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Eins, zwei, Balkonparadies!

Kategorie: Pflanzen
 Ausgabe_05_2013 - 01.05.2013

Text:  Veronica Bonilla

Noch ist es nicht zu spät, um auf dem Balkon eine farbenfrohe Pflanzenoase zu erschaffen. Ob Erdbeeren, Geranien oder Fenchel – auch Last-minute-Gärtnerinnen und Garten-Neulinge werden mit dieser Anleitung reiche Ernte einfahren.

Und plötzlich ist er so richtig da, der Frühling. Kirschen und Lilien blühen in Nachbars Garten um die Wette. Süsslicher Fliederduft liegt in der Luft. Bloss, auf dem eigenen Balkon tut sich wenig. Vertrocknete Blumenstände, schilfrohrbraunes Gesträuch, dürre Blätter allenthalben. Schlagartig wird klar: So darf es nicht bleiben! Aus der braunen Steppe soll eine grüne Pflanzenoase werden.

1. Schritt: Gefässe vorbereiten

Als Erstes müssen Kistchen, Kübel und Gefässe parat gemacht werden: Vorjahreskraut ausreissen, Erde erneuern. Aber halt, da spriesst doch etwas! Ganz alleine grünt es vor sich hin in den Töpfen und Kistchen, zarte Blätter, forsche Gräser wachsen unverdrossen der Sonne entgegen. Natürlich ist es nur «Gjät», Unkraut, aber dieser Wille zur Entfaltung auf dem kleinen Stückchen Erde ist irgendwie rührend und schützenswert. Und wer weiss, was daraus wird. Im vergangenen Jahr hatte sich der majestätische Baumspinat mit seinem violett-rötlichen Herzen ungefragt auf dem Balkon niedergelassen und mannshohe Stängel gebildet, weiss der Himmel, woher die Samen kamen. Jedenfalls erfreute er Auge und Speisekarte bis weit in den Herbst hinein.

Chance fürs Unkraut

Unkraut, dieses autonom-archaische Gewächs, kommt dem Last-minute-Balkongärtner also durchaus entgegen, man darf ihm eine Chance geben und schauen, was daraus wird. Auch Sabine Reber hat diesbezüglich eine unverkrampft-pragmatische Haltung: «‹Gjät› und Zierpflanzen stören einander grundsätzlich nicht. Man muss aber aufpassen, dass das ‹Gjät› die Zierpflanzen nicht erstickt.» Ausserdem ist Unkraut gar nicht so klar definiert – und wird deshalb heute gärtnerisch korrekt Beikraut genannt. Katzenäuglein und Gundelrebe sehen nämlich ganz hübsch aus neben Erdbeeren oder Wicken. Sabine Reber empfiehlt: «sich auf die Intuition verlassen. In meinem eigenen Garten definiere ich selber, was Unkraut ist.»

Aber zurück zur Erde, die mit Dünger, Wasser und Licht zu den Lebenselixieren der Topfpflanzen gehört und deren Funktion nicht unterschätzt werden darf. