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Wintervorrat

Kategorie: Garten
 Ausgabe_11_2013 - 01.11.2013

Text:  Remo Vetter

Nebelschwaden. Malerisch-melancholische Stimmung. Unaufhaltsam naht der Tag, an dem Garten, Terrassen und Balkone aufgeräumt werden. Die reiche Ernte kann nun für den Winter haltbar gemacht werden.

Nach der Ernte sind Pflanzen nicht tot; sie veratmen nun Sauerstoff und bauen Inhaltstoffe ab. Dabei verbrauchen sie Energie. Hitze, Kälte, Temperaturschwankungen und Verletzungen zerren an den Reserven der geernteten Pflanzen. Gemüse und Obst enthalten viel Wasser und sind deshalb leicht verderblich. Deshalb ist es wichtig, nicht nach Regentagen zu ernten, vor der Ernte nicht zu wässern und einige trockene, sonnige Herbsttage abzuwarten. Obst und Gemüse, das man längere Zeit lagern will, muss vorsichtig geerntet werden und darf weder gestossen, gedrückt und vor allem nicht längere Zeit Hitze oder Kälte ausgesetzt sein.

Zum Einlagern von Gemüse eignet sich ein feuchter, kühler Keller. Ist die Luft sehr trocken, schlägt man Wurzelgemüse wie Karotten, Sellerie, Pastinaken oder Randen in feuchten Sand ein, um es vor dem Austrocknen zu schützen. Kohlköpfe, Chinakohl und Wirsing legt man nach Möglichkeit auf Holzregale, ohne dass sie sich berühren. Wenn Gemüse und Salate im Frühbeet eingeschlagen werden, sollten Boden- und Seitenflächen mäusesicher mit engmaschigem Drahtgeflecht ausgelegt werden. Kartoffeln, Pastinaken, Sellerie und anderes Lagergemüse sollten vor dem Lagern nicht gewaschen werden, da sie sonst faulen. Die dünne, anhaftende Erdschicht schützt die Pflanzen vor dem Austrocknen. Die Blätter von Winterrettichen, Gelben und Roten Rüben nur abdrehen, nicht abschneiden; Kohl, Chinakohl, Zuckerhut und Lauch mit den Wurzeln lagern.

Die Kunst des Haltbarmachens

Stein- und Beerenobst sowie andere stark wasserhaltige Obstarten eignen sich nicht zum Lagern. Zwetschgen, Mirabellen, Kirschen, Himbeeren und Johannisbeeren frieren oder kochen wir ein.

Äpfel lösen sich leicht vom Baum, wenn sie ausgereift sind. Wartet man zu lange mit der Ernte, fallen die Früchte ab. Es lohnt sich darum, tägliche Kontrollgänge zu machen und die Äpfel sanft zu drehen. Wenn sie sich leicht lösen, sind sie reif. Klaräpfel sind die ersten Äpfel, die reifen. Sie lassen sich nicht lagern, denn sie werden sehr schnell mehlig und sind darum für den sofortigen Verzehr bestimmt. Insbesondere sollten kranke, verletzte und sehr grosse Früchte schnell verbraucht werden. Wir kochen sie meist zu Kompott ein.

Wichtig ist vor allem auch, dass die Lagerräume sauber sind und die Lagerflächen vom letzten Jahr mit einer heissen Seifenlauge gründlich gereinigt werden, bevor die Regale gefüllt werden. Äpfel sollten bei zirka drei bis acht Grad gelagert werden, und es muss für eine genügende Luftfeuchte gesorgt werden. Dies kann man erreichen, indem man den Erdoder Betonboden befeuchtet oder Ziegelsteine ab und zu mit Wasser besprüht. Die Lagerräume sollten regelmässig gelüftet werden. Ausserdem müssen wir auf Mäuse und Kellerasseln achten, die die Früchte liebend gerne anfressen würden.

Die Kunst des Dörrens

Beim Ernten von Kartoffeln lässt es sich kaum vermeiden, dass Knollen angehakt werden. Da verletzte, kranke oder angefressene Knollen leicht faulen und benachbarte im Lager anstecken, sollten beschädigte Knollen nicht gelagert, sondern sofort verbraucht werden.

Wichtig ist, dass Kartoffeln absolut dunkel gelagert werden, sonst vergrünen sie. Wer einen Garten besitzt, für den lohnt sich in der Regel die Anschaffung einer Gefriertruhe, um Obst und Gemüse aufzubewahren. Früher haben wir sehr viel eingemacht und sind abendelang am Herd gestanden. Mittlerweile haben wir uns mit der Tiefkühltruhe angefreundet, auch aus Zeitgründen. Einfrieren schont die Inhaltstoffe. Zucker, Stärke, Eiweiss, die meisten Vitamine und Mineralstoffe sind nach dem Auftauen fast vollzählig vorhanden. Stärkehaltiges Gemüse wie Erbsen und Bohnen sehen zudem aus, als kämen sie frisch aus dem Garten – und sie schmecken auch so. Bei stark wasserhaltigem Gemüse mit weichem Gewebe leiden jedoch Form, Farbe und Geschmack. Deshalb eignen sich Gurken oder Tomaten weniger zum Einfrieren. Tomaten sind aber, wie Früchte, gedörrt ein Genuss. Leider gerät die alte Kunst des Dörrens bei uns immer mehr in Vergessenheit. Seit Jahrtausenden nutzt der Mensch die Kraft von Sonne und Wind, um Fleisch, Fisch, Getreide, Obst, Gemüse, Pilze und Kräuter haltbar zu machen. In der Restwärme des Backofens oder auf dem Kachelofen trockneten an trüben Herbstund kalten Winterabenden die Gaben des Gartens und durchzogen das ganze Haus mit ihrem Duft.

