Artikel Natur :: Natürlich Online Die Sonne, ein himmlischer Kraftreaktor! | Natürlich

Die Sonne, ein himmlischer Kraftreaktor!

Kategorie: Garten
 Ausgabe_07_08_2014 - 01.07.2014

Text:  Andreas Walker

Die Sonne schickt uns zehntausendmal so viel Energie zur Erde, wie wir brauchen. Noch wissen wir das Potenzial nicht zu nutzen.

Nur dank der Sonne ist Leben auf unserem Planeten möglich – in vielen alten Kulturen verehrte man sie deshalb als Gottheit. Vor fünf Milliarden Jahren wurde die Sonne aus Sternenstaub geboren. Sie steht jetzt etwa in der Mitte ihres Lebens. Die Sonne verbrennt Wasserstoff zu Helium – eine saubere Energiequelle, die gut genutzt werden könnte.

Surftipps
Hier erhalten Sie weitere interessante Informationen zum Thema
Schweizerischer Fachverband für Sonnenenergie
franz alt: sonnenseite

Die Strahlungsleistung der Sonne, die ausserhalb der Atmosphäre bei mittlerem Sonnenstand und senkrechtem Einfall der Strahlen durch eine bestimmte Flächeneinheit fliesst, wird als Solarkonstante bezeichnet. Allerdings ist der Begriff «Konstante» irreführend, denn die Bestrahlung ändert sich einerseits durch den Wechsel der Entfernung Erde – Sonne, verursacht durch eine Kreisel- und Wippbewegung der Erdachse sowie die Schwankung der Exzentrizität der Erdumlaufbahn.

Sonnenenergie legt zu

Mit dem schnellen Zubau von erneuerbaren Energien verändert sich auch die Struktur der Stromversorgung. Dabei stehen nicht mehr die Grosskraftwerke im Vordergrund, sondern Gebäude, die als dezentrale Kraftwerke ihren Beitrag zu einer sauberen und sicheren Stromversorgung leisten. In der Schweiz könnte Photovoltaik mindestens 20 Prozent des Strombedarfs erzeugen. Um dieses Potenzial nutzbar zu machen, wurde 2008 die KEV (Kostendeckende Einspeisevergütung) eingeführt. Seit dem 1. April 2014 haben sich die Förderbedingungen für die Erstellung von kleineren Photovoltaikanlagen noch einmal grundlegend verändert.

Jedem sein Solarstrom

Mit der letzten Revision des Energiegesetzes wird der Eigenverbrauch ermöglicht. Stromproduzenten dürfen nun den selbst produzierten Strom selber ganz oder teilweise nutzen – auch bei einer KEV-Anlage. Bisher war dies nicht möglich. Durch die Eigenverbrauchsregelung wird der Anreiz, den selbst produzierten Strom direkt zu nutzen, grösser. Dies verbessert in vielen Fällen die Wirtschaftlichkeit, denn bisher mussten Stromproduzenten mit einer Photovoltaikanlage ohne KEV die Kilowattstunde für 5 bis 8 Rappen an das Elektrizitätswerk verkaufen und gleichzeitig Strom für 15 bis 20 Rappen pro Kilowattstunde vom Elektrizitätswerk beziehen.

Kleine Photovoltaikanlagen erhalten anstelle der KEV einen einmaligen Investitionsbeitrag, wobei für gewisse Kategorien eine Wahlmöglichkeit zwischen den beiden Förderinstrumenten besteht. Davon profitieren insbesondere jene, deren Photovoltaikprojekte auf der KEV-Warteliste mit über 30 000 Einträgen blockiert sind. Diese Warteliste kann dank der Einmalvergütung bis Anfang 2015 voraussichtlich um mehr als die Hälfte abgebaut werden.

