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Willkommen, ihr zarten Pflänzchen

Kategorie: Garten
 Ausgabe_03_2015 - 01.03.2015

Text:  Remo Vetter

Auch Erfahrung schützt vor Torheit nicht. Remo Vetter tappt im März jeweils in die Anfängerfalle: Er sät, aber zu früh.

März. Es ist Zeit für die ersten Aussaaten. Vermutlich werde ich noch mit einigen Frösten und Rückschlägen zu rechnen haben. Aber es hält mich nichts mehr zurück. Ich muss! Ich säe, weil ich mich Jahr für Jahr wie ein Kind freue, wenn ich sehe, wie die jungen grünen Triebe durch die Erde brechen. Ich behüte und pflege die Pflänzchen wie kleine Kostbarkeiten. Ich giesse sie im Wintergarten und im Gewächshaus und staune über jedes neue Blatt, das spriesst.

Gemüse zu kochen oder roh zu essen, das man selbst gezogen hat, gibt mir das Gefühl von Vollständigkeit, einer absoluten Vereinfachung der Nahrungskette, einen direkten Bezug und einen hohen Respekt vor der Natur und den Schätzen, die sie hervorbringt. Selbst angebautes Gemüse und Obst lehrt uns, unsere Nahrung besser zu verstehen, zu respektieren und zu schätzen.

Passionierte Gärtner, tolle Landschaftsgärtner, überraschende Innovationen und viele enthusiastische und interessierte Menschen findet man übrigens jedes Jahr an der Giardina Gartenmesse in Zürich. Vom 11. bis zum 15. März ist es wieder so weit: Ich freue mich.

Neues Werkzeug, neue Freude. Ich habe mir kürzlich in St. Gallen einen Satz japanische Küchenmesser und Gartenscheren für ein Heidengeld erworben. Der über 80-jährige Ladeninhaber hat seine Geräte wie Kinder liebevoll behandelt und mir genau erklärt, wie ich mit dem Werkzeug umzugehen habe. Genauso wie ein guter Handwerker seinem Werkzeug Sorge trägt, ein Musiker sein Instrument liebevoll behandelt, gehe auch ich mit meinen neuen Scheren und Messern um. Es ist eine Wohltat und Freude, damit zu arbeiten, und es macht jede Arbeit im Garten und in der Küche noch vergnüglicher.

Gartenarbeiten im März
Ab Mitte März werden Frühkartoffeln vorgekeimt: Dazu werden die Pflanzkartoffeln nebeneinander in Kisten, Eierkartons oder Ähnliches gelegt und bei 12 bis 15 °C etwa vier Wochen lang hell vorgekeimt. Ab der zweiten Aprilwoche können sie gepflanzt werden. Bis Mitte Mai wird das Beet mit Folie oder Vlies abgedeckt und vor Frostnächten noch zusätzlich mit einem zweiten Vlies geschützt. Sobald die Pflanzen etwa 15 Zentimeter hoch sind, wird angehäufelt.
Im Gewächshaus oder beheizten Anzuchtkasten ist Aussaatzeit für Tomaten, Paprika und Auberginen. Die optimale Keimtemperatur liegt zwischen 22 und 25 °C. Vorgezogen werden jetzt auch Brokkoli, Knollenfenchel, Sommerweisskohl und Sommerblumenkohl, Sellerie, Melone, und Andenbeere. Sommerblumen, die jetzt vorgezogen werden können, sind beispielsweise Leberbalsam, Fuchsschwanz, Sommeraster, Schmuckkörbchen, Dahlien, Nelken, Impatiens, Prunkwinde, Lobelien und viele andere.
Wenn der Rasen schneefrei und der Boden ausreichend abgetrocknet ist, kann – meist gegen Ende März – mit der Rasenpflege begonnen werden. Als Erstes werden grosse Rasenunkräuter mit einem Unkrautstecher herausgestochen, als Nächstes wird der Rasen gemäht und anschliessend mit einem Vertikultiergerät vertikultiert, um auch Moos und Rasenfilz herausziehen. Das Moos und die herausgerissenen Unkräuter werden abgerecht. An kahle Stellen sät man gleich Rasensamen nach. Die meisten mehrjährigen Gartenpflanzen erwachen aus ihrem Winterschlaf. Damit die Pflanzen nach dem langen Winterschlaf richtig loslegen und wachsen können, benötigen sie einiges an Nährstoffen. Der Frühling bietet sich daher an, den Nährstoffgehalt des Bodens wiederaufzubauen. Idealerweise orientiert man die Düngung im Garten aufgrund einer Bodenuntersuchung, die man etwa alle drei bis fünf Jahre für jeden Nutzungsbereich wiederholt.
Wer Kompostwirtschaft betreibt und regelmässig Kompost ausbringt – am besten im Frühjahr maximal fünf bis 10 Liter pro Quadratmeter, allerhöchstens eine Schichtdicke von 0,5 bis 1 Zentimeter – deckt so den Bedarf von Kulturpflanzen mit geringen Nährstoffen wie beispielsweise Radieschen, Feldsalat, Knollenfenchel, Kopfsalat und Zwiebeln völlig ab. Bei diesen Pflanzen muss nicht zusätzlich gedüngt werden. Bei Pflanzen mit höherem Bedarf wie Kohl, Zucchini, den sogenannten Starkzerrern, muss bei Kompostausbringung im Frühjahr dann im weiteren Wachstumsverlauf entsprechend weniger gedüngt werden, als es ohne Kompostgaben der Fall wäre. Falls nicht schon im Februar getan, sollten Sie die Rosen jetzt zurückschneiden. Dazu wählen Sie am besten einen sonnigen und frostfreien Tag.
Erdbeeren benötigen besondere Beachtung und Pflege im März. Entfernen Sie alte Blüten- und Fruchtreste und vertrocknete Blätter, damit die Pflanzen gestärkt in die neue Gartensaison starten können.

Beim Gärtnern und Kochen, aber vermutlich bei jeder anderen Tätigkeit auch, erlebe ich immer wieder die gleichen zwei Muster. Es gibt die «Husch-husch-Typen», alles muss schnell gehen. Zeit ist Geld und wichtig ist eigentlich nur, dass man sich den Bauch füllt und eine Arbeit möglichst schnell erledigt, meist halbherzig. Und es gibt diejenigen, die ihre Arbeit mit grosser Leidenschaft und grossem Engagement tun. Ich bin entzückt über die vielen jungen Köche und Gärtner, die ihre Arbeit zelebrieren und ihr Tun nicht bloss als Job sehen. Hacken, schaufeln, schneiden, rühren, abschmecken, würzen: Alles wird zu befriedigenden Vorgängen, statt zu Aufgaben, die eiligst erledigt werden müssen.

Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen (AR) tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräutergarten von A. Vogel hegt.




Fotos: blickwinkel.de, istockphoto.com

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