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Veronika der Lenz ist da

Kategorie: Natur
 Ausgabe 4 - 2008 - 01.04.2008

Text:  Heinz Knieriemen

Herbizide sind eine Zumutung für die Gesundheit von Mensch und Tier, findet unser Autor. Und überflüssig obendrein.

Veronika, der Ehrenpreis, ist weit verbreitet und setzt mit seinen Blüten im beginnenden Frühling bis in den Sommer hinein Farb-tupfer in der Natur. Die Pflanze fühlt sich wohl in Mitteleuropa und ist bis in grössere Höhenlagen verbreitet. Die Flora Helvetica unterscheidet 30 verschiedene Arten. Allerweltsheil nannte die Volksmedizin das Kräutlein, und Kneipp pries seine Heilwirkung.

Ein spezieller Willkommensgruss kam vor über 70 Jahren von den Comedian Harmonists mit ihrem populären Schlager «Veronika, der Lenz ist da», auch wenn sie vermutlich der Geliebten und nicht dem bescheidenen Kraut ein Ständchen brachten.

Heute wird der Ehrenpreis, vor allem die weit verbreiteten und wuchernden Arten wie der Per-sische Ehrenpreis (Veronica per-sica) oder der Efeu-Ehrenpreis (Veronica hederifolia), sowie sie ihren Kopf aus dem Boden stre-cken, mit perfektionierten Be-kämpfungsstrategien verfolgt. Veronika ist wie die Kleearten, der Sauerampfer, Breit- und Spitzwegerich, der filigrane Erdrauch, die Gundel-rebe und der Kriechende Günsel zur Vernichtung freigegeben. Und Kinder lernen in ihren Wohnsiedlungen schon früh, dass alles, was sich spontan regt, möglichst schnell ausgerottet werden muss.

1000 bewilligte Herbizide

Das Bundesamt für Landwirtschaft spricht von Unkräutern und Ungräsern und hat rund 1000 Herbizide bewilligt, um im Krieg gegen die Natur erfolgreich zu bestehen (zu finden unter www.psa.blw.admin.ch/index_de_4_3_2.html). Darunter befinden sich immer noch das viel kritisierte Atrazin und mehrere der höchst umstrittenen Roundup-Präparate. Ein Arsenal, das naturbewussten Menschen einen kalten Schauer über den Rücken jagt.

Doch der Einsatz von Herbiziden in Wohnsiedlungen, auf Sport-plätzen und öffentlichen Anlagen ist nur die eine Seite. Die andere ist die akute Gefährdung von Mensch und Tier wie auch die nachhaltige Störung des ökologischen Gleich-gewichts und des Grundwassers. In der Schweiz gibt es immer noch mehrere Gemeinden, deren Trinkwasser mit Chlor oder dem chlorhaltigen Javel behandelt werden muss, weil die Hygienestandards nicht erfüllt sind. Ursache ist häufig die Intensivland-wirtschaft – einen Beitrag dazu leisten aber auch Produkte wie das selektive Herbizid «Rasenrein plus» für Zier- und Sportrasen.

Weg damit!

Schauen wir diesen Unkraut- und Ungrasvertilger doch einmal etwas genauer an. Als Wirkstoffe sind MCPA, Mecoprop-P, Dicamba und Ioxynil deklariert. MCPA, 4-Chlor-2-Methylphenoxyessigsäure, ist wie das immer noch viel ver-wendete Atrazin ein Produkt der Chlorchemie. Dazu nur kurz ein Zitat aus den International Chemical Safety Cards der Weltgesundheitsorganisation (WHO): «Die Substanz reizt bei Kurzzeitexposition Augen, Haut und Atemwege; bei wiederholter oder Langzeitexposition möglicherweise krebserregend für den Menschen; Beeinträchtigung der Fortpflanzungsfähigkeit im Tierversuch.» Ioxynil ist von der WHO sogar mit einem Totenkopfsymbol versehen und zu Mecoprop-P heisst es: «Sehr giftig für Wasserorganismen, kann in Gewässern längerfristig schädliche Wirkungen haben.» Tierversuche zeigten, dass die Sub-stanzen möglicherweise Geburtsschäden beim Menschen hervorrufen können.

Es bleibt die Frage, wie viele Tiere zu Tode gequält worden sind, um festzustellen, dass Herbizide und Pestizide mög-licherweise krebserregend sind und Geburtsschäden verur-sachen, ohne dass daraus die nötigen Konsequenzen gezogen wurden. Solche Risiken lassen sich für den ultrareinen Rasen offensichtlich locker vertreten.

Klipp und klar und ohne Umschweife: Meiner Meinung nach hat die ganze Palette von Unkrautvertilgern in Wohngebieten, Gärten und auch in einer ver-antwortungsbewussten Landwirtschaft nichts zu suchen! Laut dem Bundesamt für Umwelt gibt es zwar Verbote auf privaten sowie öffentlichen Strassen und Wegen, Plätzen, Terrassen und Dächern. Doch hierbei handelt es sich nur um Oberflächen mit einem Kiesuntergrund, durch den die Pestizide sehr schnell ins Grundwasser gelangen. Es ist jedoch ein dringendes Gebot der Zeit, dass zumin-dest im kommunalen Bereich, für öffentliche Anlagen und in Wohngebieten allgemeine Verbote für Herbizide erlassen werden. Mit Plakaten und Merk-blättern ist das Problem nicht zu lösen.

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