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Der schöne Maien

Kategorie: Natur
 Ausgabe_05_2014 - 01.05.2014

Text:  Remo Vetter

Alles neu macht der Mai. Gärtner können sich das Motto zu Herzen nehmen. Denn Hauptaufgaben im Mai sind das Aussäen und Pflanzen neuer Gewächse. Damit man ab Juni herzhaft ernten kann.

Bei mir im Garten hängt ein Schild mit der Warnung: «Nicht vor den Eisheiligen aussäen!» Das Schild ist nötig, weil ich oft ungeduldig war in den 30 Jahren, seit ich gärtnere – und weil ich es dann und wann noch immer bin. Gerade wenn uns der Vorfrühling so viele warme Tage schenkt wie dieses Jahr, lockt es mich in den Garten, und manchmal säe ich auch wider besseres Wissen das eine oder andere schon im März und April aus. Selber schuld, scheint der Blick meiner Frau dann zu sagen, wenn ich im Mai so manches erfrorene Pflänzchen ersetzen muss.

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Offiziell startklar in die neue Gartensaison machen wir uns also in den fünf Tagen der Eisheiligen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Kalte Sophie. Dieses Jahr enden diese oft frostigen Tage am Donnerstag, 15. Mai. Danach kann es so richtig losgehen im Garten.

Die Eisheiligen symbolisieren das Ende der kalten Frostnächte. Allerdings ist diese Bauernregel nicht immer so genau zu nehmen. Es ist durchaus möglich, dass es auch nach den Eisheiligen noch kalte Tage und frostige Nächte gibt. Aber tendenziell bleibt das Wetter ab diesem Zeitpunkt warm und stabil. Sollte die Wettervorhersage dann doch einmal kühlere Temperaturen vermelden, schütze ich meine sensiblen Pflanzen mit Vlies oder Folie.

Die richtige Gartenpflege

Die Pflanzen können nun also gepflanzt werden und die Direktaussaaten sollten schon bald keimen. Damit die jungen und noch zarten Pflänzchen auch eine längere Trockenperiode überstehen, muss man gegebenenfalls bereits giessen. Häufiges Hacken lockert den Boden und verlangsamt das Wachstum von unerwünschten Unkräutern.

In Zierbeeten zwischen Blumen und Stauden, aber auch in Nutzbeeten empfiehlt sich zudem das regelmässige Mulchen. Damit wird das Unkrautwachstum reduziert, Feuchtigkeit im Boden gehalten und langfristig dem Boden Humus zugeführt. Allerdings legen Schnecken gerne ihre Eier unter die Mulchschicht, weshalb diese gut im Auge behalten werden muss. Bei Bedarf kann sie umgedreht werden. In der Sonne sterben die Schneckeneier ab.

Im Mai gibt es viel Arbeit für Gärtner, vor allem im Nutzgarten. Radieschen, Pflücksalat, Zuckermais und Spinat werden direkt ausgesät, Bohnen bis spätestens Mitte Mai. Vorgezogene und gekaufte Pflanzen wie Tomaten, Salatgurken, Kohlrabi und Kopfsalat können nach den Eisheiligen ins Beet gesetzt werden. Selbst die temperaturempfindliche Paprika kann dann ins Freiland gesetzt werden.

Des Gärtners Gold

Sobald die Temperaturen steigen, beschleunigen die Mikroorganismen und Würmer im Komposthaufen ihre Arbeit. Um den Verrottungsprozess zu beschleunigen, ist es sinnvoll, den Kompost jetzt umzusetzen.

Die Düngung mit Kompost ist für den Hobbygärtner ein ideales und einfaches Mittel zur Gartenpflege. Die Zugabe von Kompost verbessert nicht nur die Bodenqualität, sie trägt auch zur Verminderung des Abfalls in Garten und Küche bei. Auf dem Komposthaufen wird der «Abfall» in wertvollen Humus umgewandelt. Auf den Kompost kommen Tee und Kaffeesatz, Eierschalen, Gemüseabfälle, Holzasche, mässig Gras- und Heckenschnitt sowie Haare und Nägel. Nicht auf den Kompost gehören kranke, gespritzte und behandelte Pflanzenteile wie Bananen-, Orangenund Zitronenschalen. Auch unerwünschte, Samen tragende Wildkräuter, Hausabfälle, gekochte Essensreste sowie Fleisch und Fäkalien kommen nicht auf den Kompost.

