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Sicheren Schrittes

 Ausgabe_12/01_14/15 - 01.12.2014

Text:  Tommy Dätwyler

Auf Schneeschuhen lässt sich die Winterwelt auf faszinierende und Art und Weise neu entdecken – auch ohne grosse Vorkenntnisse.

Wandern mit Schneeschuhen ist voll im Trend und verspricht alleine oder in Gruppen einmalige Naturerlebnisse – egal ob im verschneiten Mittelland, auf Jurahöhen oder im alpinen Gebiet. Rund 80 000 Paar Schneeschuhe wurden in der letzten Wintersaison in der Schweiz verkauft. Das wundert nicht, denn die Sportart ist denkbar einfach und braucht neben ein bisschen Kondition keine besonderen Fähigkeiten oder Kenntnisse.

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Nur wenn schwindelnde Höhen angestrebt werden, braucht es eine vorbereitende Planung wie bei alpinen Skitouren, denn dann muss die Lawinengefahr beachtet und die richtige Ausrüstung (Lawinenverschütteten-Suchgerät LVS, Lawinenschaufel und Sonde) mitgenommen werden. Empfehlenswert für ambitionierte Schneeschuhgänger ist, sich einem Bergführer anzuschliessen oder in der Gruppe und mit einem der zahlreichen Tourenanbieter erste Erfahrungen zu sammeln.

Detaillierter Routenbeschrieb

Sorglos und ohne grosse Vorbereitung auf Tour gehen kann jedoch, wer einem der zahlreichen markierten Trails folgt, die so angelegt sind, dass man sich – ausser es heult ein Schneesturm – völlig sicher fühlen kann. Auf verschiedenen Internetseiten finden sich bereits über 200 detailliert beschriebene Schneeschuhtrails mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Ebenso lohnt sich der Blick auf die Webseiten der Wintersportorte oder die Nachfrage im Tourismusbüro oder in Sportgeschäften vor Ort, wo man Schneeschuhe in der Regel auch mieten kann. Das lohnt sich besonders für Gwundrige, die einfach mal spontan auf den freigegebenen Winterwanderwegen eine Runde drehen und dabei dem Schneeschuh-Feeling auf die Spur kommen möchten.

Die Qual der Wahl

Wer draussen unterwegs glücklich sein will, muss sich vorher Rechenschaft über seine Ausrüstung ablegen. Bei den Schneeschuhen
entscheidet das Einsatzgebiet über das Modell der Schneeschuhe. Die Zahl der im Fachhandel angebotenen Modelle ist gross, entsprechend schwierig die Entscheidungsfindung. Fast ein Dutzend verschiedene Marken sind auf dem Markt, wobei «TSL», «Tubbs», «MSR» und «Salewa» über die grössten Marktanteile verfügen.

Die Qualität ist durchwegs gut, aber es lohnt sich, vor einem Kauf die eigenen Ansprüche zu deklarieren und die kompetente Beratung des Sportartikel-Fachhandels zu nutzen. Wer unverbindlich erste Erfahrungen sammeln möchte, nützt die Möglichkeit vor einem Kauf Schneeschuhe (und beim Einsatz im alpinen Gebiet die Sicherheitsausrüstung) zu mieten. Die Möglichkeit schweizweit die neueste Generation von TSL-Schneeschuhen zu testen, bietet die Firma Pro Import über den Sportfachhandel unter www.tsl-taxi.com.

Trotz langer Tradition hat sich der Schneeschuh in jüngster Zeit stark verändert. Das grosse Interesse hat die führenden Hersteller in den letzten Jahren zu innovativen Weiterentwicklungen animiert. Sie sind durchwegs zugunsten der Konsumenten ausgefallen und bieten grosse Erleichterungen. So präsentieren die meisten Schneeschuhersteller unterschiedliche Modelle für die verschiedenen Einsatzgebiet, vom Mittelland bis zum hochalpinen Gegenden an. Auch die Preise variieren stark und ermöglichen einen auch fürs Portemonnaie sanften Einstieg.

Je schwerer desto grösser

Das wichtigste Kriterium ist die Grösse der Schneeschuhe. «Sie richtet sich nach dem Körpergewicht. Schwere Trapper brauchen grössere Schneeschuhe, um nicht einzusinken», erklärt Thomas Studer, TSL-Markenvertreter bei Pro Import. Als Flaggschiff der neuen Kollektion bezeichnet Studer die Modelle der Reihe «Symbioz», welche sich dank einer beweglichen Auflagefläche dem Gelände anpassen und dem Wanderer auch im Schnee ein natürliches Abrollen des Fusses ermöglichen.

