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Klamotten für die Schlangengrube

 Ausgabe 4 - 2009 - 01.04.2009

Text:  Susanne Hochuli

Biobäuerin und Neo-Regierungsrätin Susanne Hochuli über den Vorteil von Stahlkappenschuhen beim Regieren. Vielleicht betritt sie die politische Bühne allerdings auch barfuss.

Die schönste Zeit im Leben einer Politikerin sei jene nach der gewonnenen Wahl bis zum Amtsantritt, soll Willi Ritschard gesagt haben. Damit ist auch gesagt, dass Willi Ritschard erstens keine Frau und zweitens keine Biobäuerin gewesen ist. Wird frau in dieser Kombination zur Regierungsrätin gewählt, zeigen sich ungeahnte Schwierigkeiten. Denken Sie nur an die Garderobe! Als Biobäuerin haben Sie Schrank und Schubladen voll mit Jeans, T-Shirts, Baumwollsocken, Landigrünen Gummistiefeln und stahlkappenbewehrten Schuhen, die brauchts, weil ich nicht nur die Nase, sondern meist auch die Zehen zuvorderst habe. Welches dieser für sich ehrenhaften Kleidungsstücke wollen Sie als Regierungsrätin tragen? Doch, die Schuhe könnten gute Dienste leisten. Denn es ist nicht so, dass ich mich nur um Banalitäten kümmere wie Kleider, nein, ich reise in der ganzen Schweiz herum und besuche Regierungsgebäude, um den Groove des Regierens aus erster Hand zu erspüren, zu profitieren von den Erfahrungen längst gestandener Regierer und Regiererinnen.

Eine Regierungsrätin hat mir gesagt: «Du wirst in einer Schlangengrube landen; aber bist du dir dessen bewusst, ist es nicht so schlimm.» Verstehen Sie, dass mir deshalb der Gedanke kam, Stahlkappenschuhe seien in die regierungsrätliche Garderobe hinüberzuretten? Wobei ich mit Schlangen schon Erfahrungen habe: Eine sehr farbige Schlange kroch vor einiger Zeit in unserem Quartier über die Strasse. Mein erster Gedanke war, sie sofort zu töten, sie dann zu trocknen und zu zermahlen und so in den Besitz eines herrlichen Aphrodisiakums zu gelangen. Leider obsiegte meine grüne Vernunft. Ich holte einen Kessel und einen langen Stecken, um das Tier zu retten. Den Bauern rief ich, damit er meine heldenhafte Tat bewundern könnte.

Die Schlange war – wenn ich jetzt zurückdenke – etwa kinderarmdick und über einen Meter lang. Vielleicht ganz wenig kleiner. Der Bauer kam, und bevor ich die Schlange in den Eimer bugsieren konnte, packte er sie am Schwanz und liess sie in den Kübel fallen. Ich schrie, ob er von Sinnen sei, eine Schlange am Schwanz zu packen, vielleicht sei das eine getarnte grüne Mamba! Er meinte, man müsse nur schnell genug sein, dann mache der Schwanzgriff nichts.

Das war mir eine Lehre fürs Delegieren. Und so habe ich auch die regierungsrätliche Garderobe delegiert. Die Vorstellung, von Kleiderladen zu Kleiderladen zu tingeln, um mir regierungstaugliche Klamotten zu erstehen, war schlimmer als der Albtraum von einer Schlangengrube. Deshalb habe ich eine «Personal Shopperin» engagiert, stellte mich in Ankleideräume, liess mir die passenden Stücke reichen: reinschlüpfen, begutachten, rausschlüpfen und sich die Kombinationsmöglichkeiten der verschiedenen Stücke erklären lassen. Ermahnungen gehörten auch dazu: Blaue Jeans und Barfussgehen gehören nicht zum regierungsrätlichen Common Sense. Nur dumm, dass ich genau so, barfuss und in Jeans, das Schlangenabenteuer überstanden habe. Mal schauen, was sich für die Schlangengrube eignet

carte blanche | Susanne Hochuli
Susanne Hochule, 1965, ist die erste grüne Regierungsrätin des Kantons Aargau. Die Mutter einer 14-jährigen Tochter bewirtschaftet gemeinsam mit ihrem Partner einen Biobauernhof in Reitnau AG mit Reitbetrieb sowie Therapiereiten für Menschen mit Verhaltensauffälligkeiten und Wahrnehmungsschwierigkeiten.

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