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Goldener Herbst

Kategorie: Garten
 Ausgabe_10_2013 - 01.10.2013

Text:  Remo Vetter

Rot und golden ist der Oktober, mal angenehm warm, mal frostig kühl. In ungünstigen Lagen gibt es bereits Bodenfröste. Die letzten Ernten werden eingebracht. Milde Tage gilt es, für Neupflanzungen zu nutzen.

Der Herbst ist die Zeit, in der man zurückschaut – und auch schon wieder Pläne macht für die neue Saison. Die Erfahrung zeigt, dass Gartenübernahmen meist im Herbst oder zeitigen Frühjahr getätigt werden, und ich erhalte öfters Anfragen, auf was Neulinge zu achten haben.

Wenn Sie zum ersten Mal einen Nutzgarten anlegen, sollten Sie das Potenzial des Grundstücks ausloten: In welchem Zustand ist es – gepflegt oder vernachlässigt? Wuchern Problemunkräuter? Wie viel Fläche soll für Blumen, Früchte, Beeren und Gemüse genutzt werden? Wie viel können Sie im Laufe der Saison konsumieren? Eine der wichtigsten Fragen aber lautet: Wie viel Zeit und Energie können und wollen Sie aufwenden für den Garten? Schon so mancher Hobbygärtner hat sich zu viel vorgenommen und ist dann verzweifelt ob der Schwemme von Gartenprodukten und Arbeit. Deshalb: Wie auch immer der Zustand des Gartens ist – fällen Sie keine übereilten Entscheidungen. Nehmen Sie sich Zeit. Gehen Sie die Sache langsam an. Es ist ratsam, von Jahr zu Jahr zu steigern, anstatt sich im ersten Jahr als Selbstversorger profilieren zu wollen.

Gärtnern ohne Umgraben

Boden und Klima sind vermutlich die wichtigsten Faktoren, die man im Nutzgarten berücksichtigen muss. Obst und Gemüse haben meist höhere Ansprüche als Blumen. Und das Gärtnern im Nutzgarten hat ja das primäre Ziel, eine stattliche Ernte einfahren zu können. Deshalb brauchen die Pflanzen einen nährstoffreichen, fruchtbaren Boden, Wasser, Wärme und Sonnenschein. Finden Sie also zuerst heraus, wie Ihr Boden beschaffen ist. Handelt es sich um einen eher schweren, klebrigen Boden, oder ist er sandig und durchlässig? Ist er sauer, alkalisch oder neutral? Wenn Sie einen Schrebergarten übernehmen, ist es ratsam über die Zäune zu schauen: Wenn bei den direkten Nachbarn manche Arten gedeihen, andere aber schwächeln, dürfte es bei Ihnen ähnlich sein.

Manche Gärtner – zu denen gehöre auch ich – schwören auf die Methode des Gärtnerns ohne Umgraben. Das Ziel ist es, eine gute Bodenstruktur zu schaffen und jährlich nur eine Schicht Dünger und organische Substanz zu verteilen. Diese Schicht unterdrückt das Unkraut und wird von Regenwürmern und anderen Bodenlebewesen in den Boden gezogen.

Jetzt wird angepackt

Der Boden lässt sich also verbessern, das Makroklima hingegen lässt sich kaum verändern. Es ist eine feste Grösse, mit der ein Gärtner leben muss. In rauhen Lagen, wie bei uns im Appenzellerland, gedeihen Obst und Gemüse wie Pfirsiche, Nektarinen, Melonen oder Auberginen und Gurken nicht gut, weil sie viel Wärme brauchen. Dafür erfreuen uns Beeren, Blumenkohl, Spinat und Kartoffeln mit reichen Ernten. Am besten arrangieren Sie sich also mit den Gegebenheiten und bauen Pflanzen an, denen das Klima zusagt.

Im Herbst gibt es im Garten viel zu tun: Berge von Laub wegharken, verblühte Sommerblumen aus den Beeten nehmen, Stauden teilen und neue Bäume, Sträucher und andere Pflanzen setzen. Das letzte frostempfindliche Gemüse und Obst wird geerntet: Bohnen, Kürbisse, Äpfel, Birnen, vielleicht noch einige Herbsthimbeeren und -erdbeeren. Jetzt fällt viel Pflanzenmaterial an, das abgeräumt und auf den Kompost gebracht werden muss. Bohnenstangen und Erbsenreiser werden geputzt und verstaut, die Beete für den Winter vorbereitet, indem mit der Grabgabel die Erde gelockert und je nachdem mit Reisig abgedeckt wird, damit nicht zu viel Unkraut wächst. Holzige Stengel von Mais, Bohnen und Kohl schreddern wir, damit sie schneller verrotten. Oder wir nutzen die Pflanzenteile, um neue Hügel- und Hochbeete anzulegen.

