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Heisshunger

Kategorie: Natur
 Ausgabe 4 - 2009 - 01.04.2009

Text:  Heini Hofmann

Die Aufzucht von Jungen ist für Vögel eine aufreibende Tätigkeit. Blaumeisen sind hingebungsvolle Eltern und Amseln helfen sogar bei der Aufzucht von fremden Nestlingen.

Legionen von Jungvögeln werden jedes Jahr von eifrigen Eltern aufgezogen, unter vollem Einsatz derer Kräfte und unter Missachtung der eigenen Bedürfnisse – eine fast «übertierliche» Leistung. Doch der Gefahren lauern so viele, dass nur wenige der aufopfernd grossgezogenen Nachkommen überleben. Trotz der unbarmherzigen Gesetze der Natur vollzieht sich das verborgene Schauspiel Jahr für Jahr von Neuem.

Blaumeisen: vorbildliche Eltern

Blaumeisen sind kleine, adrette, quirlige und bloss gut zehn Gramm schwere Federbällchen – aber grossartige Eltern! Eine oder wenn es schief läuft gelegentlich zwei Bruten ziehen sie gross und mit was für einem Engagement. Im April legt dann das Weibchen in die mit Moos, Tierhaaren und Federchen gepolsterte Nestmulde 6 bis 15 bloss 1,3 Gramm leichte Eilein mit roten Punkten und Flecken. Was sich in den 19 bis 20 Tagen Nestlingsdauer in diesem engen, finstern Verlies der Kastenhöhle abspielt, ist schlicht ergreifend: Nonstop alle zwei bis drei Minuten – und dies ohne Mittagspause – schleppen die Altvögel Futter an, vorwiegend Raupen.

Reinheit trotz engsten Verältnissen

Mit zunehmendem Alter wird die Fütterung ein nachgerade stürmisches Ereignis, indem die Jungen mit weit geöffnetem Sperrrachen und lauten Bettelrufen auf die Altvögel einstürmen.Peinlich exakt halten es die Elternvögel auch mit der Reinhaltung des Nestes. Sie achten nach der Fütterung darauf, ob ein Jungvogel das Hinterteil hebt, nehmen den weissen Kottropfen mit dem Schnabel weg und tragen ihn raus. Schliesslich beginnen die Jungvögel, sich im Gebrauch der Flügel zu üben – und das alles im dunklen Verlies unter batterieähnlich engsten Verhältnissen. Dann folgt der grosse Tag des gestaffelten Ausfliegens

Fehlgeleitete Amseln

Dies ist die unwahrscheinliche Geschichte eines Amselmännchens, das sich um junge Rotschwänzchen kümmert. Auf einem Querbalken am Vordach fand ein Rotschwänzchenpaar einen idealen Nistplatz. Auf demselben Balken, in rund einem Meter Abstand, baute auch ein Amselpaar ein Nest – und begann mit dem Brutgeschäft. Trotz dieser räumlichen Nähe kam es nicht zur Rivalität. Die kleineren Rotschwänzchen wären den grösseren Amseln wohl auch nicht gewachsen gewesen, ganz abgesehen davon, dass sie jetzt die Futterbeschaffung fürs Stopfen der hungrigen Sperrrachen – ihre Jungen waren mittlerweile geschlüpft – voll in Anspruch nahm. Bei den Amseln, die zwei Wochen später dran waren, herrschte noch Ruhe. Deshalb kam der Amselvater auf die Idee, jetzt schon dafür zu üben, was er in ein paar Tagen bei sich ohnehin tun müsste. Er fängt an, die Jungen zu füttern.

Wann soll man eingreifen?
Bei den Jungvögeln unterscheidet man zwischen Nestflüchtern und Nesthockern. Nestflüchter besitzen beim Schlüpfen ein vollständiges Dunenkleid und können sofort laufen oder schwimmen. Sie beginnen schon bald, selbstständig Nahrung aufzunehmen. Beispiele von Nestflüchtern sind Enten und Hühnervögel. Bei den Nesthockern verbleiben die zuerst nackten und blinden Jungen über längere Zeit im Nest, wo sie von den Altvögeln gefüttert und umsorgt werden. Nesthocker sind zum Beispiel Greifvögel, Eulen, Spechte, Segler und die Singvögel wie Amsel oder Blaumeise. Nesthocker verlassen manchmal ihr Nest, bevor sie richtig fliegen können. Verbreitet ist dies etwa bei Amseln und vor allem Meisen. So kommt es ab und zu vor, dass man einen scheinbar verlassenen Jungvogel findet. Diese ungeschickt herumflatternden Jungvögel sind aber meist nicht verletzt oder aus dem Nest gefallen, sondern halten sich in ihrer Nestumgebung auf, wo sie von den Eltern gefüttert werden. Deshalb wäre es falsch, diese Jungvögel mitzunehmen, besonders weil ihre Überlebenschancen in Pflege drastisch sinken und weil eine Auswilderung schwierig ist. Eingreifen soll man nur, wenn man sicher ist, dass sich ein Vogel in Gefahr befindet oder verlassen ist, zum Beispiel bei der Zerstörung des Nestes oder dem Tod der Altvögel.
Quelle: Birdlife Schweiz

• Birdlife Schweiz, Tel. 044 457 70 20, www.birdlife.ch
• Schweizerische Vogelwarte Sempach, Tel. 041 462 97 00, www.vogelwarte.ch

Bilder: © FOTOLIA

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