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Kategorie: Natur
 Ausgabe_09_2013 - 01.09.2013

Text:  Patrick Teuscher

Sie sind die Geparde der Lüfte: Wanderfalken stürzen sich wie Geschosse auf ihre Beute. In der Stadt Zürich ist das auch für die Jäger lebensgefährlich.

Auf dem Hochkamin des Kehrichtheizkraftwerks an der Josefstrasse nistete ein Wanderfalken-Pärchen, dort wo die Stadt Zürich seit Jahren einen Nistkasten betreibt. Doch dieses Jahr, so fürchtete Wildhüter This Schenkel, werden keine Wanderfalken schlüpfen – so sah es auf jeden Fall aus. Denn Anfang Jahr verendete das Weibchen in einem Schneefänger. Das Männchen harrte in seinem Horst aus. Schenkel konnte beobachten, wie sich ein einjähriges Weibchen an den Witwer «heranmachte». Hoffnung auf Nachwuchs schürte das indes nicht.

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Webcam Zürich
Vogelwarte

Denn bisher ging man davon aus, dass einjährige Falkenweibchen noch nicht geschlechtsreif sind. Doch unverhofft paarten sich die beiden und sie legte und bebrütete Eier. Zwei Junge schlüpften, eines etwas grösser als das andere – ein Indiz, dass es sich um ein Weibchen und ein Männchen handelt. «Die Weibchen sind etwas grösser», erklärt Schenkel. Genau bestimmen kann sie der Wildhüter aus der Ferne jedoch nicht, obwohl man via Webcam einen intimen Einblick ins Nest geniesst.

Strafanzeige gegen Unbekannt

Rückblende: Im Mai 2011 meldeten sich aufgeregte Anwohner beim Wildhüter. Auf dem Anflugbrett des Hochkamins liege ein Vogel, der sich nicht mehr bewege. Schenkel fand das tote Muttertier und drei Jungvögel im Daunenkleid, die erbärmlich schrien. Schenkel brachte die Waisen in die Greifvogelstation Berg am Irchel. Ansonsten wären sie wohl verhungert. Denn zwar bringt auch das Männchen Futter zum Horst, aber nur das Weibchen zerrupft es in mundgerechte Stücke. Die Aufzuchtstation übernahm diese Arbeit und päppelte die drei Jungfalken auf. Sie bewältigten ein Programm, das sie befähigte, selbst zu jagen. Dann wurden sie in die Freiheit entlassen.

Nachträgliche Untersuchungen eines spezialisierten Labors haben ergeben, dass das Falkenweibchen an einer Überdosis Insektizid verendet ist. Schon oft vermuteten Wanderfalkenspezialisten, dass Wanderfalken vergiftet werden. Ein Beweis konnte jedoch noch nie erbracht werden. Grün Stadt Zürich hat zusammen mit dem SVS/BirdLife Schweiz eine Strafanzeige eingereicht; das Offizialdelikt wird nun von Amts wegen durch die zuständige Kantonspolizei untersucht.

Einst fast ausgerottet

Es war auch Gift, das beinahe zur Ausrottung der Wanderfalken in der Schweiz führte. 1970 wurde ein einziges Pärchen gesichtet, im Jura. Schuld an der Beinahe-Ausrottung war hauptsächlich das Insektizid DDT, das die Vögel über die Nahrung aufnahmen und zu Unfruchtbarkeit führte. Mit Inkrafttreten des eidgenössischen Giftgesetzes am 1. April 1972 wurde DDT in der Schweiz verboten. Ab etwa 1975 begann sich der Falkenbestand zu erholen. Heute zählt man mehr Wanderfalken als vor dem Einsatz von DDT: Gemäss Schätzungen der Vogelwarte Sempach rund 400 Brutpaare; dazu kommen die einjährigen Vögel, die üblicherweise noch keine festen Reviere beziehen und noch nicht brüten. Viele Brutplätze sind bekannt. In den Kantonen Bern, Freiburg, Waadt und Neuenburg werden die Bestände systematisch kontrolliert.

Grosse Falkendichte in der Stadt

Die Jungen von der Josefstrasse jagen oft vom Migroshochhaus an der Limmat aus. Sie sitzen auf dem Fenstersims des Chefbüros und halten Ausschau nach den zahlreichen Tauben unten auf den Strassen und Plätzen. Der scheinbar einfache Beutezug hat seine Tücken – die Stromleitungen für das Tram und die vielen anderen Kabel sind eine tödliche Gefahr. Deshalb weichen Zürichs Wanderfalken oft auf den offenen See aus und jagen dort Möwen, berichtet Wildhüter Schenkel. Möwenfedern im Falkennest haben es ihm verraten.

Seit 1990 stagniert der Bestand der Wanderfalken in der Schweiz; in der Nordwestschweiz nimmt er gar leicht ab. Die maximale Dichte an Wanderfalken scheint erreicht zu sein. Auch in der Stadt Zürich. Denn die Flitzer von der Josefstrasse haben Gesellschaft: Seit Jahren brütet ein Paar auf dem Turm des Kehrichtheizkraftwerks im Hagenholz. Für Wanderfalken wird es da bereits eng. Denn die Raubvögel benötigen ein Jagdgebiet von rund 100 Hektaren, also gut die Grösse der Stadt Zürich. Da das Nahrungsangebot in der Stadt gross ist – vor allem an Tauben, Mauerund Alpenseglern – funktioniert in Zürich das Zusammenleben bislang aber gut.

Webcam: www.stadt-zuerich.ch/falken

Fotos: thinkstock.com

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