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Melonenzeit

Kategorie: Garten
 Ausgabe_08_2013 - 01.08.2013

Text:  Vera Sohmer

Sommerzeit ist Melonenzeit. Beliebt sind bekannte Sorten wie Honigmelonen, doch in den letzten Jahren sind neue Varianten hinzugekommen. Einige davon gezielt für Singles und Kleinhaushalte.

Am Umfang der Wassermelone scheiden sich die Geister. Für Michele Lomma, Direktor beim Fruchtimporteur Rodi Fructus, sollte sie gross sein wie ein Medizinball. «Sie muss für eine ganze Familie reichen», sagt der gebürtige Italiener. Und wenn man reinbeisst in den Schnitz, sollte es einem links und rechts die Backen benetzen, sie klebrig süss machen. Landwirt Kurt Heimberg hingegen bevorzugt die Melone im Mini-Format. Sie ist nur halb so schwer wie die grosse Schwester und bringt maximal zwei Kilogramm auf die Waage. So passt sie dem Single, der an der grossen Melone satte zwei Wochen zu essen hätte. Ausserdem lässt sich die Kleine problemlos im Rucksack verstauen, die optimale Verpflegung also auf Wanderungen und fürs Picknick.

Sonderfall aus dem Aargau

Ein Sonderfall ist die kleinformatige Wassermelone auf jeden Fall. Sie wächst auf Schweizer Boden, bei Göslikon im Aargau. «Ein Saatgutlieferant hat mich auf
diese besondere Züchtung aufmerksam gemacht», sagt Kurt Heimberg, der sich eigentlich auf Zuckermais spezialisiert hat. Zusammen mit vier anderen Landwirten stieg er vor drei Jahren in die Wassermelonen-Produktion ein. Zwei Produzenten sind es heute noch, die es mit der Baby-Melone namens «Swiss Melody» wagen. 70 000 bis 80 000 Stück möchte Heimberg diese Saison absetzen. An der Nachfrage liegt es nicht: Die Mini-Melone, kernlos, intensiv schmeckend und dekorativ, sei vor allem bei Gastronomen beliebt; etliche hätten schon wieder vorbestellt.

Melonen brauchen es warm fürs Wachstum – und warm muss es sein, damit sie sich verkaufen. In diesem Punkt sind sich Lomma und Heimberg einig: Melonen gehören zum Sommer. Ist es draussen heiss, finden sie reissenden Absatz, obschon es einige Sorten beim Grossverteiler inzwischen das ganze Jahr über gibt.

Die Verbindung zu Mittagshitze und gleissender Sonne kommt nicht von ungefähr: «Die Frucht, die eigentlich zum Kürbisgemüse gehört, wurde für den Sommer kreiert, als Durstlöscher und Nährstofflieferant», sagt Gastronom Rolf Hiltl. Er bietet Melonen in seiner vegetarischen Küche ausschliesslich in der Hauptsaison an. «Dann schmecken sie am besten, und dann werden sie auch von unseren Gästen sehr geschätzt.» Hiltl widerspricht der Ansicht, zur Melone gehöre zwingend Rohschinken. Dies möge zwar ein Klassiker sein, feine fleischlose Alternativen gebe es aber allemal. Melone mit geräuchertem Alpenziger und Basilikumöl etwa oder mit fein gehobeltem Pecorino-Käse. Oder wie wäre es mit marinierter Galiamelone an Sweet-Chili-Ingwer-Dressing und Pfefferminze, dazu warmer Kräuter-Honig-Brie?

