Artikel Natur :: Natürlich Online Hinter den sieben Bergen | Natürlich

Hinter den sieben Bergen

Kategorie: Natur
 Ausgabe_12/01_14/15 - 01.12.2014

Text:  David Coulin

Wer ins Puschlav fährt, braucht viel Zeit. Die Wanderung ins Rifugio Saoseo verspricht mehr als nur eine schöne Landschaft.

Man nehme Buchweizenmehl, etwas Weizenmehl, Eier, Wasser und Milch und vermenge diese Zutaten zu einem festen Teig. Dieser wird nicht zu dünn ausgerollt und in fingerbreite Streifen geschnitten. Und schon haben wir sie, die Pizzoccheri-Nudeln. Kein Wunder, werden diese vor allem in südlichen Gefilden hergestellt, ist doch der Buchweizen eine wärmeliebende und frostempfindliche Pflanze. Beheimatet sind die Pizzoccheri im bündnerischen Puschlav und im grenznahen italienischen Veltlin, wo sie mit Wirsing (oder einem anderen grünen Gemüse) und Kartoffeln in Salzwasser gekocht, mit aromatisierter Butter abgeschmeckt und mit Käse serviert werden. So zum Beispiel im Rifugio Saoseo, einem stolzen Steinhaus in einem malerischen Quertal zum Puschlav. Seit 1980 wird diese Hütte von der Familie Heis betrieben, und die Heis lassen nichts anbrennen. In ihrer gemütlichen Stube servieren sie die dampfenden Pizzoccheri gediegen mit einem passenden Wein aus der Region. Oder solls doch lieber eine feine Polenta sein? Oder einfach eine Käseplatte mit Puschlaver Ringbrot?

Landschaft der Ruhe

In dem im Jahr 1935 für damals 18 000 Franken erbauten Haus, das seither unter anderem als Stallung und als Grenzwachthaus diente, treffen Einfachheit auf Qualität und Romantik auf Funktionalität. Dafür stehen zum Beispiel der tatsächlich warme Trocknungsraum, die guten Hüttenschuhe – und die Hauskatze, die sich gerne streicheln lässt. Das alles schätzt sehr, wer von Sfazù kommend auf der überschneiten Fahrstrasse hierher gelangt ist. Der Weg ist nicht schwierig. Die Landschaft strahlt Ruhe aus und lässt den Blick immer wieder die steilen Abhänge hinaufgleiten und mit etwas Glück an einem kapitalen Steinbock oder einer behänden Gämse hängen bleiben.

Zwischendurch geniesst man die kleinen, weissen Ebenen, die dem Tal trotz der steilen Bergflanken Weite und Raum zum Atmen geben. Manche Tourengängerinnen und Tourengänger durchschreiten am Abend eilends diese kleine Wunderwelt, lassen sich in der Saoseohütte verköstigen und verziehen sich schon bald in die Schlafräume. Denn für viele Touren, die von der Saoseohütte aus starten, ist frühes Aufstehen angesagt: Scima Saoseo, Piz Paradisin, Corn da Camp heissen die klingenden Namen der Dreitausender mit steilen Aufstiegen für erfahrene Alpinisten.

Zauberhaftes Val Viola

Aber es gibt auch andere Ziele, die weniger hoch sind und trotzdem höchst interessante Ein- und Ausblicke bieten. Eines dieser Ziele ist der Punkt 2471. Leider hat dieser Punkt keinen Namen, also geben wir ihm einen: «Bellavista». Erreichbar ist er in einer abwechslungsreichen Wanderung auch mit den Schneeschuhen. Sie führt vorbei am Lago da Saoseo und dem Lago Viola durch eine wildromantische Landschaft, die 1977 zu Recht in das Bundesinventar der Landschaften und Kulturdenkmäler von nationaler Bedeutung aufgenommen wurde. Dann noch ein moderater Aufstieg, und schon liegt einem das ganze Val Viola zu Füssen – vom Pass da Viola, der schon auf italienischem Gebiet liegt, entlang den Granitdreitausendern und über den Arvengürtel hinweg bis
ins Puschlav.