Schnell rein – schnell raus

Solche Neuentwicklungen sind mit ein Grund, weshalb Schneeschuhwanderungen heute keine Plackerei mehr sind, sondern auch beim Hinuntergehen pures Vergnügen sein können. Studer, selber ein begeisterter Schneeschuhsportler, ist überzeugt, dass der Boom in der Schweiz noch lange anhalten wird. «Diese Fortbewegungsart ist zu gemütlich und zu faszinierend, um als Modeströmung wieder zu verschwinden.»

Mit neuen Innovationen ganz auf der Seite der Schneeschuhsportler positioniert sich auch die Marke Tubbs. Der «steife Gang» sei definitiv Vergangenheit, meint  Philipp Egli, Verkaufsleiter Tubbs Schweiz beim Generalimporteur Catrade. Auch diese Marke hat den Schneeschuhgang mit beweglichen Teilen «neu erfunden» und dafür gesorgt, dass Stösse und Schläge besser als früher absorbiert werden. Selbst das im Gelände ab und zu mühsame An- und Ausziehen der Schneeschuhe hat «Tubbs» nicht vergessen. Mit einem neuen Bindungssystem, das sich sowohl einhändig als auch mit Handschuhen bedienen lässt, hat diese Marke ihre Erfahrung in die Weiterentwicklung des Schneeschuhs einfliessen lassen.

Von Kopf bis Fuss die richtige Ausrüstung
• Die Schneeschuhe
Grundsätzlich gilt: Je tiefer der Schnee und je schwerer der Mensch, desto breiter der Schneeschuh. Es gibt Allrounderschuhe und auch solche, die genau auf das Gewicht des Besitzers oder der Besitzerin abgestimmt sind. Beim Gewicht immer ans «Gesamtgewicht» denken – zum Körpergewicht kommen Rucksack, Kleidung, Schuhe und die weitere Ausrüstung dazu.
Eher fürs Mittelland (flaches- bis hügeliges Gelände) geeignet sind grundsätzlich die traditionellen Schneeschuhe mit einem Rahmen aus einem glatten, runden Aluminiumrohr. Die besonders für leichten Schnee geeigneten Schuhe sind geräuscharm, bieten aber in ihrer einfachen Ausführung keine Steighilfe und meist auch keine Zacken oder Harschkrallen. Die tendenziell robusteren und mit flexiblen Teilen ausgestatteten, modernen Schneeschuhe aus Kunststoff oder einem Aluminiumprofil eigenen sich besser für alpines Gelände. Sie bieten dank Zacken, Harschkrallen, Steighilfen und Stabilisatoren guten Halt auch auf gefrorenem und hartem Schnee. Über den Komfort beim Gehen entscheidet auch die Bindung. Sie sollte den Schuh direkt umschliessen und sich beim Gehen nicht öffnen. Zudem ist – je nach Einsatzgebiet – auf das Gewicht zu achten. Die meisten Schneeschuhe sind in drei verschiedenen Grössen erhältlich, und es gibt auch spezielle Damenmodelle.
• Der Schuh
Für die Tour trägt man mit Vorteil einen bequemen, warmen und wasserdichten Wanderschuh mit guter Profilsohle. So ist es möglich, felsiges Gelände ohne Schneeschuhe zu überwinden. Im einfacheren Gelände eignen sich auch wasserdichte Winterboots oder gar Snowboardschuhe – Hauptsache, sie sind bequem. Leichte Gamaschen verhindern zudem das Eindringen von Schnee oder Spritzwasser von oben her.
• Die Stöcke
Sie sind beim Schneeschuhwandern unabdingbar. Sie helfen Kraft zu sparen, die Balance zu halten und verhindern Ausrutscher und Stürze. Am besten bewähren sich leichte, aber stabile Teleskop-Wanderstöcke. Wichtiger als die Art der Stöcke sind aber die Schneeteller. Sie müssen breit und gross sein, um auch bei Pulverschnee möglichst nicht einzusinken. Die meisten Stockhersteller bieten Teller zum Auswechseln in Sommer- und Wintergrösse an.
• Die Kleidung
Richtig gekleidet und auf der sicheren Seite ist, wer sich wie sonst auch beim Ausdauersport auf das «Zwiebelprinzip» besinnt; das heisst, man trägt die Kleidung in verschiedenen Schichten, derer man sich je nach Wetter, Temperatur und Anstrengung einzeln entledigen kann. Sie sind mit Vorteil funktionell, atmungsaktiv und wenn nötig auch wasserdicht, das gilt auch für die Hosen. Die Kleider sollten möglichst viel Bewegungsfreiheit bieten. Gut bedient und im Komfortbereich unterwegs ist zudem, wer auch auf funktionelle Unterwäsche zurückgreifen kann. Sie transportiert den Schweiss nach aussen und hält trocken und warm. Mütze und Handschuhe gehören ebenso dazu, genauso wie Sonnenschutz und Sonnen- oder Skibrille. Wichtig ist auch ein Rucksack mit Befestigungsmöglichkeiten für die Schneeschuhe. Es kommt immer wieder vor, dass man sie unterwegs auch einmal tragen muss.

