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Wohin mit dem Laub?

Kategorie: Garten
 Ausgabe_11_2014 - 01.11.2014

Text:  Remo Vetter

Remo Vetter plädiert für ein bewussteres Konsumieren und will Ballast abwerfen – auch im Garten, wo noch Unmengen von Laub herumliegen.

Etwa 10 000 einzelne Gegenstände besitzt ein Haushalt in einem reichen Land wie der Schweiz im Schnitt, habe ich irgendwo gelesen. Das ist so viel, dass die meisten von uns kaum den Überblick haben – und brauchen tun wir wohl auch das Wenigste davon.

Besonders auffällig ist dies beispielsweise beim Werkzeug und den Arbeitsgeräten für Küche und Haushalt: In vielen Kellern, Garagen und Küchen  findet sich heute eine Anhäufung von Geräten, die früher ganze Werkstätten, Gärtnereien und Hotelküchen ausgestattet hätten. Die effektive Nutzungsdauer der einzelnen Geräte ist oft minimal und meist kommt nur eine der vielen Funktionen eines Gerätes zum Einsatz. Im Laden fällt immer wieder auf, dass die meisten Verkäufer mir Hunderte von Nutzungsmöglichkeiten und Zusatzfeatures, wie man auf Neudeutsch sagt, des Gegenstandes anpreisen. Das überfordert mich mehr, als dass es mir beim Kaufentscheid helfen würde. Eigentlich will ich ja nur ein Auto, das mich sicher von A nach B fährt. Die ganze Elektronik interessiert mich nicht. Und was ist, wenn die Elektronik «aussteigt»? Dann bin ich aufgeschmissen. Ein englischer Intellektueller hat einmal gesagt: «Wir können entweder rückwärts schreiten in Richtung Freiheit oder vorwärts in Richtung Sklaverei.» Rückwärts in Richtung Freiheit? Geht irgendwie nicht. Aber vielleicht sollten wir kurz innehalten und uns überlegen, ob wir wirklich alles brauchen, was uns angeboten wird.

Gartenarbeit im November
Den Garten frostsicher machen
• Auch wenn der Garten endgültig für den Winter vorbereitet und aufgeräumt wird, kommt nicht alles weg. Stauden, die Samenkapseln haben, bleiben stehen. Sie sind Schmuck im winterlichen Garten – besonders, wenn sich Reif auf ihnen ablegt. Andere Stauden wie Minze, Frauenmantel oder Beifuss können geschnitten werden.
• Sowohl Winterbeete wie auch die abgeräumten Beete sollten spätestens im November vor Frost geschützt werden. Kompost und Mulch aus Laubabfällen, Grasschnitt und anderen Gartenabfällen schützen vor Frostschäden und Nährstoffverlust. Diese Abdeckung kommt in einer etwa ein bis zwei Zentimeter dicken Schicht auf die abgeräumten Beete, denn die Mikroorganismen im Boden benötigen eine ausreichende Luftzufuhr, um die Pflanzenteile in nährstoffreichen Humus zu verwandeln. Zu dicke Schichten ersticken den Boden und führen zu Fäulnis. Ich rate ausserdem, im Herbst noch einmal die Beete von Unkraut zu befreien. Dann muss man es im Frühjahr nicht machen, wenn wieder mehr zu tun ist.
Wohin mit all dem Laub?
• Es gibt mehrere Möglichkeiten, das Herbstlaub sinnvoll zu verwenden. Zusammengeharkte Laubhaufen an windgeschützten Ecken des Gartens sind wichtige Winterquartiere für Kleintiere. Leicht verrottbares Laub kann auf Beeten verteilt werden. Dadurch sinkt die Frostgefahr. Keinesfalls gehört Laub in den Hausabfall.
• In den Schattenbeeten unter Bäumen und Sträuchern können Sie das gefallene Herbstlaub ruhig liegen lassen. Schattenstauden und schattenverträgliche Bodendecker sind von ihrem Standort her eine herbstliche Laubauflage gewohnt. Den normalen Beetstauden und dem Rasen rauben die Blätter im Herbst jedoch das Licht. Verteilen Sie das zusammengerechte Laub einfach unter Ihren Bäumen und Sträuchern oder entsorgen Sie es im Kompost.
Schwer verrottbares Laub sollte man vor dem Kompostieren schreddern. Dazu zählen zum Beispiel Walnuss-, Eichen-, Kastanien- oder Pappelblätter. Die Kompostierung ist eine gute Möglichkeit, Herbstlaub zu entsorgen. Es sollte mit anderen organischen Materialien wie Rasenschnitt, kleinen Zweigen oder Küchenabfällen gemischt werden. Der Laubanteil sollte aber nicht mehr als etwa ein Fünftel betragen.

Freiheit durch Eigenverantwortung

Früher gab es funktionierende, meist dörfliche Gemeinschaften, eine ganzheitliche in das Leben integrierte Werktätigkeit und (kirchliche) Feste und damit eine fröhliche, am Wohlbefinden des Einzelnen orientierte Art. Es liegt mir nicht daran, diese Tage wieder heraufzubeschwören. Aber ein verantwortungsvolles Teilen der Ressourcen scheint mir eine sinnvolle und erstrebenswerte Lösung. Freiheit durch Eigenverantwortung! Viele von uns befinden sich in einem Hamsterrad. Der immer mehr um sich greifende Konsumzwang und Egoismus des Einzelnen hält uns vom Essenziellen ab: Von guten Freunden, gutem Essen und Trinken, guten Büchern und Filmen.

Ein konkreter Gewinn liegt für mich in einem Mehr an Lebensqualität, – vielleicht durch einen Verzicht an Konsum, auf eine Beschränkung auf wirklich benötigte, langlebige und reparierbare Konsumgüter, die Freude am Selber-Tun und eine aus dieser Haltung resultierende natürliche Nähe zu unverfälschter Nahrung und dem Teilen mit anderen.

Ab ins Haus mit den Töpfen
• Kübelpflanzen brauchen Frostschutz. Topf-Modelle aus Ton sollten nicht direkt auf dem Boden stehen, damit das Wasser ablaufen kann. Sonst gefrieren die Töpfe und zerspringen. Nicht winterharte Pflanzen im Kübel müssen ins Haus: Lilien, Oleander und Zitrusfrüchte sollten frostfrei und hell überwintern. Wer keinen Wintergarten besitzt, kann auch helle, unbeheizte Kellerräume, Garagen oder Treppenhäuser als Winterquartiere umfunktionieren. Es sollte aber gewährleistet sein, dass das Thermometer nicht unter die Null-Grad-Grenze sinkt. Je kühler die Überwinterungstemperatur ist, desto dunkler kann auch der Raum sein.
• Im Herbst sollten die Wurzeln von Blumen, wenn sie in Kästen gepflanzt werden, mit möglichst viel Erde umgeben sein: Das schützt vor Frost. Bei der Herbstbepflanzung kommen deshalb am besten breite und tiefe Kästen zum Einsatz. Dünger brauchen die Wurzeln den Winter über nicht: Die Nährstoffe in der Blumenerde reichen ihnen. Zu den klassischen Herbstblühern zählen Chrysanthemen, Erica und Astern.

Was es jetzt zu ernten gibt
• Es ist Zeit, den Chinakohl zu ernten. Das knackige Gemüse verträgt ohne Probleme leichten Frost. Daher kann es auch in den kommenden Wochen noch im Beet bleiben. Chinakohl ist leicht verdaulich. Er schmeckt roh und gekocht und enthält viel Vitamin C, Ballaststoffe und wichtige Spurenelemente.
• Frühsorten des Rosenkohls dürfen zwar schon ab September geerntet werden, die Haupterntezeit ist aber von November bis Dezember. Leichter Frost schadet dem Kohl nicht. Er kann sogar dafür sorgen, dass die Röschen erst das richtige Aroma bekommen. Durch die Minusgrade erhöht sich der Zuckergehalt im Gemüse. In sehr rauen Gegenden mit anhaltendem Frost sollte man die Pflanzen aber trotzdem mit Vlies oder Reisig schützen. Es empfiehlt sich, die Röschen nicht bei Frost zu pflücken, sondern zu warten, bis das Gemüse aufgetaut ist. Entnommen werden die Röschen von unten nach oben – das garantiert ein Nachwachsen der Knospen und damit spätere weitere Erntemöglichkeiten. Auch Kürbis, Lauch, Endivie, Feldsalat, Radicchio, Fenchel, Pastinake, Schwarzer Rettich, Randen, Schwarzwurzel, Steckrübe, Topinambur, Blumenkohl, Brokkoli, Pak-Choi, Grünkohl, Weisskohl, Spitzkohl und Wirsing warten auf die Ernte.
• Damit Sie auch in den Wintermonaten nicht auf den Geschmack von frischem Schnittlauch verzichten müssen, lohnt es sich, ihn jetzt in Töpfe einzusetzen. Zum Antreiben gräbt man den Schnittlauch vor Beginn der Frostperiode aus und lässt den Wurzelballen einfach auf der Erde liegen. Nachdem dieser einmal durchgefroren ist, kann man ihn eintopfen und bei etwa 18 Grad auf dem Fensterbrett oder im Gewächshaus weiter kultivieren.

Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich bin weder Kommunist noch sonst wie politisch aktiv. Ich glaube ganz einfach, es ginge uns besser, wenn wir eigen- und umweltverantwortlich handeln, bereit sind, unseren Überfluss zu teilen und uns auf das Wesentliche konzentrieren und unnötigen Ballast abwerfen. Das ist mit ein Grund, warum ich gärtnere. Ich will unverfälschte biologische Nahrung. Ich will wissen, woher mein Gemüse und meine Früchte kommen. Ein einfaches Prinzip und gleichzeitig ein grosser Luxus!

Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen (AR) tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräuter garten von A. Vogel hegt.

Fotos: istockphoto.com, fotolia.de

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