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Im Herzen des Wallis

Kategorie: Natur
 Ausgabe 4 - 2008 - 01.04.2008

Text:  Bernhard Rudolf Banzhat

Eine dreitägige Rundwanderung um Zinal offenbart die ganze Schönheit der Walliser Alpen. Abenteuerliche Wege führen über eindrückliche Berge.

Die Fahrt nach Zinal macht neugierig.  Aus dem Rhonetal schwingt sich die Strasse nach Niouc, danach schlängelt sie sich durch zwei imposante Schluchten, dahinter locken die grossen, kompakt gebauten Dörfer des Val d’Anniviers: St-Luc, Chandolin, Mission, St-Jean, Ayer, Grimentz und Zinal. In Vissoie befindet sich das Zentrum, von dort zweigen die Postautos in alle Richtungen ab.

Das alte Zinal besteht aus einer Ansammlung von sehenswerten historischen und neueren Chalets. Zahlreiche sympathische Unterkünfte und Gasthäuser prägen das Bild der Siedlung. Das Talende befindet sich weit südlich des Dorfes, umfasst aber eine einmalige Reihe markanter Berge: Grand Cornier, Dent Blanche, Obergabelhorn, Besso, Zinalrothorn und Weisshorn.

Ein gelber Wegweiser zeigt in eine menschenleere Ebene, die von der munteren, milchigen Navisence durchrauscht wird. Einige Kühe sind zu sehen, von anderen sind nur die Glocken zu hören. Kaum ansteigend schlängelt sich der Weg in eine Talenge. Gegenüber, auf dem Hauptweg, sind Stimmen zu hören, übermütiges Lachen und Johlen. Es ist noch früh am Morgen, fahles Dämmerlicht. Ganz deutlich ertönen die Stimmen über dem gleichmässigen Rauschen des Bachs, aber zu sehen ist nichts. Der Weg ist menschenleer. Woher kommen diese Laute? Glauben Sie an Geister, an sagenhafte Begegnungen?

Begegnungen der anderen Art

Plötzlich türmen sich vor uns die Felsen des Pas du Chasseur auf, kalter blanker Stein. Da soll ein Weg hindurchführen? Doch eine Wegmarkierung mit dem etwas drohenden Hinweis «chemin difficile» leitet uns weiter. Hangelnd geht es über Felsen, die durch Ketten gesichert sind. Die Ketten sind eiskalt, die Hände färben sich leicht rostbraun, der Geruch von Eisen bleibt an ihnen haften, während lustiges Geklimper die Luft erfüllt. Nach der unangenehmen, steilen Rampe lacht oben die Sonne, leuchtet golden durch Lärchen und Arven.

Beim See kommt uns eine Herde von Schafen entgegen, lachend, pfeifend und johlend treiben die Hirten die Tiere vor sich her. Lachen und Johlen? Hier ist es reell. Die Hirten sprechen den alten franko-provenzalischen Dialekt des Tals. Vor der Cabane d’Ar Pitetta, was im hiesigen Patois «kleine Wiese» bedeutet – der Name wird heute oft auch Arpittettaz geschrieben –, steht der Hüttenwart. Mit der Bemerkung, «er hat gelitten, der Gletscher» weist er zu den eisigen Kaskaden des Glacier du Moming gegenüber und zeigt die Stelle, wo der Eisfluss im vergangenen Jahr noch hinreichte. Die Suppe als Lohn für die erste Tagesetappe dampft und schmeckt kräftig, das kolossale Weisshorn leuchtet im letzten Abendschein.

Aus eisigen Höhen zurück ins Tal

Vorbei an stummen Steinmännern steigt der Weg am nächsten Morgen zu einer steilen Moräne, die der Glacier du Weisshorn nach der kleinen Eiszeit hinterlassen hat. Setzt man sich hin und hält inne, vernimmt man alle paar Minuten das Kollern eines Steins, das Rieseln des Sandes, dumpfes oder metallenes Aufschlagen, Kreischen und Knarren. Die Berge bewegen sich, sie wachsen und zerfallen. Am Col de Milon finden sich wuchtige Einschlüsse von tiefgrünem Serpentin. Auf dem Weg steigt die Sonne hinter dem Weisshorn auf, verschwindet und taucht wieder auf. Eine Gruppe von Steinböcken steigt gemächlich hinunter zu einem kleinen Gewässer.

Steil fällt der Weg in einen dunklen Schlund, eine silbern glänzende Kette weist den Weg. Der Schatten der Nordseite, das dunkle Gestein und die ausgedehnten, steilen Geröllfelder am Fuss des Passes wirken bedrückend. Unten wärmt die Sonne eine Wiese, auf der übermütig Murmeltiere tollen.

Auf einem gut ausgetretenen Pfad geht es hinauf zum Ziel des 2. Wandertages, zur Cabane de Tracuit, die hoch oben auf einem Felsgrat steht, umgeben vom Turtmann-gletscher. Dann, früh am nächsten Morgen, dem letzten Wandertag, geht es über die Felsstufe des Col de Tracuit hinunter. Bald lösen versöhnliche Grüntöne das Grau der zerborstenen Felsen ab. Auf den ausgedehn-ten Alpwiesen um Combautanna weiden Eringer-Kühe. In weiten Kehren führt der Weg nach Zinal, das unter uns leuchtet.

In drei Tagen rund um Zinal
Charakteristik:
Eindrückliche Höhenwanderung am Talende von Zinal. Dabei berührt man zwei SAC-Hütten, die durch einen schönen, vor nicht allzu langer Zeit von Arbeitslosen erstellten Höhenweg miteinander verbunden sind.
Anforderungen: Alpinwandern. Bei guten, trockenen Verhältnissen ohne technische Schwierigkeiten. Ausdauer, Schwindelfreiheit, Trittsicherheit und Orientierungsvermögen sind notwendig. Die gesamte Route führt über gut
markierte alpine Berg- und Höhenwege.
Ausgangspunkt und Zielort: Zinal (1675 m ü. M.): Hotels in allen Preisklassen, Restaurants, Geschäfte, Post, Banken, stillgelegte Kupfermine. Office du Tourisme: Telefon 027 475 13 70, zinalwhatever@sierre-anniviers.ch, www.sierre-anniviers.ch und www.zinal.ch
Öffentlicher Verkehr: Via Lausanne oder Bern–Lötschberg–Brig nach
Sierre, dann Postauto via Vissoie nach Zinal. Privatauto: Bis Sierre, dann Strasse ins Val d’Anniviers bis Zinal.
Karten: Landeskarte 1:25000,1327 Evolène oder
Landeskarte 1:50000, 283 Arolla

Bilder: Bernhard Rudolf Banzhat

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