Wir dörren noch immer einige Birnen, Apfelringe und Quittenscheiben und sorgen so für angenehme Gerüche und vorweihnachtliche Stimmung im Haus.

Gartenarbeiten im November
Nutzgarten
● Obstbäume und -sträucher haben ihr Laub abgeworfen und gehen in die Winterruhe. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, Obstgehölze zu schneiden, bevor es zu kalt wird.
● Bäume und Sträucher pflanzen. Der Boden ist in der Regel noch warm und wenn man genügend Kompost oder gut verrotteten Stallmist ins Pflanzloch gibt, werden die Gehölze vor dem Wintereinbruch anwachsen. Wer im November nicht pflanzt, muss unter Umständen bis im kommenden März zuwarten.
● Pflanzenreste und Unkraut von den Beeten entfernen, den Boden mit der Grabgabel lockern und Kompost oder Stallmist einarbeiten.
● Für Verbündete wie Blattläuse, Schnecken und Raupen das Laub von Rasen und Wegen zusammenrechen und die Laubhaufen in einer Gartenecke liegen lassen. Viele Insekten, Spinnen und andere Nützlinge überwintern dort. Im Frühjahr werfen wir die Laubreste dann auf den Kompost. Falls Sie Bedenken haben, dass die Winterstürme Ihnen das Laub durch den Garten wirbeln, können Sie die Haufen mit einer Plane oder Flies abdecken und mit Steinen an den Ecken beschweren.
● Lauch, Feder- und Rosenkohl anhäufeln. Möglichst erst nach den ersten Frösten ernten, dann schmecken sie milder.
● Winterportulak, Nüsslersalat und Winterspinat gedeihen in geschützten Lagen auch in Balkonkistchen. In ein bis zwei Zentimeter tiefe Rillen säen; die Sämlinge später auf zwei bis drei Zentimeter Abstand ausdünnen.
● Salbei, Minze, Zitronenverbene und Stevia stark zurückschneiden und die Blätter trocknen. Stevia und Verbene sind nicht winterhart; sie können in einem kühlen Raum überwintern.
● Gartengeräte pflegen, Tongefässe vor Frost schützen, Nistkästen reinigen (siehe natürlich 09-13)
Ziergarten
● Wärme liebende Kübelpflanzen, die Eis und Frost nicht ertragen, ins Winterquartier zügeln.
● Oleander nach den ersten Frösten ins Winterquartier zügeln, aber nicht zurückschneiden.
● Zimmerpflanzen wie Orchideen und Birkenfeige (Ficus benjamina) in Fensternähe platzieren.
● Amaryllis eintopfen: Balkon- und Fensterkistchen in Herbstschmuck erstrahlen lassen.
● Frühlingsblüher pflanzen und die letzten Blumenzwiebeln für die Frühlingsblüte in Garten und Balkongefässe stecken.
● Für Lilien ist jetzt die beste Pflanzzeit!
● Rasen wächst an milden Tagen, deshalb vor Winterbeginn auf zirka vier Zentimeter schneiden. Moos und Laub abrechen, kompostieren.
● Frostgefährdete Wasserleitungen und -becken entleeren. Teiche winterfest einrichten und Laub abfischen; Ziergräser und Schilf hingegen stehen lassen.

Ernten ohne Säen

Die Natur weckt in jedem, der die natürliche Küche schätzt, Fantasie und Erfindergeist. Mit selbst hergestellten Speisen aus wild wachsenden, selbst gesammelten Pflanzen können Sie Freunde und Verwandte begeistern. Ich möchte Ihnen an dieser Stelle zwei Pflanzen vorstellen:
● Der Sanddorn gehört zur Familie der Ölweidengewächse. Die vitaminreichen Früchte schmecken aromatisch säuerlich. Zum Ernten der Früchte sollten Sie unbedingt eine Schere mitnehmen, um die saftigen Früchte an den Stielen abzuschneiden. Oft ist der Sanddorn auf Kiesbänken anzutreffen. Wir machen aus dem Sanddorn Sirup, Gelee und Quark Parfait.
● Die Schlehe gehört zur Familie der Rosengewächse. Die kugelige, blauschwarze Steinfrucht ist von bitterem Geschmack. Oft wächst die Schlehe in Hecken, an Waldrändern und in steinigem Gelände. Nach dem ersten Frost werden die Früchte gesammelt und daraus ein feiner Sirup hergestellt, oder ein Schlehen-Quitten-Gelee, der sich bestens für Süssspeisen wie Mousse und Torten eignet.

Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen (AR) tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräutergarten von A. Vogel hegt.



Fotos: fotolia.com, Tommy Hemmert Olesen / flickr / cc

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