Die Sicherheitsvorkehrungen
Lawinen machen keinen Unterschied zwischen Skitourengängern und Schneeschuhsportlern. Im lawinengefährdeten Gelände gehören das Lawinenverschütteten-Suchgerät LVS, eine Lawinenschaufel und eine Lawinensonde immer dazu. Vor einer Tour unbedingt den aktuellen Lawinenlagebericht studieren. Im weglosen Gelände ist eine detaillierte Karte ein Muss.

So richtig zum Festkrallen

Für gute Traktion vor allem im alpinen Gelände sind die MSR-Schneeschuhe bekannt. Die Kunststoff-Schneeschuhe dieses Herstellers gelten nicht zuletzt wegen ihres durchdachten Baukastensystems als innovativ und trotzdem robust. Sie lassen sich mit zusätzlichen Elementen je nach Schneebedingungen bei Bedarf verlängern. Als besonders griffig in schwierigem und alpinem Gelände gelten die MSR-Schneeschuhe aus einem scharf gezackten Aluminiumrahmen. Bei dieser Ausführung ist der Rahmen als Harscheisen ausgeformt, das auch auf vereistem und schwierigem Untergrund festen Halt bietet.

Als weiteren Vorteil erachtet Balz Willen vom Schweizer MSR-Generalimporteur Icon-Outdoor auch die Einfachheit der für alle Schuhtypen geeigneten Bindung. Diese lasse sich, sollte mal etwas schiefgehen, auch unterwegs meist einfach reparieren.

Alles für drunter und drüber

Spät aber erfolgreich ins Schneeschuhgeschäft eingestiegen ist auch Salewa. «Wir haben unsere langjährige Erfahrung im Outdoorbereich in die Entwicklung eigener Scheeschuhe einbringen und so vor allem im alpin-orientierten Tourenbereich auch für Snowboarder eigene Akzente setzen können», erklärt Julia Bauer von Salewa.

Vom Einstiegsmodell in Leichtbauweise und mit flexiblen Teilen bis zum Alpin-Schneeschuh deckt die Firma mittlerweile alle Bedürfnisse ab und will sich über den Sportfachhandel weiterhin als Vollausrüster für Anfänger und erfahrene Alpinisten verstanden wissen. Vom Schneeschuh über den Rucksack bis hin zur geeigneten Kleidung bietet Salewa Schneeschuhe laut Bauer ein Ausrüstungsangebot «aus einem Guss» an.

Back to the roots

Wer sich mit Schneeschuhen in den Winter begibt, darf sich dem hehren Gefühl hingeben, auf uralten Pfaden zu wandeln. Schon die Jäger und Sammler der Eiszeit banden sich mit grosser Wahrscheinlichkeit im Winter mit Leder bespannte Holzrahmen an die Füsse. Wissenschaftlich mit Funden belegt ist, dass bereits vor über 2000 Jahren im Kaukasus-Gebirge eine Art Schneeschuhe benutzt wurde. Und auch die Inuit in Grönland und die Indianervölker in Nordamerika haben schon früh schneeschuhähnliche Gebilde an den Füssen getragen, lange bevor europäische Holzfäller und Fährtensucher diese Hilfsmittel übernommen und weiterentwickelt haben.

Heute wird der Kunststoff- oder Alu-Schneeschuh als Sportgerät einer noch jungen Trendsportart laufend weiterentwickelt. Schneeschuhtouren bieten unabhängig von Laufgeschwindigkeit und Gelände ein generationenübergreifendes Wintererlebnis fast ohne Vorkenntnisse. Oder auf den Punkt gebracht: Wer im Sommer wandern kann, kann das im Winter auch mit Schneeschuhen.

Foto: zvg, istockphoto.com

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