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Lust aufs Gartenparadies?

Kategorie: Garten
 Ausgabe_06_2014 - 01.06.2014

Text:  Remo Vetter

In Alfred Vogels Heilkräuter-Schaugarten wachsen Kiwis und andere Exoten auf einer Höhe, wo das kaum denkbar ist. Das Geheimnis dahinter? – der Boden.

Unser Garten liegt im appenzellischen Teufen, auf knapp 1000 Metern Höhe. Rund 120 verschiedene Heilpflanzen und Küchenkräuter, alte Obst- und Gemüsesorten gedeihen auf dem terrassenförmigen Gelände.

Alfred Vogel, der berühmte Naturheilkundepionier, hat es in den Dreissigerjahren des letzten Jahrhunderts erworben und auf dem circa ein Hektar grossen Gelände seine Kurklinik geführt. Damals wie heute war Gärtnern eine wichtige Therapie.

Seit nunmehr 32 Jahren betreuen meine Frau Frances, unsere drei Töchter und ich den Heilpflanzen-Schaugarten und vermitteln den Besuchern die Philosophie des Heilpflanzenpioniers Alfred Vogel. «Es gibt nichts so Heilendes wie einen Garten oder den Aufenthalt in der Natur», pflegen wir unseren Besuchern zu sagen.

Tag des offenen Heilpflanzen-Schaugartens
• Samstag, 14. Juni 2014, 10 bis 16 Uhr
• A.Vogel Heilpflanzen-Schaugarten Hätschen, 9053 Teufen AR
Remo Vetter und seine Familie freuen sich auf Sie!


Die Magie des Gartens

Unser Schaugarten gleicht ein wenig einem englischen Cottage-Garten. Das hat vermutlich mit der gestalterischen Ader von Frances zu tun, die ursprünglich aus Irland stammt.

Ramblerrosen erklimmen mehrstöckige Holzhäuser und überziehen diese jetzt im Juni mit ihrem Blütenschleier. In den grossen, mit Trockenmauern abgestützten Kräuterbeeten stehen alte Strauchrosen wie die wunderschöne weisse Damascener-Rose «Madame Hardy», die das würzige Aroma der Kräuter mit ihrem zarten, zitronigen Duft unterlegt. Daneben sitzen aprikosen- und zartrosafarbige dicke Rüschenpompons an den über zwei Meter hohen englischen «Hollyhocks», gefüllten Stockrosen.

Grosse Salbeibüsche lassen ihre dunkelblauen Blütenrispen über dem silbern behaarten Laub tanzen und neigen sich am Hang hinunter zu den über die Trockenmauer wogenden zarten Rispen des Lavendels. Im Halbschatten einer Rose steht anmutig eine Gruppe von Fingerhüten. Die roten Sonnenhüte strecken ihre stachligen Samen mit den etwas abwärts geneigten purpurrosa Blütenblättern stolz in die Höhe, als würden sie sagen: «Uns hat der Garten seine Bedeutung zu verdanken.»

Literatur zum Thema Bodenfruchtbarkeit
• Hans-Peter Schmidt:«Terra Pretta», Oekon Verlag GmbH, 2013, Fr. 29.90
• Annie Francé-Harrar: «Die letzte Chance eine Zukunft ohne Not», Blue Anathan, 2011, ca. Fr. 55.–

Insekten- und Augenweide

Im Kräutergartenteil sind die Beete mit Lärchenholzbrettern eingefasst. Auf den mit Holzhäcksel bestreuten Wegen geht es sich angenehm, wie auf einem Waldboden. Verschiedene Minzen wetteifern hier mit ihren frischen Aromen um die Gunst der vielen Insekten. Die einen mit mediterranem Zitronenduft, andere mit einem Hauch von Orange oder Ananas oder reifem Apfel. Die Marokkanische Minze wiederum birgt mit ihrem frisch-kühlen Aroma das Geheimnis orientalischer Hausgärten.

Mit eher wenig Duft, dafür mit einer geballten Ladung Heilkraft wartet der Gemeine Beinwell auf. Mit seinen zarten Blütenglocken in Rosa und Violett ist er eine Insekten- und Augenweide. Der Diptam mit seinen blass rosafarbenen, purpurrosa geaderten Blütenblättern  irtet mit einem Schwalbenschwanz, der ihn lange umflattert, sich dann aber zu einer Nektarmahlzeit auf dem Fenchel niederlässt.