Melonensorten im Überblick
Wassermelone: Der Inbegriff eines heissen Sommers. Der Wassergehalt liegt bei über 90 Prozent. An Vitaminen hingegen ist diese Melone eher arm. Für die rote Farbe des Fruchtfleisches sorgt Lycopin. Der natürliche Farbstoff soll unter anderem den Alterungsprozess verlangsamen und das Immunsystem stärken. Früher kannte man Wassermelonen, deren Fruchtfleisch mit Kernen gespickt war. Heute gibt es auch kernlose Varianten. Neben den riesigen und kleinen Wassermelonen werden auch solche im mittleren Format angeboten. Sie heissen zum Beispiel «Fashion» und sind kernarm.
Honigmelone: Sie zählt zu den Zuckermelonen. Diese tragen im Gegensatz zu Wassermelonen die Kerne gebündelt in der Mitte, was praktisch ist. Sie lassen sich leicht mit einem Löffel ausschaben. Honigmelonen sind aussen leuchtend gelb oder auch grün, dann werden sie «Piel de sapo» genannt, was Froschhaut bedeutet. Charakteristisch ist der süsse, honigähnliche Geschmack. Ihr Vitamin-, Kalium- und Beta-Carotin-Gehalt ist höher als jener der Wassermelone. Schmeckt unter anderem fein im grünen Salat und zu Parmaschinken.
Galiamelone: Sie ist ebenfalls eine Zuckermelone. Man zählt sie auch zur Gruppe der Netzmelonen. Ihre Schale hat eine gelbe, raue Oberfläche und eine netzartige Struktur. Anfang Saison kommt sie oft aus dem Gewächshaus, was für den Geschmack unvorteilhaft ist. Erst unter freiem Himmel und reif entwickelt sie das volle Aroma und die richtige Süsse. Die Galiamelone hat die Vitamine B, C und E, allerdings in geringeren Konzentrationen als andere Melonensorten. Mundet im Sommersalat oder zu Käse und zu Schinken.
Charentais-Melone: Eine Zuchtform der Cantaloupe-Melone. Feinschmecker schätzen insbesondere die Sorte Charantais-Jaune. Früher stammte diese Melone ausschliesslich aus Cavaillon aus der Provence. Sie ist deshalb auch noch unter diesem Namen bekannt. Die Importware kommt heute oft aus Spanien. Typisch ist das leuchtend organgefarbene Fruchtfleisch, das bei voller Reife eine wahre Gaumenfreude ist – süss und vollaromatisch. In der Küche ist diese Melone ein Tausendsassa. Sie schmeckt zur pikanten Vorspeise oder im Dessert und harmoniert vorzüglich mit Portwein. Melonen mit orangefarbenem Fruchtfleisch haben einen hohen Vitamin-A-Gehalt. Das «Schönheitsvitamin» soll gut sein für Haare, Haut, Knochen Nägel und Zähne.

Ist sie reif?

Beim Grossverteiler oder auf dem Wochenmarkt mit Kennermiene eine Melone herauslesen und am Blütenansatz schnuppern – das macht Eindruck, ist aber keine zuverlässige Methode, um die Reife zu prüfen. «Honigmelonen beispielsweise riechen auch im vollreifen Stadium nach nichts», schreibt Kulinarikexperte Patrick Zbinden in seinem Buch «928 clevere Küchentipps». Auch der Drucktest mit dem Fingern ist nicht über alle Zweifel erhaben und höchstens bei dünnschaligen Sorten wie der Galiamelone zu empfehlen. Gibt diese am Stielansatz unter Druck leicht nach, ist sie wahrscheinlich reif.

Das zuverlässigere Erkennungsmerkmal ist der Stielansatz selbst: Ist er schrumpelig, leicht aufgerissen und bräunlich, ist die Melone reif. Und: «Je höher sich das korkähnliche Geflecht bei einer Netzmelone von der Schale abhebt, desto reifer ist sie», so Zbinden. Beliebter Test bei Wassermelonen: Auf die Schale klopfen. Klingt es tief und dumpf, ist sie reif. Und dann noch ein Tipp für Fortgeschrittene: Am reifsten ist jene Melone, die im Verhältnis zu ihrer Grösse am schwersten ist. Sie reif zu kaufen, ist empfehlenswert. Nur dann schmecken sie süss. Durchs Nachreifen werden sie lediglich aromatischer, saftiger und weicher.

Buchtipp
Elisabeth Johansson: «Eis», AT Verlag 2013, Fr. 26.90

Fotos: bildlich.ch

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