen, wunderschönen Garten genutzt. «Der Garten ist eine sehr alte kulturelle Errungenschaft, die sich nicht anhand eines einzigen Ereignisses oder Zeitabschnittes festmachen lässt», sagt Clemens Bornhauser. Er ist Landschaftsarchitekt, leitet die «Fachstelle Bio- und Naturgarten» von Bioterra und ist im Vorstand der Schweizerischen Gesellschaft für Gartenkultur.

Für die Entstehung der Gärten gibt es verschiedene Anschauungen und Theorien, wobei Sesshaftigkeit und Wohlstand eine Rolle gespielt haben. Der Garten ist laut Bornhauser ein Ausdruck von Naturverständnis oder manchmal auch von der Suche nach der Natur (respektive der Schöpfung). Schon die frühesten Gärten können als eine sinnliche Auseinandersetzung mit der Natur und der Stellung der Menschen darin interpretiert werden. «Die Menschen verorten sich im Garten, indem sie sich ein Stück Erde aneignen», sagt er. Gärten seien immer in einen gesellschaftlichen Kontext eingebettet. «Eine Konstante, die sich über all die Jahrtausende gehalten hat, ist, dass der Garten nicht nur im Zusammenhang mit der Natur, sondern auch mit der Kultur zu verstehen ist.» Räumlich gesehen definiere sich ein Garten über seine Abgrenzung. Der mittelalterliche Garten werde deshalb auch als «hortus conclusus» (geschlossener Garten) bezeichnet. Auch dies ist laut Bornhauser eine Konstante in der Geschichte des Gartens. Meistens waren diese Gärten nur einer kleinen Gesellschaftsschicht oder Gemeinschaft zugänglich, wie beispielsweise Lustgärten oder Klostergärten.

Sommer – das Wohlbefinden
Der Kopfsalat wächst, die Zucchetti werden grösser und grösser, die Tomaten nehmen langsam die rote Farbe an und die Pfefferminzsträucher sind schon von Weitem zu riechen – egal ob auf dem Balkon mitten in der Stadt oder auf dem Lande. Im Sommer blühen die Hibiskussträucher in Weiss, Rosa und Violett, die Bienen können sich kaum satt essen. In dieser Umgebung fühlt sich der Mensch wohl, hier tankt er Energie und Sonne. Genau diese Eigenschaften macht sich auch die Gartentherapie zunutze. Sie ist ein Prozess «in welchem Pflanzen und Gartenaktivitäten dazu verwendet werden, das soziale, psychische und körperliche Wohlbefinden von Menschen zu stärken.» Das sagt Thomas Pfister, Psychologe, ausgebildeter Gartentherapeut und Präsident der Schweizerischen Gesellschaft Gartentherapie. «Quellen verweisen darauf, dass bereits alt-ägyptische Ärzte ihren Patientinnen und Patienten zur Heilung von Krankheiten Gartenspaziergänge verschrieben haben.» Die Gartentherapie könne beispielsweise Patienten nach einem Schlaganfall helfen oder auch alten Menschen. «Die Teilnehmenden kommen raus an die frische Luft, bewegen sich und tanken Sonne», sagt Pfister. Bei Gartentherapien in Gruppen werde ausserdem das Soziale betont, man komme miteinander in Kontakt, vereinsame nicht und auch bei Menschen mit psychischen Erkrankungen könne sich die Arbeit im Garten positiv auswirken.

Herbst – die Arbeit
Peter Lippus, Gärtnermeister und Fachlehrer Gartenbau an der Bäuerinnenschule im Kanton St. Gallen, sieht viele Gründe, welche die Menschen dazu veranlassen, in den Garten zu gehen und sich die Hände schmutzig zu machen. Er glaubt, dass die Menschen wieder mehr in die Natur gehen wollen und der Garten ideal ist, um Stress abzubauen. «Die Menschen arbeiten je länger je mehr den ganzen Tag und am Abend haben sie zu Hause im Garten ihre Ruhe und bekommen Freude», sagt er und ergänzt, «Studien belegen, dass man im Garten mehr Muskeln braucht als im Fitnessstudio.» Zudem könne man im Hausgarten viel mehr Sorten anbauen, als im Lebensmittelgeschäft erhältlich sind. Immer mehr merke er auch, dass sich Familien mit Kindern Gärten anlegen, weil man dort etwas mit den Kindern machen kann und sie erst noch etwas dabei lernen würden. Auch Peter Lippus ist manchmal in den Schulen unterwegs. «Es ist schön, mit den Schülernzusammenzuarbeiten und ihnen zu zeigen, von wo ihr Gemüse kommt.»

Winter – die Erinnerung
Langsam bricht der Winter herein, es wird kalt, im Garten tut sich nichts. Er ist öde, fast ein wenig langweilig. Hier kommt die Kunst ins Spiel. Denn der Garten, Blumen und die Natur sind ein viel verwendetes, zeitloses Motiv in der Kunst. Gärten aus dem Pinsel von Vincent van Gogh oder die Bilder von Claude Monet, der sich von seinem Garten im französischen Dorf Giverny inspirieren liess, machen die lange Winterzeit farbiger. Auch das Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen hat Anfang dieses Jahres das Thema Garten in der Ausstellung «Gartenträume – Traumgärten» aufgenommen. «Der Garten ist ein Freiraum, ein Raum, wo man selbst gestalten und sich mit der Natur auseinandersetzen kann», sagt Stefanie Hoch, die Kuratorin der Ausstellung. Ein Raum, wo sich der Mensch inspirieren liesse.

«Das Leben beginnt an dem Tag, an dem man einen Garten anlegt», besagt ein chinesisches Sprichwort. Ein schöner, schwärmerischer Gedanke. Nicht allen ist es vergönnt, ein Stücklein Erde zu bepflanzen. Doch Gartenlust- und Gartenfreude gibt es zum Glück auch in fremden Gärten, bei Freunden, in Parks und in Museen.

Veranstaltungstipps
• 11.– 15. März: Giardina – Gartenmesse, Messe Zürich, www.giardina.ch
• 20. März: Kräuter im Kloster, Eröffnung (18 Uhr) der neu gestalteten Mönchsklause. Kartause Ittigen, www.kartause.ch
• 21. März: Luzerner Tulpenschau, Ebikon, täglich ab 21. März, www.tulpenschau.ch
• 25.– 29. März: Fest der Kamelien, Castello Visconteo, Locarno. www.camellia.ch
• 22. April: Bärner Wildpflanzen-Märit, Bundesplatz, Bern, www.wildpflanzenmärit.ch
• 13./14. Juni: Nationaler Tag der offenen Gärten. Rund 75 Privatgärten können an diesem Wochenende bestaunt werden. Wer seinen eigenen Garten zeigen will, kann sich online anmelden. Einige Gärten können während der ganzen Gartensaison besucht werden. www.offenergarten.ch
• 12.– 28. Juni: Wahl der Rosenkönigin 2015. Insel Mainau, Bodensee. www.mainau.de
• 13.– 21. Juni: Botanica, 15 Botanische Gärten in der ganzen Schweiz bieten Spezialveranstaltungen unter dem Thema «Pflanzen und Farben», www.botanica-week.org

Fotos: mauritius-images.com, Frances Vetter, Illustrationen: Lina Hodel

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