Thermische Solaranlagen: Warmwasser mit Sonnenkollektoren
• Sonnenkollektoren sind sehr umweltfreundlich. Bereits innerhalb eines Jahres erzeugen sie mehr Energie als zu ihrer Herstellung notwendig ist. Während eines Einsatzes von 25 Jahren können mit einer Solaranlage für die Warmwasserbereitstellung in einem Einfamilienhaus bis zu 60 000 Kilowattstunden Strom und rund 15 Tonnen CO2-Emissionen gespart werden. Ein Vier-Personen-Haushalt braucht 4 bis 6 Quadratmeter Kollektorfläche und einen 400 bis 500 Liter fassenden Warmwasserspeicher.
• Besonders interessant ist die Produktion von Solarwärme auf Mehrfamilienhäusern. Allein in der Schweiz gibt es Tausende von ungenutzten Mehrfamilienhausdächern, die sich gut zur Nutzung der Sonnenenergie eignen würden. Bereits ein Quadratmeter Kollektorfläche pro Bewohner kann die Hälfte des benötigten Warmwassers liefern.
• Die Wärmeleistung der heute rund 140 000 thermischen Solaranlagen in der Schweiz liegt bei etwa 1000 Megawatt. Eine Studie im Auftrag des Bundesamtes für Energie zeigt, dass bis zu 60 Prozent des Wärmebedarfs nur mit Sonnenwärme von den Dächern gedeckt werden könnten. Damit 10 Prozent des gesamten Wärmebedarfs mit Sonnenenergie abgedeckt würden, müssten pro Einwohner 1,7 Quadratmeter Sonnenkollektoren, total 15 Millionen Quadratmeter, installiert werden – ein Ziel, das Swissolar bis zum Jahr 2035 ins Auge gefasst hat.
• Im Gegensatz zur Photovoltaik werden Sonnenkollektoren von den Kantonen gefördert. Fast in jedem Kanton gibt es Investitionsbeiträge und Steuerabzugsmöglichkeiten, welche die Kosten um durchschnittlich 30 Prozent senken.

Ein Volk von Ökostrommuffeln

Zwar produziert kein anderes Land pro Kopf so viel Energie mit Wasserkraft wie die Schweiz. Aber beim Ökostrom aus Wind und Sonne schneiden wir im Vergleich mit den EU-Ländern miserabel ab. Gemäss Schweizerischer Energiestiftung (SES) steht die Schweiz abgeschlagen auf dem zweitletzten Platz. Nur Ungarn produziert noch weniger Wind- und Solarstrom.

Sonne und Wasserkraft lieferten letztes Jahr hierzulande pro Kopf nur 83 Kilowattstunden Strom. Spitzenreiter Deutschland produzierte 1036 kWh, zwölfmal mehr. Sogar Österreich, wo die Bedingungen vergleichbar sind, produziert mit 422 kWh Strom fünfmal mehr pro Einwohner als die Schweiz.

Immerhin, so die SES, gebe es einen zügigen Ausbau: «Die Schweiz hat ihre Stromproduktion aus Photovoltaik und Wind in den letzten vier Jahren von 15 auf 83 kWh verfünffacht.» Den Hauptteil macht die Solarenergie aus. Sie hat auch das grösste Potenzial. 

Photovoltaik: Strom mit Solarzellen
• In der Schweiz deckt Solarstrom gerade mal ein Prozent des jährlichen Strombedarfs (in Deutschland sieben). Immerhin hat Solarstrom, auch Photovoltaik genannt, auf tiefem Niveau eine rasante Entwicklung hingelegt: Die in der Schweiz installierte Leistung hat sich im vergangenen Jahr fast verdoppelt. Und die Anlagenpreise sind innert fünf Jahren um etwa zwei Drittel gesunken. Heute erzeugt eine Photovoltaikanlage bereits nach zwei bis drei Jahren mehr Energie, als zu ihrer Herstellung und Entsorgung notwendig ist.
• In der Schweiz sind erst etwa 40 000 Photovoltaikanlagen mit einer Fläche von 4,5 Quadratkilometern installiert. Sie liefern Strom für über 200 000 Haushalte. Die Gestehungskosten für eine Kilowattstunde Solarstrom sinken stetig; Ende 2013 lagen sie im Durchschnitt bei 25 Rappen.
• Photovoltaik bildet neben der Wasserkraft ein zentrales Standbein für eine sichere und saubere Energieversorgung für die Zukunft. Schon 2025 könnte sie gemäss Swissolar mit dem nötigen politischen Willen zwölf Milliarden Kilowattstunden liefern, 20 Prozent des heutigen Strombedarfs. Das entspricht der Hälfte des Stroms, der heute in der Schweiz mit Kernkraftwerken erzeugt wird.
• Erneuerbare Energien haben ein Problem: die schwankende Stromerzeugung. Speichertechniken auch für den Privatgebrauch sind zwar vorhanden; sie sind aber noch teuer. In Häusern können z. B. riesige Wassertanks mit Solarstrom betrieben werden – bei Bedarf heizt man das Haus mit dem heissen Wasser.

Buchtipps
• Franz Alt: «Auf der Sonnenseite», Piper, 2014, Fr. 15.90
• Franz Alt: «Die Sonne schickt uns keine Rechnung», Piper, 2013, Fr. 15.90

Foto: fotolia.com

Tags (Stichworte):

Kategorie: Garten

➜ Der Tipp

Man braucht nicht Rheumapatientin zu sein, um die innovativen Alltagshelfer der...

Kategorie:

Kategorie: Natur

Erleuchtung

Zurzeit leuchtet die Natur im Unterengadin in feurigsten Farben. Doch eine...