Diese Tour lässt sich nicht nur nach Belieben ausbauen, sondern bietet noch einen anderen, unschätzbaren Vorteil: Man darf am Abend ruhig noch etwas länger in der Gaststube bei einem Boccalino sitzen bleiben. Am folgenden Morgen lässt man die Alpinisten ziehen, räkelt sich noch etwas im Bett, geniesst ein reichhaltiges Frühstück und macht sich dann gemütlich und seelenallein auf den Weg. Schon bald hat auch die Sonne den Talboden erreicht, und die wärmenden Strahlen lassen die morgenstarren Glieder wieder auftauen.

Das Buch «Die schönsten Hüttenziele im Winter» von David Coulin ist als Leserangebot zu einem Vorzugspreis erhältlich.

Zu Fuss und mit Schneeschuhen im Val Poschiavo
• Ausgangspunkt/Endpunkt
Mit dem Zug bis nach Poschiavo. Dann mit Bus (Telefon 0800 125 125) nach Sfazù.
• Route
Zu Fuss und mit Schneeschuhen: Von Sfazù auf der Alpstrasse zur Saoseohütte. Auf dem Rückweg vom Rifugio zur Ebene Plansena absteigen, weiter auf der südlichen Talseite bleibend durch einen Waldstreifen zur Lichtung von Terzana, dann hinunter zum Fluss und über eine Brücke zurück zur Alpstrasse. Auf dieser zurück nach Sfazù. Leichte Wanderung: WT 1
• Auf- und Abstieg
400 Meter
• Wanderzeit
2 Stunden Aufstieg, 1 1/2 Stunden Abstieg
• Weitere Routen

Mit den Schneeschuhen rund um den Lagh da Saoseo und dann südwärts hinunter zur Lichtung der Alpe Saoseo. Auf der Alpstrasse westwärts nach Rügiul, wo die Zubringerstrasse zurückführt zum Rifugio Saoseo. 50 Meter Auf- und Abstieg.
Zeit: 1 Stunde, Leichte Schneeschuhwanderung WT 2.
Mit Schneeschuhen oder Skis Rundwanderung zu P. 2471 («Bellavista»: Vom Rifugio nordostwärts auf bis zum Lagh da Val Viola. Vor dem Lagh da Val Viola rechtshaltend dem Südwestufer des Sees entlang und südostwärts hinauf zu einem gut erkennbaren Geländeabsatz. Von diesem nordwärts hinauf zu einer vorgelagerten Hügelkuppe (P. 2471, «Bellavista»). Von dort leicht absteigend nordostwärts zum Pass da Val Viola. Zurück ins Val Viola und über den Lagh da Val Viola zurück zum Rifugio Saoseo.
500 Meter Auf- und Abstieg.
Zeit: 4 Stunden, Anspruchsvolle Schneeschuhtour, WT 3–4.
• Unterkunft
Das Rifugio Saoseo verfügt über 80 Schlafplätze in einfachen Mehrbettzimmern und Lagern. Es ist bewartet von Weihnachten
bis Anfang Januar und ab Februar bis Ende April. Winterraum mit 12 Schlafplätzen und Kochgelegenheit.
Reservation: Telefon 081 844 07 66, www.saoseo.ch
• Karten
Landeskarte 1: 50 000, Blatt 469S Val Poschiavo, Landeskarte 1: 25 000, Blatt 1278 La Rösa
• Informationen
Ente Turistico Valposchiavo Stazione, Telefon 081 844 05 71, www.valposchiavo.ch

Fotos: fotolia.com, AT Verlag, David Coulin

Tags (Stichworte):

Kategorie: Garten

Essen: Naturkaustoff

Zurück zu den Wurzeln» lautet die Devise bei den Initianten von Chicza.

Kategorie:

Kategorie: Garten

Melonenzeit

Sommerzeit ist Melonenzeit. Beliebt sind bekannte Sorten wie Honigmelonen, doch...