Gartenarbeiten im Juni
Oft ist der Juni noch schöner als der Wonnemonat Mai. Die Rosen erleben ihr erstes Blütenfest und überall duftet es. Frisch gepflückte Erdbeeren, Erbsen, Spargeln und Salate bieten wahre Gaumenfreuden. Doch die meisten Gartenpflanzen sind noch klein und erfordern unsere Aufmerksamkeit. Und mit der Sonnenwende beginnt bereits die Anzucht des Herbstgemüses.
Ziergarten

• Stauden wie Rittersporn, Karthäusernelke, Feinstrahl, Lupine und Katzeminze nach der Blüte auf ca. 10 cm über dem Boden zurückschneiden. So blühen viele im Spätsommer ein zweites Mal. Wer Iris erhalten will, teilt nach der Blüte alte Horste.
• Auch einjährige Sommerblumen blühen erneut, wenn Verblühtes regelmässig entfernt, die Samenbildung vermieden und ausreichend gedüngt wird.
• Verblühte Polsterstauden wie Blaukissen oder Gänsekresse zurückschneiden, damit die Pflanzen kompakt bleiben.
• Blütensträucher und Gehölze wie Flieder, Forsythie oder Schneeball, die im Frühjahr am einjährigen Holz blühen, nach der Blüte zurückschneiden. Hecken bleiben dicht, wenn diesjährige Triebe Ende Juni eingekürzt werden.
• Für Wasser- und Sumpfpflanzen ist jetzt günstige Pflanzzeit. Unterwasserpflanzen produzieren Sauerstoff, binden Nährstoffe und bremsen so die Algen.
• Rasen regelmässig mähen. Bei andauernder Trockenheit abends einmal wöchentlich ausgiebig wässern. Während einer Feuchtwetterperiode düngen.
Nutzgarten

• Sonnenwarmer Boden ist die beste Voraussetzung für die Saat von Busch- und Stangenbohnen. Bei ungünstiger Witterung Stangen- und Spargelbohnen geschützt vorkeimen, danach als kleine Pflänzchen mit Startvorteil auspflanzen.
• Gestaffelt werden weiter Radieschen, Sommerrettich, Karotten und Salate gesät. Frasslöcher der Erdflöhe an den Blättern sind lästig. Erdflöhe meiden feuchte Böden und werden vertrieben von Salat, Spinat und Holunder. Deshalb anfällige Pflanzen in Mischkultur mit Salat pflanzen, den Boden gleichmässig locker und feucht halten und mit Salat-, Spinat- oder Holunderblättern mulchen. Auch Pflanzenbrühen aus Rainfarn oder Wermut vertreiben die Plagegeister.
• Alle vorgezogenen Kräuter und Sommergemüse wie Tomaten, Melonen, Kürbis, Kohlarten, Kürbis, Kohlrabi, Zucchini, Patisson und Lauch auspflanzen.
• Nach der Sonnenwende werden Herbstgemüse wie Zuckerhut, Endivie, Herbstfenchel, Winterlauch, Radicchio und Chinakohl in Schalen gesät.
• Die Spargel- und Rhabarberernte wird nach Johanni (24. Juni) beendet. Die Pflanzen erhalten Dünger und Zeit für Wachstum und reichen Ertrag im Folgejahr.
• Frei gewordene Beete nie brach belassen. Gründüngung (z. B. Buchweizen, Tagetes, Phacelia, Senf) ist rasch ausgebracht und auch rasch wieder entfernt.
• Bohnen, Kohl und Lauch werden angehäufelt. Diese und andere Pflanzen mit hohem Nährstoffbedarf mit Kompost und stickstoffbetonter Düngung versorgen.
• Tomaten regelmässig wässern, Seitentriebe ausbrechen und den Boden mit Mulch abdecken.
• Kräuter regelmässig ernten. Basilikum, Dill, Gewürz-Fenchel und Minze regelmässig auf Seitentriebe zurückschneiden, damit daraus zarte Zweiglein nachwachsen.

Der gesunde Boden

In unserem Garten wachsen viele mediterrane Pflanzen, etwa Tomaten, Feigen und  Mirabellen. Angesichts der Höhenlage erstaunt das viele Besucher. Der von der Sonne beschienene Südhang mit grandiosem Blick über Teufen auf das Alpsteinmassiv und den Säntis mag ein Grund sein. Für mich liegt das «Geheimnis» jedoch in einem gesunden Boden mit hochaktivem Bodenleben.

Über die Jahre haben wir den Boden mit Gründüngungen, Kompost und Giessen von Kräuterauszügen aus Brennnesseln und Beinwell so weit gepflegt, dass er heute wunderbar locker und tiefschwarz den Pflanzen ein gesundes Wachstum ermöglicht. Unsere Philosophie ist beeindruckend einfach. «Auf einem gesunden Boden wachsen gesunde Pflanzen und diese erhalten uns gesund.»

Und so räkeln sich Rosmarin, Verveine, Zitronengras, Lorbeer, Fenchel und Artischocken wohlig in der Sonne, auf einer Höhe und in klimatischen Verhältnissen, die das eigentlich gar nicht zulassen. 

Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen (AR) tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräuter garten von A. Vogel hegt.

Fotos: zvg, thinkstock.com

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