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Curry: Basar der Gerüche

Kategorie: Garten
 Ausgabe_04_2014 - 01.04.2014

Text:  Vera Sohmer

Curry lindert Darmprobleme und bekämpft Entzündungen. Selbst luftig-leichte Desserts lassen sich mit der Gewürzmischung machen. Je nach Gusto mischt man sich sein Currypulver am besten selbst.

Europäer lieben Curry, da machen die Schweizer keine Ausnahme. Die Erfindung ihres früher heiss geliebten Riz Casimir hat wesentlich dazu beigetragen. Wie das Pulver auf unseren Kontinent kam, ist nicht sicher belegt. Könnte sein, dass die Engländer dafür verantwortlich zeichnen, brachten sie doch die Gewürzmischungen aus ihren Kolonien mit. Es waren auch die Engländer, die Begriffsverwirrung stifteten. «Curry» war auf einmal die Bezeichnung für ein Gewürzpulver und nicht mehr der Name für ein ganzes Gericht.

Wer die Mär in die Welt setzte, das Pulver sei höllisch scharf und nur für hartgesottene oder entsprechend geeichte Mitteleuropäer geeignet, ist nicht überliefert. Tatsache ist: Curry-Gewürzmischungen gibt es in ungezählten Variationen. In Indien hat nahezu jeder Haushalt sein eigenes Rezept. Die Mischungen können süss und sanft sein oder tatsächlich derart Feuer haben, dass es einem die Tränen in die Augen treibt.

Fruchtige Dessertcurrys

Auch in hiesigen Rezeptbüchern ist die Vielfalt an Currymischungen gross und bietet Überraschungen. Autorin Bettina Matthaei hat neben Rassigem einen feinfruchtigen Dessertcurry mit nur leichter Schärfe im Sortiment. Sie mischt dafür unter anderem zerkleinerte Orangenschalen, Kardamom, Zimt und Cayenne – bestens geeignet, um Bananensmoothies, Joghurtmousse, Mandelgebäck oder Trinkschokolade zu aromatisieren.

Aus bis zu 35 verschiedenen Gewürzen besteht Currypulver. Es selbst zu mixen, schafft daheim die Stimmung eines orientalischen Basars: So leuchtend die Farben, so intensiv die Gerüche! Kurkuma, auch Gelbwurz genannt, ist eine der wichtigsten Zutaten. Deren feinherbes und leicht pfeffriges Aroma ist massgeblicher Geschmacksträger und sorgt für die typisch gelbe Farbe. Wichtige Elemente vieler Currymischungen sind darüber hinaus Bockshornklee, Kreuzkümmel und Koriandersamen.

Diese «Basics» lassen sich ergänzen, je nachdem, wofür man die Gewürzmischung verwenden will und was einem schmeckt. Safran beispielsweise passt zu pikanten wie zu süssen Gerichten. Macis (Muskatblüte) macht sich gut in Kompott und Chutneys. Der würzige Schwarzkümmel darf in der bekannten bengalischen Mischung Panch Phoron nicht fehlen. Und für ordentlich Schärfe sorgen Chiliflocken und -kernen. Gewürznelke und Sternanis sollte man dagegen immer sparsam dosieren, sonst überdecken sie die anderen Nuancen.

Wussten Sie, dass...
... der englische Begriff «Curry» auf das südindische Wort «kari» zurückgeht? Dieses ist nach Angaben der Buchautorin Beatrice Aepli von «karei» abgeleitet, der Bezeichnung für den speziellen Topf, in dem Currygerichte schmoren.
... man in Indien, wenn von Currys die Rede ist, nicht die Gewürzmischung, sondern Currygerichte meint? Sie sind mit Eintöpfen vergleichbar und können Fleisch, Fisch, Huhn oder vielerlei Gemüse enthalten.
... man in Indien jene Gewürzmischungen, die für Currys verwendet werden, Masalas nennt? Je nach Region unterscheidet sich deren Zusammensetzung. Die Mischung kann mild und süsslich oder pikant und scharf sein. Bekannt ist Garam Masala, übersetzt «heisses Gewürz». Die Mixtur ist braun wie Tabak und enthält unter anderem Gewürznelken, Kardamom, Kreuzkümmel, Muskatblüte, schwarzen Pfeffer und Zimt.
... Currymischungen gesund sind?
Sie fördern die Verdauung, regen die Blutzirkulation im Bauch an, stimulieren die Leberfunktion. Die Wirkung variiert freilich, je nach Inhalt der Mischung. Fenchel löst Bauchkrämpfe, Tamarinde soll gut sein für die Nieren, Ingwer wärmt und belebt den Kreislauf, frische Chilischoten haben reichlich Vitamin C. Empfindliche sollten aber zurückhaltend dosieren. Zu viel des Guten kann die Magenschleimhaut reizen und Durchfall verursachen.

Modern getrimmt

Eine Currymischung sollte ein Gericht nie übertönen, findet Matthaei. Sie sollte «harmonisch ergänzen, raffiniert begleiten oder frech betonen». Auf die richtige Dosis und gut aufeinander abgestimmte Zutaten kommt es an. Mit diesen Grundsätzen lassen sich Experimente wagen: Der deftige Schweinebraten bekommt mit der Curryaprikosensosse eine fruchtig-exotische Note. Und die gute alte Kohlroulade wird nicht mit dem üblichen Hackfleisch gefüllt, sondern mit zerkleinertem Tofu oder Hähnchen, das mit erfrischendem Limettencurry gewürzt ist.

Die Beispiele zeigen: Curry ist weit mehr als Riz Casimir. Wobei sich der Küchenklassiker aus den 1950er-Jahren heute kaum noch auf den Menükarten findet. Zumindest nicht in seiner Urform mit Fruchtsalat aus der Dose. Dafür gibt es Neuinterpretationen, die Appetit machen: Man kann das Pouletfleisch in einer mit Zitronengras und Ingwer angereicherten Currymischung anbraten, Mangowürfel und Rahm beigeben, und das Ganze mit Korianderpulver abschmecken. Duftender Jasminreis rundet den modern getrimmten Klassiker köstlich ab.

Buchtipps
• Bettina Matthaei: «Curry raffi niert und kreativ», Fona Verlag, 2009, Fr. 39.90
• Beatrice Aepli: «Curry», Fona Verlag, 2012, Fr. 14.90

Fotos: Fotos: photothek.net, fotofinder.com

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