Artikel Natur :: Natürlich Online Rosenlaui | Natürlich

Rosenlaui

Kategorie: Natur
 Ausgabe_10_2013 - 01.10.2013

Text:  Heinz Staffelbach

Kein anderes Tal verkörpert das Ideal der Alpen besser als die Rosenlaui. Die wilden Berge und sanften Wiesen haben Künstler zu grossen Werken inspiriert – und Wanderern füllt sich das Herz.

Chrüterenläger – was für ein wunderschöner urschweizerischer Ortsname – knorrig, kehlig und erdverbunden. Und was für ein Plätzchen! Nach einem steilen, ruppigen Aufstieg durch Weiden und Gebüsch, durch Fels und Runsen, steht man unvermittelt auf dieser weiten, lieblichen Schulter, wie von sanften Händen zu einer ebenen Fläche gestrichen, zum Halbrund geformt und mit saftigem Gras überzogen.

Und diese Aussicht! Jenseits des Reichenbachtals – oft besser bekannt unter dem Namen Rosenlaui – erhebt sich eine Reihe von zackigen und spitzen Felstürmen, kahl und von Wind und Wetter zerfressen: die Engelhörner. Rechts davon eine Reihe von noch höheren Bergstöcken, mehr in der Form von Pyramiden, der Dossen, das Wellhorn, das Mittelhorn und das Wetterhorn, auf ihren Schultern noch immer mächtige Eispanzer tragend. Und weiter rechts der Eiger mit seiner Nordwand und dahinter seine zwei noch höheren Begleiter, Mönch und Jungfrau.

Ein Ort für Künstler

Wer einmal unten in der Rosenlaui war, am rauschenden Rychenbach, der munter durch die Weiden und Wäldchen gurgelt, oder eben oben auf diesem Chrüterenläger, den wundert es nicht mehr, dass dieser Blick und dieses Tal die Menschen seit Langem in ihren Bann ziehen. Natürlich war es über lange Zeit einfach ein Alpental, in dem gelebt, gearbeitet und gekäst wurde. Mit den ersten Touristen aus dem fernen England aber erreichte das Tal beinahe Kultstatus, und auch die berühmtesten Landschaftsmaler kamen hierher mit Pinsel und Staffelei und schufen hier grosse Gemälde.

Lange wurden die Berge bedrohlich und beängstigend gezeigt, mit übersteilen Gebirgen, unheilvoll schwarzen Wolken und alles mitreissenden Bergbächen. Mit der Zeit änderte sich die Einstellung des Menschen zu den Bergen, sie wurden freundlicher und lieblicher gemalt. Das Rosenlaui war dabei ideal, es hatte diese einmalige Mischung von bedrohlich-wilden Bergen und sanften, lieblichen Alpweiden und Sennhütten. Das Tal wurde zum Inbegriff des romantischen Alpentales. Eines der bekanntesten Werke ist das Gemälde «Das Wetterhorn von der Rosenlaui aus» vom österreichischen Maler Joseph Anton Koch (1768 –1839). Unter den Schweizer Malern sind besonders François Diday und Alexandre Calame erwähnenswert.

Engelshörner am Horizont

Neben der Aussicht oben auf dem Chrüterenläger und dem romantischen Talgrund hat diese Wanderung noch einen weiteren Trumpf im Ärmel – das Chaltenbrunnen-Moor. Es ist eines der schönsten und am besten erhaltenen Hochmoore der Schweiz, da hier nie Torf gestochen wurde und es seit 1971 geschützt ist. Nur zehn oder zwanzig Minuten von der Hauptroute entfernt liegt gleich der schönste und bekannteste Teil des Schutzgebietes, das Hochmoor bei Turen. Das Herz des Moores ist baumfrei, gesäumt ist es von einem urtümlichen Bergföhren-Moorwald. Dahinter erheben sich am Horizont der Hasliberg, das Titlis-Gebiet und, unverkennbar und charakteristisch, die eindrückliche Felspalisade der Engelhörner.

Das Wanderbuch «Auf stillen Wegen an starke Orte» ist als Leserangebot zu einem Vorzugspreis erhältlich.

Die Rosenlaui und ihre Engelshörner
• Ausgangspunkt: Zug bis Meiringen und Postauto bis Kaltenbrunnen bei Meiringen.
• Wanderung: T2, auf Natur- und Wanderwegen hoch zur Alp Ober Stafel. Kurz danach bei einer Abzweigung (falls erwünscht und ganz sicher lohnenswert) Abstecher zum Naturschutzgebiet Chaltenbrunnen-Hochmoor und wieder zurück. Nun auf einem schmalen Pfad hinauf nach Chrüterenläger. Via die Alpen Grindelschärm, Obri Mettlen, Mettlen und Schotten zur Schwarzwaldalp (Postautohaltestelle). Länge 10,2 Kilometer, Dauer rund 3 ¾ Stunden.
• Einkehren und Übernachten: Berggasthof Kaltenbrunnen-Säge, Lager, Telefon 033 971 19 08, www.sageli.ch, Hotel Schwarzwaldalp, Zimmer, Telefon 033 971 35 15, www.schwarzwaldalp.ch, Brochhütte, Lager, Telefon 079 444 94 14, www.sac-oberhasli.ch/brochhuette.
• Entdecken und Erleben: Eindrücklich, wenn auch touristisch, ist ein Besuch der Gletscherschlucht Rosenlaui. Sie liegt direkt bei der Postautohaltestelle Rosenlaui, Gletscherschlucht.
• Karten: Landeskarte 1: 25 000, 1209 Brienz, 1210 Innertkirchen, 1229 Grindelwald und 1230 Guttannen; 1: 50 000, 254/254T Interlaken und 255/255T Sustenpass
• Informationen: Haslital Tourismus, Telefon 033 972 50 50, www.haslital.ch

Fotos: Heinz Staffelbach, AT-Verlag

Tags (Stichworte):

Kategorie: Garten

Biolandbau: Positive Entwicklung

Weltweit hat die Fläche biologisch bewirtschafteter Anbaufläche im Jahr 2009 um...

Kategorie:

Kategorie: Natur

Bock auf Wärme

Der Klimawandel scheint dem Alpensteinbock gut zu tun: