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Zürcher Hausberge

Kategorie: Natur
 Ausgabe 3 - 2009 - 01.03.2009

Text:  Remo Kundert

Von Zürich aus nur ein Katzensprung und doch alpines Wandergefühl: Das bietet das Zürcher Oberland mit Schnebelhorn und Tweralpspitz. Mit Glück kann man sogar auf einen Luchs treffen – oder zumindest auf dessen Spuren.

Die Schnebelhornstrasse gegen Nordosten (Fotos: Dominik Scheibler/Remo Kundert)

Dem Luchs erging es in der Schweiz nicht besser als vielen anderen grossen Wildtierarten. Mit dem Aufkommen prä­ziser Feuerwaffen wurde er als Nah­rungskonkurrent im 19. Jahrhundert ausgerottet. Um die einstmalige Arten­vielfalt wiederherzustellen, wurden ab 1971 offiziell zehn Luchse aus der Slowa­kei eingefangen und in den Alpen sowie im Jura ausgewildert. So geht unser heu­tiger Luchsbestand von rund 100 Tieren auf einige wenige Gründertiere aus jener Zeit zurück. Obwohl 100 Luchse auf den ersten Blick eine stolze Anzahl sind, ist dies noch keine bestandessichernde Grösse. Flüsse, hohe Berge, Autobahnen und dicht besiedelte Gebiete hindern die Luchse, in neue Lebensräume vorzu­stossen.

Land der Luchse

Da beispielsweise die Ostschweiz von den Luchsen nicht auf natürliche Weise besiedelt werden konnte, beschloss der Kanton St.Gallen, im Frühjahr 2001 und 2003 neun Luchse aus der Westschweiz und dem Jura ins Toggenburg und an den Tössstock umzusiedeln, um so dem Ziel der langfristigen Sicherung einer überlebensfähigen Luchspopulation im gesamten Alpenraum und speziell in der Nordostschweiz näher zu kommen.

Die Luchse gewöhnten sich schnell an ihren neuen Lebensraum, bauten das gewohnte Sozialsystem auf und zeigten das aus den Herkunftsregionen be­kannte Verhalten. Auch waren sie für Überraschungen gut: Zwei Tiere wan­derten unerwartet grossräumig ab – ei­nes in den Kanton Glarus, das andere hielt sich sogar für einige Tage in der Stadt Zürich auf, bevor es zum Töss­stock zurückkehrte, wo es für Nach­wuchs sorgte. Trotz einigen Fortpflan­zungen gelang es den umgesiedelten Luchsen nicht, eine überlebensfähige Population zu gründen. In den Über­wachungsperioden der Winter 2004/2005 und 2005/2006 wurden deutlich weniger Luchse als erwartet nachge­wiesen. Über mögliche Ursachen wurde viel spekuliert – Mängel beim Monito­ring, ungeeigneter Lebensraum, illegale Tötungen, natürliche Sterblichkeit und Inzucht –, ohne dass es für eine der Hypothesen Beweise gibt.

Um den Luchsbestand längerfristig zu stabilisieren, wurden daher im Jahr 2007 nochmals zwei Luchse in den Hinterthurgau umgesiedelt, die 2008 mit zwei weiteren Tieren ergänzt wurden, um dann das Projekt Luchsumsiedlung Nordostschweiz (LUNO) 2009 abzu­schliessen. Dass wiederum Luchse umgesiedelt werden konnten, hängt mit der nun belegten Erkenntnis zusammen, dass der Luchs keine Gefahr für Menschen und für seltene Arten wie das Auerhuhn darstellt. Als Jäger und Fleischfresser tötet er zwar Gämsen und Rehe, aber grossräumig konnten keine negativen Effekte auf die Wildbestände festgestellt werden. In den sechs Jahren seit ihrer Umsiedlung haben die Nordostschweizer Luchse nur ein einziges Nutztier, eine Ziege, gerissen.

Fast wie in den Alpen

Kein Grund also, mit mulmigem Gefühl in der Tössstock-Schnebelhorn-Region zu wandern. Und vielleicht findet sich an einer feuchten Stelle ein Trittsiegel der versteckt lebenden gepunkteten Wildkatze.

An vielen Feuerstellen vorbei wälzt sich ein anfänglich breiter Wanderweg von der Bergstation Ober Atzmännig zur Schwammegg. Bald wird die Spur schmaler und interessanter. Vor dem Rotstein wird ein kurzes Steilstück gemeistert, dann gehts der Krete entlang, zum Teil fast alpin anmutend, zum Tweralpspitz. Da ihm die aktuelle 1:25 000er-Karte keine Höhenangabe mehr zubilligt, glauben wir der Wegweiserangabe von 1332 Metern und freuen uns, den höchsten Punkt der Tour erreicht zu haben.

Nun hinunter über Alpwiesen zur oberen Tweralp, wo ein Fahrsträsschen zu dem von weit her sichtbaren Restaurant auf der Chrüzegg (1265 m) leitet. Nach kurzer Stärkung wartet der nächste und letzte Dreizehnhunderter, der Chümibarren (1314 m). Nach seiner Überschreitung geht es durch dicht überwachsenes Felssturzgelände zu Punkt 1205, dann in elegantem Bogen fast horizontal westlich unter dem Habrütispitz zum Hinter Chreuel (1199 m). Hier nochmals kurz ansteigen und auf der Krete zur Rossegg, dann auf breitem Weg zum Restaurant Schindelberg. Um die Schindelberghöchi herum und auf der Krete zum Schnebelhorn, dem höchsten Gipfel des Kantons Zürich.

Ein Horn ist kein Horn

Wer sich aufgrund der Endung «-horn» einen richtigen Gipfel mit Felsaufbau oder Ähnlichem vorstellt, wird wohl enttäuscht sein: Das Schnebelhorn ist genauso eine Wiesen-/Waldkrete wie die anderen Gipfel links und rechts auch.

Vom Grenzstein neben dem grossen Wegweiser auf der Krete nordwärts hinunter zur Hirzegg und durch den Wald zum Roten, wo das Beschtentobel in eine eindrückliche, an eine weite Arena erinnernde Felsflanke mündet. Ein schmaler Weg führt auf einem Grasabsatz zwischen den steilen Platten durch die Flanke des Roten, während weiter oben ein breiterer und einfacherer Weg quert. Die beiden Varianten vereinigen sich wenige Minuten später wieder.

Über Punkt 1010 weiter zur Rütiwis, wo das Fahrsträsschen ansetzt, das zum Burstel führt. Weiter an der Vorderegg vorbei zum Boden und kurz auf der Hauptstrasse tössabwärts zum knapp 600 Meter entfernten Bahnhof Steg.

Die Berge so nah
Gipfel
: Tweralpspitz (1332 m), Schnebelhorn (1292 m)
Charakter: Lange Kretentour zum höchsten Kantonalzürcher Gipfel.
Schwierigkeit: T2+ (Bergwandern). Kurze, recht steile Passage
Wanderzeit: Gesamte Wanderzeit: 5 1⁄2 Stunden
Ausgangspunkt:
 Bergstation Ober Atzmännig (1190 m) - Anreise mit Postauto vom Bahnhof Uznach via Goldingen nach Atzmännig/Schutt, dort auf den Sessellift - Telefon 055 284 64 34, www.atzmännig.ch
Karten: Landeskarte 1: 25 000, 1093 Hörnli, 1113 Ricken
Landeskarte 1: 50 000, 226 Rapperswil

 

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