Gründüngung die nicht überwintert, zerkleinern wir und belassen sie entweder als Mulch auf den Beeten oder arbeiten sie leicht in die Erde ein. Folien schützen den Boden vor Verdichtung durch starken Regen, unterdrücken Unkraut und ermöglichen nächstes Jahr eine frühzeitige Aussaat. Die Stengel von Spargeln und Topinambur müssen jetzt knapp über dem Boden abgeschnitten und kompostiert werden. Die Stiele von hohen Kohlsorten häufeln wir an, damit sie standfest bleiben. Kürbisse schneiden wir an schönen Tagen und lassen sie in der Herbstsonne nachreifen. So wird die Schale härter und sie halten sich länger. Kartoffeln, Rüebli und Randen sollten geerntet sein, bevor die ersten Fröste eintreten. Pastinaken und Knollensellerie dürfen noch im Boden bleiben. Liebhaber mögen den Geschmack von Pastinaken besonders gern, nachdem sie den ersten Frost bekommen haben. Um den Lauch und die Selleriepflanzen herum häufeln wir die Erde an, damit die Pflanzen hell bleiben.

Tomaten hängen oft noch an den Pflanzen, solange es noch keine Nachtfröste gegeben hat. Die zähen, faserigen Stengel von Freilandtomaten können zusammen mit den Wurzeln und den noch grünen Früchten aus der Erde gezogen und zum Ausreifen der Tomaten an einem trockenen Platz aufgehängt werden. Die Früchte benötigen zum Reifen keine Sonne; aber ihr Aroma wird auch nicht mehr so intensiv wie während der Sommermonate. Sie eignen sich aber gut für Chutneys oder Würzsaucen – willkommene Reserven für den Winter.

Gartenarbeiten im Oktober
Ziergarten
• Exotische Kübelpflanzen, die Frost nicht ertragen, ins Winterquartier zügeln.
• Sommerflor in Kistchen mit kältetoleranten Herbstpflanzen ersetzen.
• Möglichst alle Blumenzwiebeln für die Frühlingsblüte in den Boden setzen.
• In abgeräumten Töpfen und Kübeln einen bunten Frühling vorbereiten: möglichst niedere Sorten wie Wildtulpen, Krokusse und Traubenhyazinthen verwenden.
• Rabatten und Beete abräumen, lockern und mulchen oder mit Sträuchern, Stauden und Blumenzwiebeln bepflanzen.
• Rasen wächst an milden Tagen, deshalb vor Winterbeginn auf zirka vier Zentimeter schneiden. Moos und Laub abrechen und kompostieren respektive als Winterquartier für Nützlinge aufschichten.
• Laub vom Teich abfischen und tropische Wasserpflanzen für die Überwinterung ins Haus bringen. Ziergräser und Schilf stehen lassen.
Nutzgarten
• Feder- und Rosenkohl anhäufeln, Endivie, Zuckerhut und Bleichsellerie einbinden.
Rhabarber neu pflanzen oder alte Stöcke mit Kompost oder verrottetem Mist abdecken.
• Beerenpflanzen, Wildhecken, Obstbäumchen pflanzen.
Räben und Kürbisse ernten, kühl und trocken aufbewahren und auf Halloween zu prächtigen Fratzen schnitzen.
• Letzte Kräuter ernten, vor allem die heilkräftigen Wurzeln von Baldrian und Beinwell.

Wilde Früchtchen

Jetzt haben auch späte Gartenpflaumen Saison und man findet Schlehen und Wildpflaumen in freier Natur. Wildfrüchte haben einen strengen und kräftigen Geschmack und eignen sich hervorragend für deftige Herbstgerichte und Wildspeisen. Während Gartenpflaumen roh oder als Kompott ausgezeichnet schmecken, haben Wildfrüchte wie Holunderbeeren und Schlehen ein intensives Aroma und sind somit für Gelees und Fruchtpasten geeignet. Eine Ausnahme bildet die Brombeere, deren süsser und milder Geschmack durch Zitronensaft gewinnt. Holunderbeeren, Schlehen und Brombeeren verderben schnell und müssen daher möglichst bald nach der Ernte verarbeitet werden. Wer auf dem Land lebt und Obstbäume im Garten hat, besitzt oft auch Aussengebäude, in denen gesunde Früchte, die nicht sofort verwendet werden, eingelagert werden können.

Früher gab es in grossen Küchengärten spezielle Obstspeicher. Hier bewahrte man Früchte auf wie Birnen, Äpfel oder Quitten. Heute, da die meisten in urbaner Umgebung leben, hat man meist nicht mehr diese fast uneingeschränkten Platzverhältnisse. Kreative Lösungen sind gefragt. Regale aus übereinander angebrachten Lattenrosten eignen sich gut zum Einlagern von Obst für den Winter. Sie sollten im Keller oder in einer kühlen Vorratskammer aufgestellt werden, sodass die Luft zwischen den Latten zirkulieren kann; die eingelagerten Früchte dürfen sich keinesfalls berühren. Damit das Obst nicht zu schrumpfen beginnt und ledrig wird oder rasch verdirbt, sollte es kühl aber nicht zu trocken gelagert werden.

Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen (AR) tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräutergarten von A. Vogel hegt.



Foto: fotolia.com

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