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Stille Wege, starke Orte

Kategorie: Natur
 Ausgabe_10_2014 - 01.10.2014

Text:  Heinz Staffelbach

Mystische Steine, verträumte Lichtungen und Weisheiten für das Leben: Auf der Wanderung zwischen Besenbüren und Bremgarten gibt es viel zu entdecken.

War es Zufall? War es Schicksal? Es war kurz bevor ich mit den Wanderungen für das Buch «Auf stillen Wegen an starke Orte» begann, als meine Gedanken bereits damit beschäftigt waren, die ersten Touren festzulegen.

Eines Sonntags streifte ich für einen Foto-Auftrag durch den Wald bei Bremgarten, und ich war kaum eine halbe Stunde unterwegs, als ich mitten im Wald zu einer Tafel kam, auf der oben «Umweg» stand. War ich jetzt schon vom Weg abgekommen? Oder hatte ich einen neuen gefunden? Oder beides? Ganz unten auf der Tafel stand «Meditationsweg Wohlen». Mein unwissendes Herumspazieren hatte mich auf einen der ganz wenigen Meditationswege der Schweiz geführt. Und zwar auf den äussersten Punkt des Weges, der sich mit dem Thema «Umweg» beschäftigt.

Zufall? Auf jeden Fall hatte es sich damit gefügt, dass ich schon zu Beginn meiner Recherchen das perfekte Kapitel für dieses Buch fand, ein Buch, das ebenso gut «Meditationswandern» heissen könnte. Ich hatte damals eine hektische Zeit, beruflich und privat, und so flossen einige der Weisheiten, denen ich dort begegnete, wie Balsam in meine Seele. Auf dem Meditationsweg laden Texte von Meistern unterschiedlichster Religionen und Philosophien zum Verweilen und Nachdenken ein. Und so ist der Satz: «Nichts ist entspannender, als das anzunehmen, was kommt», einer meiner wertvollsten, nährendsten und hilfreichsten Sätze, den ich seit dieser «zufälligen» Entdeckung mit mir trage.

Er scheint leicht – und wiegt 60 Tonnen

Im Wald bei Bremgarten gibt es einiges an Überraschendem zu entdecken. Etwa der Erdmannlistein. Die gewaltigen Menhire in der Bretagne hatte ich ein Jahr zuvor besucht und gestaunt, wie es diese Menschen vor mehreren Tausend Jahren schafften, viele Tonnen schwere Steine aufeinanderzulegen. Dass wir solche Wunderwerke auch in der Schweiz haben, das war mir völlig entgangen. Der obere Block des Erdmannlisteins, der ganz leicht auf zwei Basissteinen zu ruhen scheint, wiegt nicht weniger als 60 Tonnen. In der Umgebung gibt es noch zahlreiche weitere Steine, etwa die grosse Platte des Bettlersteins. Der ganze Komplex wird als eine ausgedehnte megalithische Kalender- und Kultanlage angesehen. An der Wanderroute und in deren Nähe gibt es auch einige Moore und Weiher. Zwei davon, das Torbemoos und das Cholmoos, sind quasi Teil des Meditationsweges. Beim Cholmoos gibt es einen wunderbaren Rastplatz mit Bänken.

Hier verweilte ich eine lange Zeit und beobachtete die kleinen und auch riesengrossen Karpfen im flachen Wasser, die Graugänse, die durch die Seerosenteppiche paddelten, und die Libellen, die im Schilf um die gelb leuchtenden Schwertlilienblüten tänzelten. Noch weitere Weiher, Moose und Tümpel gibt es im Wald zwischen Bremgarten, Wohlen und Hägglingen. Doch ich will nicht schon alles Wunderbare und Wundersame verraten. Der Reiz des Weges liegt am Entdecken. Auf der Wanderung durch den Wald wird man auch Zeuge der Kraft des Waldes, wie er sich nach einem verheerenden Sturm erholen kann. Ein solcher, es war Orkan Lothar im Jahr 1999, riss eine lange Schneise in den Wald. Ordnung muss sein, und so wurde meistenorts in der Schweiz sofort nach dem Sturm mit dem Aufräumen begonnen. Bei Chintis aber (bei der Verzweigung nordöstlich von Punkt 481) verzichtete man in einem Anflug von Gelassenheit und wissenschaftlicher Neugier auf jeglichen Eingriff. Heute steht hier ein dichter Jungwuchs aus Buchen und Bergahornen. Wer aber etwas ins Dunkel späht, erkennt am Boden noch die alten, dicken und moosbewachsenen Baumstämme und aufgestellte Wurzelteller, aus denen dickere und dünnere Wurzeläste wie die schüttere Frisur eines Märchenriesen herausragen.

Das Wanderbuch «Auf stillen Wegen an starke Orte» ist als Leserangebot zu einem Vorzugspreis erhältlich.

Zum Erdmannlistein
• Ausgangspunkt
Zug bis Wohlen AG, Postauto bis Besenbüren, Dorf.
• Endpunkt
Bremgarten, Rückreise mit Zug oder Postauto.
• Route
Von Besenbüren nach Waldhäusern. Hier rechts (nordöstlich) weg, auf einer Anhöhe um das Dorf Waltenschwil, auf einer Forststrasse den Bahngeleisen entlang zum Erdmannlistein. Weiter durch den Wald und entlang der Reuss nach Bremgarten.
• Wanderzeit
3 Stunden
• Länge
11,6 km, 150 m Aufstieg, 220 m Abstieg
• Der Meditationsweg
2008 wurde der erste Meditationsweg der Schweiz eingeweiht. An verschiedenen Orten im Wald in der Umgebung des Erdmannlisteins laden Texte von Weisen aus aller Welt und allen Religionen zum Verweilen, Lesen und Nachempfinden ein. Kärtchen und Informationen auf www.pfarreiwohlen.ch
• Einkehren und Übernachten
Restaurants in Besenbüren, Waldhäusern, Waltenschwil und Bremgarten. Hotels in Bremgarten.
• Karten
Landeskarte 1: 25 000, 1090 Wohlen und 1110 Hitzkirch; 1:50 000, 225/225T Zürich
• Weitere Informationen
Verkehrsbüro Bremgarten, Telefon 056 648 33 33, www.bremgarten.ch, www.aargautourismus.ch

Fotos: Heinz Staffelbach, swissimage.ch/Stephan Engler

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