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Es riecht so gut

Kategorie: Natur
 Ausgabe_06_2013 - 01.06.2013

Text:  Remo Vetter

Auch unser Kolumnist Remo Vetter taucht in die Welt der Kräuter und Blüten ein: Ob für die Bodenlockerung, als Küchengewürz, wohlriechendes Duftsäcklein oder einfach als betörender Augenschmaus im Garten – sie sind echte Alleskönner.

Oft ist der Juni noch schöner als der Wonnemonat Mai. Die Rosen erleben ihr erstes Blütenfest und es duftet überall. Frisch gepflückte Erbsen, Spargeln, Salate und Erdbeeren bieten wahre Gaumenfreuden. Doch die meisten Gartenpflanzen sind im Juni noch klein und erfordern unsere Aufmerksamkeit. Und mit der Sonnenwende beginnt bereits die Anzucht von Herbstgemüse.

Beim Gärtnern geht es nicht in erster Linie darum, das Richtige zu tun. Für uns ist Gärtnern Freude am Lebendigen. Die Natur und das Wachstum zu fördern und sich am Gedeihen der Pflanzen zu freuen, ist ein schönes Gefühl. Die Natur gibt uns immer wieder Rätsel auf, fordert uns zur Auseinandersetzung, und das ist gut so. Jeder Garten ist anders. Die Natur bietet keine universellen Patentrezepte an. Nur wer sich mit «seiner» Erde befasst, weiss um die Gegebenheiten. Nur der Bewirtschafter kann herausfinden, was für «seinen» Boden gut ist.

Unter unseren alten Holunderbäumen pflanzen wir Lavendel, Kapuzinerkresse und Knoblauch. Das hält die Läuse fern. Sollte an feuchtheissen Frühsommertagen doch einmal eine Läuseplage auftreten, stellen wir umgestülpte Tontöpfe auf. Mit Holzwolle gefüllt, bieten sie einen idealen Unterschlupf für Ohrwürmer. Die unermüdlichen Helfer sind neben den Marienkäfern wahre Weltmeister im Läusefressen. Fenchel, Dill und Koriander locken Schwebefliegen und Schlupfwespen an, die im Insektengarten unser Fünfstern- «Insektenhotel» bewohnen und im Gemüsegarten mit Kohlweisslingen und Blattläusen aufräumen.

Jetzt im Frühsommer ist die richtige Zeit, Kräuter und duftende Blüten zu sammeln und für Kräuterkissen und Duftsäckchen zu trocknen. Das starke Wachstum der Pflanzen jetzt im Juni bringt vor allem Blätter hervor.

Duftpelargonien, Zitronenstrauch und Minze oder Mischungen aus Kräutern und Blütenblättern lassen sich getrocknet ideal für Duftsäckchen- und kissen verwenden. Man pflückt die Kräuter, Blüten und Pflanzen an einem trockenen Tag und zupft die Blätter von den Stängeln. Zum Trocknen verteilt man die Blätter auf einer sauberen Unterlage und stellt sie an einen warmen, aber luftigen Ort. An sonnigen Tagen trocknen sie rasch, wenn man sie an einer windgeschützten, schattigen Stelle im Garten, im Gewächshaus oder auf dem Estrich ausbreitet. Man kann auch die ganzen Stängel zu Sträussen zusammenbinden und zum Trocknen kopfüber an einen trockenen, luftigen Ort hängen.

Der für die Duftsäckchen oder Kräuterkissen verwendete Stoff sollte möglichst eine natürliche Affinität zum Inhalt haben. Wenn die Blätter oder Duftpflanzen stachelig oder staubfein sind, muss der Stoff ein dichtes Gewebe haben. Baumwollbatist, Musselin und Küchenleinen eignen sich ausgezeichnet als Material für Stoffsäcklein.

