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Die gute Erde

Kategorie: Natur
 Ausgabe 10 - 2008 - 01.10.2008

Text:  Kurt Forster

Die schönsten Blumen, die grünsten Salate, die süssesten Beeren und die knackigsten Gemüse aus dem eigenen Garten sind der Stolz jedes Gartenbesitzers. Besonders belohnt wird, wer die hohe Kunst des Kompostierens beherrscht.

Jahr für Jahr erwarten Gärtner und Gärtnerinnen eine gesunde, vitaminreiche Ernte. Dass aber von nichts nichts kommt, wissen sie alle – und das gilt besonders für den Gemüsegarten. Konkret heisst das: Der Boden muss locker und humusreich aufbereitet sein, um seine Fruchtbarkeit zu bewahren.

Würmer, Milben, Insektenlarven, Bakterien, Pilze, Fadenwürmer und Springschwänze bereiten im Lauf der Jahre ohne menschliches Zutun einen lockeren, humusreichen Boden auf.Würmer öffnen Poren im Erdreich und ermöglichen so das Atmen. Gute, gesunde Erde muss Luft und Feuchtigkeit enthalten. Das Wunderwerk Boden verträgt keinen Druck! Die Bodenbearbeitung mit schweren Landwirtschaftsmaschinen führt zur Zerstörung seiner feinen Strukturen. Diese Verdichtung führt zu Einbussen beim Wachstum, fördert die Bodenerosion und ist schliesslich ein Faktor, der in regenreichen Jahreszeiten Überschwemmungen mitverursacht.

Die bequeme Art des Düngens

Ganz anders arbeitet die Natur. Sie gibt sich im Herbst mit den fallenden Blättern ein den Boden isolierendes, schützendes Winterkleid. Das Mulchen ist das Vorbild für die Flächenkompostierung. Dabei wird der Boden mit einer zwei bis drei Zentimeter dicken Laubschicht abgedeckt. Geeignet sind aber auch Grünabfälle, Kompost, Rindenprodukte, Rasenschnitt, Mist und Ähnliches. Mulchen ist die natürlichste und bequemste Methode, um für eine sanfte Düngung zu sorgen.

Während der Wintermonate dient das Herbstlaub als Nahrung für die vielen Würmer, die dafür fruchtbare Wurmkothäufchen liefern. Dank der emsigen Erdarbeiter ist im Frühling alles ohne herbstlichen Aufräumfimmel beseitigt.
Dieses Prinzip lässt sich auch im Gärtneralltag anwenden. Bei der Rüebli-,
Fenchel- oder Randenernte werden die Blätter abgedreht und gleich wieder auf
das Beet gelegt. Diese einfache Technik schützt den Boden vor dem Austrocknen,
ernährt zugleich die Bodenlebewesen auf sanfte Weise und isoliert die abgedeckte Erde gegen Kälte.

Mulchmaterial vom Weiher

Ist man Besitzer eines Gartenteiches, so fällt eine reiche Ernte von Wasserpflanzen und Wasserrandpflanzen an. Mit den echten, untergetauchten Wasserpflanzen wie Wasserpest, Tausendblatt oder Hornblatt wird am besten direkt gemulcht. Das hat zwei Vorteile: Die Wasserpflanzen werden rasch abgebaut und es werden keine Unkrautsamen auf die Gemüsebeete geschleppt.
Trockene Wasserrandpflanzen wie Schilf, Binsen oder Seggen werden vor dem Ausbringen auf die Beete gehäckselt. Dieses trockene, eher spitzige Material
wird von den Schnecken nicht geschätzt und schützt frische Setzlinge vor den fressfreudigen Weichtieren.

Das richtige Kompostmaterial
• Auf den Kompost gehören: Rüstabfälle von Gemüse, Früchten und Salaten, Tee- und Kaffeesatz, zerkleinerte Eierschalen, Mist von Pflanzenfressern (Hasen, Hühner, Pferde, Kühe), Holzasche von unbehandeltem Holz, Laub, Rasenschnitt, Häckselmaterial, Stroh, unbedrucktes Papier oder Karton, Jätgut und Sägespäne, Speisereste und verdorbene Lebensmittel, Federn und Haare, gehäckselte Wasserrandpflanzen (Schilf, Binsen, Seggen). Zur optimalen Kompostierung wird das Material zerkleinert.
• Fragwürdig sind: Schalen von Bananen und Zitrusfrüchten (Pestizidrückstände), Schnittblumen aus fernen Ländern, Fleisch- und Fischabfälle (benötigt Schutz wegen Füchsen, Ratten, Mardern und Katzen).
• Darauf ist zu verzichten: mit Schadstoffen belastete Materialien wie der Inhalt von Staubsaugersäcken, Asche von behandeltem Holz, farbiges Papier, Glas, Steine und Plastik, erkrankte Pflanzen (Kohlhernie, Feuerbrand), Hunde- und Katzenkot, zähe Wurzelunkräuter, Öle und Fette.

