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Warum ich gärtnere

Kategorie: Garten
 Ausgabe_12_2013 - 01.12.2013

Text:  Remo Vetter

Gärtnern entschleunigt, kochen mit den Gaben des Gartens ist kreativ und Bäume schneiden hält fit. Und so gehts.

Zwar sind Zeit und Geld zunehmend knapp bemessen. Viele meinen – oft aufgrund von gesellschaftlichen Erwartungen und Karrierestreben – keine Zeit zu haben, um ein Essen aus frischen Zutaten zuzubereiten. Für uns alle bietet der Tag 24 Stunden. Die Frage ist, wie wir diese Zeit nutzen, beziehungsweise was uns wichtig ist. Offensichtlich nicht die Ernährung – oder etwa doch? Paradoxerweise sitzen viele, eine Fertigpizza essend, vor dem Fernseher und schauen sich Kochsendungen an.

Die Verdrängung der Kunst der Essenszubereitung durch massenhaft produzierten Convenience-Food ist eine Tragödie. Eine Tragödie, weil Fast Food die Menschen abhängig macht von multinationalen Unternehmen; eine Tragödie, weil wir so die industrielle Landwirtschaft fördern mit ihren Monokulturen, Nitraten und Pestiziden; eine Tragödie, weil wir nicht nur die Natur, sondern auch uns selbst krank machen, wenn unsere Nahrung aus raffiniertem Mehl und Zucker besteht, aus gesättigten Fetten, Salz und künstlichen Aromastoffen. Das kommt uns alle teuer zu stehen, man denke an die ständig steigenden Krankenkassenprämien.

Unsere eigene kleine Welt

Gärtnern und Kochen sind künstlerische Tätigkeiten. Sie entschleunigen. Gerade in der heutigen Zeit mit der massiven Zunahme von Burn-Outs ist das besonders wertvoll. Ich halte wenig für kreativer, als einen Garten zu pflegen und die Produkte in der Küche zu verwerten. Dabei werden alle Sinne angeregt.

Wenn wir Freunde zum Essen einladen, zelebrieren wir die Kunst der Zubereitung. Wir spielen mit den Farben eines Gerichtes, mit der Konsistenz und mit den unterschiedlichen Aromen. Das Essen selbst, wie es serviert wird, die Wahl des Geschirrs, die Folge der Gänge, die saisonale Verzierung des Tisches – all diese Elemente, achtsam ausgeführt, ermöglichen es uns kreativ und künstlerisch tätig zu sein. Ein Luxus? Für mich ist es mehr als das. Für mich ist es eine Notwendigkeit: mit der Familie und anderen teilen, Zeit füreinander haben, die Gaben der Natur geniessen. Für mich gibt es nichts Schöneres als Gärtnern, und mit den frischen Gaben des Gartens köstliche Gerichte zu kreieren.

Einen Garten zu unterhalten, in dem eine grosse Vielfalt an Gemüse, Früchten, Kräutern und Blumen angebaut wird, ist eindeutig gesünder, günstiger und besser auf die Zyklen der Natur abgestimmt, als Gemüse aus Übersee zu importieren oder Fertiggerichte zu konsumieren. Das Gärtnern ermöglicht den Kontakt zur Erde, zum Lebendigen und bietet fast unübertreffliche Möglichkeiten kreativen Handelns. Einen Garten pflegen ist eine Möglichkeit, ein visionäres Bild unserer eigenen kleinen Welt zu schaffen – auf nichts sonst haben wir einen so direkten Einfluss.