Gartenarbeit im Juni
• Ziergarten
Stauden wie Rittersporn, Karthäusernelke, Lupine und Katzenminze nach der Blüte auf etwa 10 Zentimeter über dem Boden zurückschneiden. So blühen viele im Spätsommer ein zweites Mal. Wer Iris erhalten will, teilt nach der Blüte alte Horste. Auch einjährige Sommerblumen blühen erneut, wenn Verblühtes regelmässig entfernt, die Samenbildung vermieden und ausreichend gedüngt wird.
Abgeblühte Polsterstauden wie Blaukissen oder Gänsekresse zurückschneiden, damit die Pflanzen kompakt bleiben. Blütensträucher und Gehölze wie Flieder, Forsythie sowie Schneeball und Kornelkirschen, die im Frühjahr am einjährigen Holz blühen, nach der Blüte zurückschneiden. Hecken bleiben dicht, wenn diesjährige Triebe Ende Juni eingekürzt werden. Für Wasser- und Sumpfpflanzen ist jetzt günstige Pflanzzeit. Unterwasserpflanzen produzieren Sauerstoff, binden Nährstoffe und bremsen so die Algen. Rasen regelmässig mähen. Bei andauernder Trockenheit morgens einmal wöchentlich ausgiebig wässern. Während einer Feuchtwetterperiode düngen.
• Nutzgarten
Sonnenwarmer Boden ist die beste Voraussetzung zur Saat von Busch- und Stangenbohnen. Bei ungünstiger Witterung Stangen- und Spargelbohnen geschützt vorkeimen, danach als kleine Pflänzchen mit Startvorteil auspflanzen. Gestaffelt werden weiter Radieschen, Sommerrettich, Karotten und Salate gesät. Frasslöcher der Erdflöhe an den Blättern von Radieschen, Rettich, Rucola und Kohlarten sind lästig. Erdflöhe meiden feuchte Böden oder werden vertrieben von Salat, Spinat und Holunder. Darum anfällige Pflanzen in Mischkultur mit Salat pflanzen, den Boden gleichmässig locker und feucht halten und mit Salat-, Spinat- oder Holunderblättern mulchen. Auch Pflanzenbrühen aus Rainfarn oder Wermut vertreiben die Plagegeister.
Alle vorgezogenen Kräuter und Sommergemüse wie Tomaten, Melonen, Kürbis, Kohlarten, Kohlrabi, Zucchini, Patisson und Lauch auspflanzen.
Nach der Sonnenwende werden Herbstgemüse wie Zuckerhut, Endivie, Herbstfenchel, Winterlauch, Radicchio und Chinakohl in Schalen gesät.
Die Spargel- und Rhabarberernte wird nach Johanni (24. Juni) beendet. Die Pflanzen erhalten Dünger und Zeit für Wachstum und reichen Ertrag im Folgejahr.
Frei gewordene Beete nie brach belassen.
Gründüngung (z. B. Buchweizen, Tagetes, Phacelia, Senf) ist rasch ausgebracht und auch rasch wieder entfernt.
Bohnen, Kohl und Lauch werden angehäufelt. Tomaten regelmässig wässern, Seitentriebe ausbrechen und den Boden mit Mulch abdecken.
Pflanzen mit hohem Nährstoffbedarf (Kohl, Wirz, Lauch) mit Kompost und stickstoffbetonter Düngung versorgen.
Kräuter regelmässig ernten. Basilikum, Dill, GewürzFenchel und Minze regelmässig auf Seitentriebe zurückschneiden, damit daraus zarte Zweige nachwachsen. Küchenkräuter, bei denen die Blätter verwendet werden, laufend vor dem Blütenstadium ernten.
• Und ausserdem . . .
Der Bodenlockerung müssen wir besondere Aufmerksamkeit schenken.
Unkrautbekämpfung beziehungsweise tägliches «pro aktives» Kratzen mit der Pendelhacke. Durch tägliches Lockern des Bodens mit der Pendelhacke erzielen wir einen guten Luftaustausch und regen die Bodentätigkeit an. Dadurch kann Sauerstoff aufgenommen werden. Auf brachliegenden Beeten Bieneweide (Phacelia) einsäen. Die Bieneweide durchwurzelt den Boden und lockert diesen bis in tiefe Bodenschichten.
Gründüngungen vor den Ferien schneiden und kompostieren.
Direktsaaten fortlaufend ausdünnen (ein- bis zweimal pro Woche kontrollieren).


Zu unseren Kräutern zählen weitaus mehr Pflanzen als die bekannten Küchenfavoriten. Früher zog man Kräuter vor allem, weil sie nützlich waren. Scharf schmeckenden Thymian und Salbei beispielsweise schätzte man wegen ihrer antiseptischen Eigenschaften. Gartenlieblinge wie Johanniskraut, Malve und Echinacea waren bewährte Heilmittel. Heute freuen wir uns auch gerne nur am Duft und betörenden Aussehen der Heilpflanzen und -kräuter.

Doch natürlich profitieren wir auch von der «passiven» Mithilfe der Kräuter im Garten. Sie schützen den Boden vor starken Temperaturschwankungen, lockern ihn mit ihren Wurzeln, halten ihn feucht und sorgen dafür, dass Unkraut sich nicht breitmachen kann. Kurzum: Als Bodendecker sind sie unübertroffen. Die Kamille bedeckt schnell brachliegende Flächen, der Waldmeister mit seinen winzigen weissen Blüten breitet sich unter Bäumen aus, wo Gras nur schwer Halt findet. Veilchen sind ebenfalls Schattenpflanzen. Wenn sie angenehme Bedingungen vorfinden, sind sie nicht zu bändigen und breiten sich gerne unter Bäumen oder sogar im Gras aus. Attraktive und widerstandsfähige Pflanzen für sonnige Flecken sind die Schafgarbe mit ihre silbrigen Blättern und hellgelben Blüten oder kriechende Thymianarten.

Im Juni hat sich der Kräutergarten bereits prächtig entwickelt und wir sind bereits tüchtig damit beschäftigt, die jungen Blätter von Zitronenmelisse, Eisenkraut, Salbei, Pfefferminze und des griechischen Bergtees zu ernten. Und auch der Holunder ist jetzt bereit: Aus den Blüten und Erdbeeren lässt sich eine wunderbare Bowle machen.

Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen (AR) tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräutergarten von A. Vogel hegt.




Fotos: fotolia.com, mauritius-image.com

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