Gartenarbeit im Mai
Vorgezogene Kräuter wie Estragon, Majoran und Basilikum können nach den Eisheiligen in den Garten oder auf den Balkon umgesetzt werden.
• Viele Kräuter lassen sich ab Mai direkt ins Freiland aussäen: Basilikum, Majoran, Kerbel, Dill, Bohnenkraut, Kresse, Wermut, Kapuzinerkresse, Koriander, Maggikraut, Beifuss – die Auswahl ist gross. Je nach Bedarf sollten Sie die einjährigen Kräuter nachsäen. Wer alle drei bis vier Wochen aussät, kann den ganzen Sommer über frische Kräuter geniessen.
Vorgezogene Gemüsepflanzen wie Tomaten, Paprika, Knollensellerie, Kohlsorten und Buschbohnen nach den Eisheiligen ins Freiland umsetzen.
• Seit Februar vorgezogene Artischockenpflanzen können nun ebenfalls in den Garten gesetzt werden.
• Vorgezogene Auberginen können ins Freiland umgesetzt werden. Ab Ende Mai können Auberginen auch direkt ins Freiland ausgesät werden.
• Die meisten Aussaaten können nach den Eisheiligen direkt im Freiland vorgenommen werden: Salate, Rüebli, Radisli, Rettich, Randen, Zucchini, Blumen- und Rosenkohl, Stangenund Buschbohnen, Fenchel, Schnittsellerie.
• Wenn nicht schon im April gemacht, sollten Sie Anfang Mai Brokkoli direkt ins Freiland aussäen.
• Nach den letzten Frösten können Wirsing, Grün- und Weisskohl direkt ins Freiland gesetzt werden.
• Auch für Salat-, Schäl- oder Einlegegurken fallen einige Gartenarbeiten an: Anfang des Monats können Gurken im Warmen bereits vorgezogen werden, um sie dann nach den Eisheiligen ins Freiland zu setzen. Dieser Termin eignet sich auch, wenn man Gurken direkt ins Freiland säen will.
Mangold kann bereits seit April ausgesät werden. Es ist aber noch nicht zu spät.
• Der Mai ist der ideale Monat für das Ein- und Umpflanzen von Rhododendren.
• Der Mai ist auch ideal, um Rasen zu säen. Frisch gesäter Rasen sollte bei fehlendem Regen drei Mal die Woche gewässert werden. Ein Austrocknen würde das Wachstum verlangsamen oder den frischen Rasen zerstören.

Seinen Fleck Erden veredeln

Fruchtbare Erde ist das Gold der Zukunft. Wer einen Garten pflegt, sollte unbedingt kompostieren. Was es dazu braucht, ist etwas Platz an einem halbschattigen Ort. Ein guter Kompost stinkt zwar nicht, im Gegenteil, aber um eventuellem Ärger aus dem Weg zu gehen, sollte er nicht gerade unter dem Fenster des Nachbars angelegt werden.

Ist der Platz bestimmt, fehlen nur noch Kompostbehälter. Es gibt zahlreiche Versionen aus Kunststoff oder Metall. Den Dienst erfüllen aber auch einfache und günstige Gestelle aus Holz. Der Kompost sollte Kontakt zum Erdreich haben. Daher eignen sich geschlossene Kompostsysteme nur bedingt, da hier die im Boden lebenden Mikroorganismen und Kleinstlebewesen keinen direkten Zugang haben. Auch kann Wasser nicht ungehindert abfliessen; bei Staunässe aber dauert der Kompostiervorgang länger oder er wird durch Fäulnis sogar verhindert.

Ideal sind drei bis vier Kompostbehälter. Im ersten werden die Abfälle aus Küche und Garten gesammelt. Der zweite dient dem Aufsetzen des Komposts. Im dritten und vierten Behälter wird der fertige Kompost umgeschichtet, bis er gebraucht wird. Nicht jeder Gärtner hat Platz genug für ein solches System. Das ist nicht schlimm. Hobbygärtner kommen durchaus gut mit nur einem oder zwei Kompostbehältern aus.

Wer sät, der erntet

Im Idealfall wird der fertige Kompost schon im Herbst in die Erde eingearbeitet und nicht erst kurz vor dem Pflanzen nach den Eisheiligen. Wer das nicht gemacht hat, kann nun eine Gabe beigeben.

Nachdem die Pflanzen angewachsen sind, legen sie auch gleich los mit dem Wachstum. Wer im Mai fleissig ist, kann schon bald reiche Ernte einfahren, zum Beispiel Salate, Wirsing, Rüebli oder Blumekohl. Rhabarber ist schon erntereif. Es sollte nie die ganze Pflanze geerntet werden, da sie sonst viel an Kraft verliert. Alle zwei Wochen ein Drittel ist ideal.

Aber nicht nur der Nutzgarten kommt im Mai richtig in Fahrt. Auch der Zier- und Blumengarten erblüht in diesen warmen Tagen schnell. Endlich können wir Balkonund Kübelpflanzen aus dem Winterquartier nehmen und uns ihrer erfreuen.

Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen (AR) tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräutergarten von A. Vogel hegt.


Fotos: fotolia.com

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