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Über dem Nebelmeer

Kategorie: Natur
 Ausgabe_02_2014 - 23.01.2014

Text:  Text und Fotos: Heinz Staffelbach

Wenn Grau das Mittelland beherrscht, ist es Zeit für eine Winterwanderung oder eine Schneeschuhtour über dem Nebelmeer. Zum Beispiel hoch über dem Vierwaldstättersee.

Der erste Versuch. «Über dem Mittelland Hochnebel, darüber in der ganzen Schweiz sonnig.» Wunderbar! Die Luftseilbahn surrt von Beckenried los. Wie prognostiziert in den dicken Nebel. Ein paar Minuten später sind wir über dem Nebelmeer. Aber dann: fragende Blicke in der Kabine. Eine dunkle, stellenweise fast schwarze Wolkendecke überzieht den Himmel.

Kein Problem. Es gibt kein schlechtes Wetter. Nur falsche Prognosen.

Die Winterwanderung von der Klewenalp auf die Stockhütte ist präpariert und markiert, sollte also auch im Nebel zu schaffen sein. Und falls es schneit und hudelt, gibts ja auch noch das «Tannibüel» am Weg, wo es eine heisse Suppe gibt.

Aber heute lichtet sich der Himmel doch noch. Nun zaubern Wolkenfetzen, Nebelschleier und frisch mit Schnee verpackte Tannen eine wunderbare Stimmung in diese Nidwaldner Bergwelt hoch über dem Vierwaldstättersee.

Der zweite Versuch. «Über dem Nebel vorwiegend sonnig.» Dieses Mal fahre ich auf die Stockhütte. Die kleinen Gondeln schweben durch die weisse Suppe. Dann halten sie. Wir sind oben. Die Sichtweite beträgt etwa 20 Meter.

Es gibt kein schlechtes Wetter. Nur falsche Erwartungen.

Zuerst ein Mittagessen im Restaurant, dann lichtet sich die Sache bestimmt. Tut sie nicht. Nochmals wandere ich auf der gleichen Strecke wie vor zwei Wochen auf die Klewenalp. Mehr als ein paar schemenhafte Baumgruppen im Nebel ist nicht sichtbar. Morgen wird es sicher schön sein.

Für Winterwanderer gibt es mit der machbaren Strecke Emmetten–Stockhütte–Klewenalp eine schöne Route, den Rückweg wird man aber auf derselben Strecke zurücklegen.

Erst der Grat – dann die Pause

Mehr Möglichkeiten zum Variieren bietet das Gebiet für Schneeschuhläuferinnen. Mit dem Aufstieg von Emmetten auf die Klewenalp am ersten Tag, abwechselnd durch Waldabschnitte und Lichtungen, und mit einer Besteigung des Glattegrates und dem Abstieg nach Niederrickenbach am zweiten Tag hat man Aussicht auf ein erfülltes Wochenende. Der Glattegrat zwischen dem Brisen und dem Risetenstock ist dabei der Höhepunkt, wie der Name vermuten lässt, ein schnurgerader Gratabschnitt. Vor oder nach der Besteigung kann man bequem im Brisenhaus eine Pause machen und sich aufwärmen und stärken.

Was es auf der Klewenalp leider nicht gibt, ist das abgelegene Wohlfühl-Berghaus mit komfortablen Zimmern. Immerhin stehen aber doch drei Unterkünfte zur Verfügung.

Gleich bei der Bergstation der Luftseilbahn liegt das Berggasthaus Panorama. Im Hauptgebäude befindet sich das Restaurant, die Zimmer und Lager sind im Gebäude der Luftseilbahn untergebracht. Zehn Minuten von diesem «Zentrum» entfernt, am Rande einer Skipiste, liegt das urchigere Berggasthaus Klewenstock mit einigen einfachen Zimmern und einem Lager.

Am nächsten am Busen der Natur ist schliesslich das ebenfalls innerschweizerisch-urchige Tannibüel – leider hat es aber zurzeit neben dem Lager nur ein Zimmer. Die Stockhütte liegt ebenfalls bei der Bergstation der Luftseilbahn und bietet wie das Berggasthaus Panorama eine wunderbare Aussicht.