Braunes Gold

Starkzehrern wie Kohlgewächsen, Sellerie, Tomaten, Gurken und Kürbissen genügt die Versorgung, durch das Mulchen nicht. Sie brauchen kräftigere Kost. Auf diese Beete kommt angereicherter Kompost. Alle Abfälle aus Küche und Garten dienen als Ressource für den Kompost. Es gibt keine unverwertbare
Garten- und andere Grünabfälle, alles ist Wertstoff für einen guten Kompost. In jedem Haushalt fällt zudem von Kaffeesatz über Salatreste bis hin zu Kartoffelschalen laufend kompostfähiges Material an. Aus diesen Ressourcen
entsteht ein wertvoller Kompost («Natürlich» 4-07).

Der Kompost, das braune Gold, bringt Leben ins Erdreich. Unzählige verschiedene Bakterien, Pilze, andere Mikroorganismen und vor allem die Kompostwürmer bauen die Gartenabfälle ab, wobei der Ausdruck «Abfall» natürlich falsch ist, denn es sind wertvolle Rohstoffe, die wieder in den Kreislauf zurückgebracht werden. In dünnen Schichten ausgebracht, bringt Kompost wichtige Nährstoffe ins Erdreich. Die fruchtbare Humusschicht wird so jedes Jahr vermehrt.

Die richtige Komposttechnik

Wo soll der Kompost liegen und welche Kompostform ist die richtige? Den Reduzenten, den Abbauern im Kompost, gilt es optimale Lebensbedingungen zu schaffen. Sie lieben es feucht, aber nicht zu nass, nicht verdichtet und schön warm, damit die Abbauprozesse schneller ablaufen. Das Ganze sollte aber nicht der prallen Sonne ausgesetzt sein. Idealerweise liegt der Kompostplatz im Halbschatten und nicht zu weit von Küche und Gemüsebeeten entfernt, um unnötige Transporte vermeiden zu können.

Das einfachste System ist der Komposthaufen, als «verlängerte» Variante davon die Kompostmiete. Haufen und Miete wird mit Rasenschnitt oder einem Kompostvlies geschützt. Besser sind mit schwarzer Lochfolie ausgekleidete
Kompostgitter oder Holzboxen – und noch schnellere und bessere Resultate
erreicht man mit den raffinierten, doppelwandigen, Thermokompostbehältern
mit Klappdeckeln. Der Kompost wird so einerseits vor zu viel Regen geschützt, andererseits bleibt er immer leicht feucht.

Eine hervorragend wirksame Form ist auch das Doppelkammersystem: Direkt neben einem bestehenden Komposthaufen wird ein zweiter neuer aufgebaut. Dies bietet Mikroorganismen und Würmern, wenn sie ihre Tätigkeit abgeschlossen haben, die Möglichkeit, in den neuen Haufen zu wechseln. Selbst auf einem kleinen Balkon lässt sich dieses Zweikammersystem mit einer Styroporbox, die durch ein grobmaschiges Gitter in zwei Teile getrennt wird,  anwenden.

Eine gute Lage für den Kompost ist die Nordwand eines Gewächshauses, sofern sie gemauert ist. An dieser warmen, geschützten, schattigen Lage, liegt der Kompost gleich am richtigen Ort.

Aufbau, Impfung und Reife

Wer möchte, kann den Komposthaufen im Garten auch tarnen oder schmücken. Früher lag der Kompost unter dem Holunderbaum oder war mit Kürbispflanzen überwachsen. Der Kompostfuss ist ein ausgezeichneter Platz für Kürbispflanzen. Sie danken für den nährstoffreichen Platz mit üppigem Blattwerk, das den Haufen überdeckt. Eine andere Möglichkeit ist, den Kompost mit wuchernden Kiwis zu beschatten. Mit Spalieren kann man diese Winder optimal leiten.

