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Osterglocken auf dem Mont Soleil

Kategorie: Natur
 Ausgabe_04_2014 - 01.04.2014

Text:  Sabine Joss

Von Blütenpracht zu Blütenpracht wandern wir durch den Montagne du Droit. Dabei erkunden wir die Überreste eines Meteoriteneinschlages – und die grösste Windkraftanlage der Schweiz.

Vom Bahnhof St. Imier führen die Wegweiser durch die rechtwinklig angelegten Gassen und an kubischen, mehrstöckigen Wohnhäusern vorbei. Diese Häuser wurden fast alle Ende des 19. Jahrhunderts gebaut, als die Uhrenindustrie ihren Höhepunkt hatte und viel Wohnraum für die Arbeiter nötig war. Heute stehen die meisten Wohnungen leer.

Der Mont Soleil ist mit seiner Höhe von 1288 Meter über Meer der höchste Gipfel in der langen Jurafalte der Montage du Droit. Auf der anderen Talseite erhebt sich die noch höhere und gleichzeitig südlichste Falte, die Chasseralkette.

Mächtiger Krater

Nach wenigen Minuten durch den frisch ergrünenden Alpenheckenkirschenbuchenwald mit Stinkender Nieswurz am Wegrand erreichen wir den Rand des mächtigen Champ Meusel: ein fast kreisrunder Kessel mit etwa 300 Meter Durchmesser – der grösste erhaltene Überrest eines Meteoriteneinschlags in der Schweiz. Wer möchte, kann auf einem Waldweg im Krater eine Runde drehen, vorbei an Hohlknolligem Lerchensporn oder der Frühlings-Platterbse.

Etwas steiler steigt dann der Weg durch die Waldflanke hinan in Richtung Le Sergent. Im flacheren Gelände lichtet sich der Wald und wir kommen an ersten Osterglocken vorbei. Erwischt man den richtigen Zeitpunkt, wandert man kurz vor Le Sergent bereits durch leuchtende Felder voller dicht blühender Osterglocken.

Alternative: Standseilbahn

Bei P. 1220 biegen wir rechts ab und folgen nun dem Erlebnispfad «Sentier découverte Mont Soleil – Mont Crosin». Hierher gelangt man auch, wenn man, statt hinaufwandern, mit der Standseilbahn auf den Mont Soleil fährt und, von der Bergstation aus, dem Erlebnispfad folgt. Auf dieser Variante begegnet man schon von Anfang an immer wieder Osterglocken. Man verpasst zwar den Meteoritenkrater, kann dafür aber eine andere geologische Erscheinung gut beobachten. In einem Tälchenbei Le Bardeau reihen sich mehrere Dolinen aneinander, eine der typischen Karsterscheinungen des Juras: trichterförmige Vertiefungen im zerklüfteten Kalkuntergrund. Durch Korrosion und Erosion bilden sich diese Trichter, in denen das Regenwasser verschwindet und durch ein unterirdisches, weitverzweigtes Gewässernetz ins Tal fliesst.

Mildere Gefilde

Auf dem «Sentier découverte Mont Soleil – Mont Crosin» erreicht man bald die Windkraftwerke des Mont Crosin. Die zarten Osterglocken vor den mächtigen Windturbinen ergeben ein fast surreales Bild. Die 16 Turbinen bilden die grösste Windenergieanlage der Schweiz. Sie produzieren pro Jahr etwa 40 Millionen Kilowattstunden (kWh) Strom. Das deckt den Jahresbedarf von 9000 Haushalten (Kategorie H4). Neben der Stromerzeugung dient die Anlage auch der Erforschung und Entwicklung dieser umweltfreundlichen Stromproduktion.

Wir überqueren nun die Passstrasse, die St. Imier mit Tramelan und Les Breuleux verbindet und wandern sanft absteigend durch den Wald mit weiss blühendem Fiederblättrigen Zahnwurz nach Croix du Ciel und Le Piémont. Auf dem südexponierten Weiden blühen die Osterglocken früher als oben auf dem Rücken mit rauerem Klima und sind deshalb je nach Zeitpunkt der Wanderung schon verwelkt.

Unterhalb von Le Piémont überquert der Wanderweg ein Natursträsschen. Bevor man weiter absteigt, lohnen sich einige Schritte diesem Strässchen entlang gegen Osten. Auf einer Magerwiese blüht hier zahlreich das Kleine Knabenkraut. Der weitere Abstieg auf dem Wanderweg führt nach Courtelary. Je nach Windrichtung und Produktionstag schwebt ein Duft von Schokolade in der Luft: Das ehemalige Uhrenstädtchen ist heute bekannt als Sitz der Schokoladenfabrik Camille Bloch.

Das Wanderbuch «Blütenwanderungen in der Schweiz» ist als Leserangebot zu einem Vorzugspreis erhältlich.

Blütenwanderung
Verlauf
St. Imier – Mont Crosin – Croix du Ciel – Courtelary
Charakter
Es ist eine leichte Wanderung auf guten Pfaden mit 460 m Auf- und 570 m Abstieg. Im Aufstieg gibt es ein paar steile Abschnitte. Höhepunkt sind die zahlreichen, teilweise seltenen Blumen, die den aufmerksamen Wanderer erfreuen. Aber auch der Meteoritenkrater und die grösste Windenergieanlage der Schweiz sind beeindruckend.
Wanderzeit
zirka 4 ½ h
An- und Abreise:
Mit der Bahn nach St. Imier und eventuell mit der Standseilbahn auf den Mont Soleil (Variante). Von Courtelary mit der Bahn nach Hause.
Route
Vom Bahnhof St. Imier zum Meteoriteneinschlag Champ Meusel. Dann weiter Richtung Le Sergent. Bei P. 1220 dem Erlebnispfad «Sentier découverte Mont Soleil – Mont Crosin» folgen bis zu den Windkraftwerken des Mont Crosin. Die Passstrasse überqueren und weiter nach Croix du Ciel und Le Piémont. Dann runter nach Courtelary, wo uns Schokoladenduft empfängt.

Fotos: swiss-image.ch/Gerry Nitsch, fotolia.com, Fotos: Fredy Joss/AT Verlag

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