Geologischer Exkurs

Weiss man beim Wetter oft nicht, was kommt, ist es bei der Geologie klarer – alles ist schon passiert und hat sich gesetzt. Kompliziert kann es aber allemal sein. Etwa auf der Klewenalp. Hier treffen nämlich zwei ganz unterschiedliche geologische Einheiten aufeinander. Das Gebiet um den Klewenstock und die Stockhütte besteht aus Sedimenten, die im Erdmittelalter in der Mitte des Urmittelmeeres an den tiefsten Stellen abgelagert wurden. Sie gehören zu den sogenannten penninischen Decken, die in der Schweiz charakteristisch für das Wallis sind. Die südlich folgenden höheren Berge wie der Schwalmis, der Risetenstock und der Brisen bestehen hingegen aus Sedimenten, die am Nordrand des Urmittelmeeres abgelagert wurden und die zu den helvetischen Decken zählen und typisch sind für die nördlichen Voralpen.

Endlich Sonne

An den ebenen, stufigen Hängen an dieser Bergkette kann man aufeinanderfolgende Schichtenpakete gut erkennen. Bei der Alpenfaltung wurden die helvetischen Decken unter die penninischen gequetscht, sodass letztere schliesslich obenauf lagen. An den meisten Orten in der Schweiz wurde diese «penninische Kappe» später wegerodiert. Mit einigen Ausnahmen, wie eben dem Klewenstock. Als isolierte Gesteinspakete nennt man sie heute Klippen – es sind quasi kleine Brocken Wallis, die auf den Voralpen liegen.

Gott sei Dank. Am zweiten Tag strahlt die Sonne am tiefblauen Himmel. Herrlich! Und die Wetterfrösche hatten also doch noch Recht.

Das Wanderbuch «Wandern und Geniessen im Winter» ist als Leserangebot zu einem Vorzugspreis erhältlich.

Hoch über dem Vierwaldstättersee
• Charakter
Die Winterwanderung von Emmetten auf die Klewenalp ist vor allem im oberen Teil sehr schön. Schneeschuhläufer kommen mit einem recht steilen Aufstieg auf den Glattegrat zu alpinem «Feeling».
• Die Schneeschuhtour
Anfahrt und Ausgangspunkt: mit Zug und Postauto nach Emmetten Post.
1. Tag: Klewenalp bis Berghaus Tannibüel auf 1520 m (zu den anderen Berghäusern ist es etwa 20 Minuten weiter). Länge 8,2 km, 780 m Aufstieg, 3 Std., technische Schwierigkeit: einfach bis mittel.
2. Tag: Glattegrat bis Niederrickenbach (Luftseilbahn zum Bahnhof Niederrickenbach Station). Länge 10,5 km, 650 m Aufstieg, 1010 m Abstieg, 5 Std., technische Schwierigkeit: anspruchsvoll.
• Die Winterwanderung
Anfahrt und Ausgangspunkt: mit Zug und Postauto nach Emmetten Post.
1. Tag: Klewenalp bis Berghaus Tannibüel. Länge 10 km, 800 m Aufstieg, 20 m Abstieg, 3 ½ Std. – zu den anderen Berghäusern ist es etwa 20 Minuten weiter.
2. Tag: Auf demselben Weg zurück nach Emmetten, 2 ½ bis 3 Std.
• Berggasthaus Panorama Klewenalp
Restaurant mit Selbstbedienung, die Doppel-,Vierer-, Sechser- und Achterzimmer sind im Gebäude der Bergstation untergebracht und haben teilweise Dusche und WC. Rauchfrei sind die Zimmer und der untere Saal; grosse, geschäftige Sonnenterrasse. Preisklasse: tief, offen Anfang Dezember bis Ostern, 041 620 29 22, www.klewenalp.ch
• Berggasthaus Klewenstock
Preisklasse: tief, offen Anfang Dezember bis Ostern, 041 620 17 84, www.1144.ch
• Berghaus Tannibüel
Preisklasse: tief, offen Anfang Dezember bis Ostern, sonntagabends geschlossen, 041 620 12 18, www.tannibuel.ch
• Berggasthaus Stockhütte
Preisklasse: mittel, offen Anfang Dezember bis Ostern, 041 620 53 63, www.stockhuette.ch
• Karten
1:25 000, 1171 Beckenried Landeskarte
1:50 000, 245 oder 245S Stans
• Weitere Informationen
- Tourismusbüro, 6375 Beckenried, 041 620 31 70, www.tourismus-becken-ried.ch
- Tourismus Emmetten, 6376 Emmetten, 041 620 15 64, www.tourismus-emmetten.ch
- Bergbahnen Beckenried, 041 624 66 00
Gondelbahn Stockhütte, 041 620 30 30, www.klewenalp.ch
- Luftseilbahn
Dallenwil–Niederrickenbach, 041 628 17 35

Foto: Heinz Staffelbach

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