Am besten baut man den Kompost im Wechsel dreischichtig auf. Auf den Boden kommt zuerst eine dickere Lage gehäckseltes Material aus Hecken- und Baumschnitt oder abgeerntetem Schilf, Binsen oder Seggen vom Weiher. Als nächste Schicht folgen Küchenabfälle und dann eine Schicht Tiermist mit Stroh. Ob dazu Rinder-, Pferde- oder Kleintiermist von Hasen oder Hühnern verwendet wird, spielt eine untergeordnete Rolle.  Jede neue Schicht wird mit Steinmehl überpudert. Das verhindert Geruchsbildung und bringt mineralische Spurenelemente in den Kompost. Selbstverständlich muss das Ausgangsmaterial mit den Abbauern, den Würmern und Bakterien, «geimpft» werden. Als Katalysatoren dienen zwei, drei Schaufeln frischer Kompost, die in den neuen Haufen eingebracht werden. Die Impfung mit Spezialprodukten wie EM-Technik (effektive Mikroorganismen), Kompostbeschleuniger, oder Steiner’sche Präparate ist ebenfalls denkbar. Einmaliges Umschichten des Kompostes ist auch förderlich.

Je wärmer es ist, desto schneller laufen biologische Prozesse ab. Als Faustregel gilt: Kompost reift bei 20 Grad rund doppelt so schnell wie bei 10 Grad. Starkzehrer wie Tomaten, Kürbisse, Gurken oder Kohlgewächse wünschen sich Frischkompost mit hohem Düngwert. Für weniger nährstoffbedürftige Pflanzen oder zur Anzucht von Jungpflanzen ist dagegen ein gut ausgereifter Kompost die richtige Wahl. Ausgereifter Fertigkompost riecht nach Walderde. Er wird in Lagen von ein bis zwei Zentimetern ausgebracht.

Wertvoller Rasen-, Hecken- und Baumschnitt

Oft beobachtet man in Einfamilienhausquartieren am Strassenrand zum Abtransport bereitstehende Säcke mit Grünmaterial. Diese Entsorgung ist weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll. Das biologisch wertvolle Schnittmaterial wegzukarren, belastet die Umwelt und das Portemonnaie. Ausserdem fehlt dann dieses Material beim Bodenaufbau.

Heckenschnitt ist gehäckselt ein gutes Material für den Kompost. Schichtweise auf den Kompost gestreut, sorgt es für Lockerheit und bringt Kohlenstoff in den Kompost. Das Häckselgut ist auch ideal für den Aufbau eines Moorbeetes. Den Rasenschnitt bringt man am besten locker und in feinlagig als Mulchmaterial direkt auf die Gemüsebeete oder in dünnen Schichten in den Kompost.

Ein kleines Moorbeet

Heidelbeeren, Preiselbeeren, Cranberries, all die leckeren Kleinbeeren aus Heide und Wald liefern besonders viele Vitamine und vor Krankheiten schützende Spurenelemente. Am besten wachsen sie auf einem sogenannten Moorbeet.

Muss irgendwo im Garten ein Baum, zum Beispiel eine Tanne, gefällt werden oder steht sonst viel Holzschnitt zur Verfügung, so ist dies der ideale Zeitpunkt, ein Moorbeet aufzubauen. An der vorgesehenen Stelle wird eine flache Grube von etwa 10 bis 20 Zentimeter Tiefe ausgehoben. Bei sehr kalkhaltigem Untergrund wird der Boden der Grube mit einer Folie bedeckt. Dann wird das Beet mit dicken Baumstücken eingefasst. Auf den Boden kommen die abgeschnittenen Äste. Anschliessend wird das Ganze mit Häckselmaterial gefüllt und mit einigen Schaufeln Waldboden geimpft. Da das frisch eingefüllte Material zuerst noch Abwehrstoffe gegen Pilze besitzt, dauert es ein halbes Jahr, bis das Moorbeet bepflanzt werden kann. Am besten bereitet man das Moorbeet im Herbst vor und bepflanzt es im Frühling. So lassen sich im Sommer schon erste Beeren ernten.

Wer beim Recycling noch einen Schritt weitergehen möchte, besorgt sich eine Komposttoilette. Im Handel gibt es raffinierte Anlagen, die kaum Geruch verströmen. Wer handwerklich begabt ist und ein geeignetes Gelände besitzt, kann sich selbst ein Toilettenhäuschen mit angegliederter Wurmfarm bauen.

Internet
www.kompost.ch
www.kompostberatung.ch
www.abfall.ch

Beratung
Kompostforum Schweiz, 4125 Riehen,
Telefon 076 399 19 53, forumwhatever@kompost.ch
VKS – Verband Kompostwerke Schweiz,  3053 Münchenbuchsee,
Telefon 031 858 22 24, infowhatever@kompostverband.ch, www.vks-asic.ch

Literatur

Hans-Jürgen Berger: «Kompostieren in der Tonne»,
Pala Verlag 1996, Fr. 18.90
Krafft von Heynitz: «Kompost im Garten»
Verlag Ulmer 2005, Fr. 18.90
Berger/Ladener: «Kompost-Toiletten»
Oekobuch Verlag 2008, Fr. 35.90

Bilder: © Kurt Forster, FOTOLIA

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