Gartenarbeit im Dezember
Nutzgarten
● Winterkohlsorten, Wurzelgemüse und Nüsslisalat ernten.
● Wenn der Boden trocken ist, Nährstoffe zuführen mit gutem Kompost und verrottetem Stallmist. Wir verteilen die Gaben auf den Beeten und lassen sie von den Bodenlebewesen einarbeiten.
● Der Dezember ist auch die Zeit für Rück- und Ausblick. Jedes Gartenjahr bringt uns neue Erfahrungen, neue Erkenntnisse, die wir überdenken und umsetzen können. War die Ernte gut? Warum ist dieses gut, jenes schlecht gewachsen? Was bewährt sich im Garten?
● Der Winter ist auch die Zeit, um zu lesen und sich mit anderen Gärtnern auszutauschen.
● Apfel- und Birnbäume werden während der Ruhezeit von November bis Februar geschnitten.
Zum Baumschnitt folgende Tipps
● Gartenschere, Baumschere und Säge müssen sauber sein. Die Klingen mit Stahlwolle abreiben, abwaschen und dann mit etwas Öl einreiben, damit sie nicht rosten.
● Robuste Arbeitshandschuhe schützen die Finger.
● Überlegen Sie vor dem ersten Schnitt, was Sie erreichen wollen. Sind Sie auf Ertrag aus? Dann ist es wichtig, alles tote, kranke und beschädigte Holz zu entfernen.
● Schneiden, was sich kreuzt, reibt oder zu dicht steht. Jeweils den schwächeren Ast entfernen.
● Die Fruchtbildung für das kommende Jahr anregen: zu lange Triebe einkürzen und altes Holz entfernen.
● Äste, die zur Kronenmitte wachsen, dort absägen, wo sie vom Hauptstamm abzweigen. Die Krone soll offen sein, damit die Luft gut zirkulieren kann.
● Zu lange Zweige auf die Hälfte oder einen Drittel kürzen, und zwar immer bis zu einem Seitentrieb, der nach aussen gerichtet ist.
● Alle Sägeschnitte sollten schräg abwärts verlaufen, sodass Regenwasser gut abfliessen kann und die Schnittwunden nicht faulen.
● Alte erschöpfte Äste entfernen und Triebe, die sich an Rändern früherer Schnittstellen gebildet haben, abschneiden. Sie tragen normalerweise keine Früchte.
● Dicke Äste, die beim Schneiden abbrechen könnten, in Etappen sägen.
● Schauen Sie sich den Baum regelmässig aus etwas Distanz an. Achten Sie darauf, eine gleichmässige, gute Kronenform zu erhalten.
● Nicht zu radikal schneiden, sonst steckt der Baum zu viel Energie in die Bildung von neuen Trieben statt in die Fruchtbildung.
Ziergarten
● Immergrüne Pflanzen auf dem Balkon benötigen «Winterstiefel» (Luftpolster und Vlies) um den Topf, damit die Wurzeln nicht in Eis erstarren.
● Rosen mit Tannästen schützend abdecken. Rosenbäumchen mit Vlies einpacken.
● Am 4. Dezember Zweige früh blühender Ziersträucher (Forsythia, Weide, Hartriegel) und Obst (Apfel, Kirschen) schneiden. Eingestellt in der Vase werden sie um Weihnachten erblühen.
● Kübelpflanzen im Winterquartier regelmässig kontrollieren, wenig giessen: Laub tragende Arten etwas häufiger als kahle. Pflanzenschutz ausführen, um Schädlingen keine Chance zur Vermehrung zu geben.
● Laub auf Wegen und Rasen zusammenrechen, unter Sträuchern aber liegen lassen. Da bietet es den Wurzeln Kälteschutz und Kleintieren Lebensraum.
● Kastanienlaub via Kehricht entsorgen, denn darin überwintern gerne Puppen der Kastanien-Miniermotte. Daraus schlüpfen im Frühling Falter, die ihre Eier auf die Kastanienblätter
legen. Die Larven fressen sich durch die Blätter, die dann früh braun und welk werden.
● Kaltkeimer wie Enzian und Küchenschelle säen.
● Neue Gartenkataloge studieren und die nächste

Die Gaben des Winters

Frost und Schnee zaubern im Winter vergängliche Kunstwerke in den Garten und auf den Balkon. Doch die Ruhe trügt. Der Garten ist auch im Winter voller Energie und Inspiration. Und der Dezember ist keinesfalls so mager, wie man vermuten mag. Mit etwas Wetterglück, sprich ohne Fröste, sind jetzt verschiedene Winterkohlsorten erntereif: Rosenkohl, Rot- und Weisskohl, Blumenkohl und der unverwüstliche und vitaminreiche Federkohl. Auch frisches Wurzelgemüse wie Rüben, Pastinaken, Knollensellerie und Steckrüben gibt es frisch aus dem Garten, ebenso Endivie, Winterportulak, Nüsslisalat, je nach Witterung sogar noch Kopfsalat und Rucola.

Als Gärtner müssen wir uns jetzt entscheiden, ob wir das Gemüse auf dem Beet belassen, oder ernten und einlagern. Da wir einen relativ grossen Garten bearbeiten, leisten wir uns den Luxus, einiges auf den Beeten stehen zu lassen, mit dem Risiko, dass es gefriert. Wir sind aber der Überzeugung, dass Gemüse frisch aus dem Boden qualitativ und geschmacklich besser ist, als eingelagertes.

Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen (AR) tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräutergarten von A. Vogel hegt.



Foto: Otto Ehrmann, waldhaeusl.com

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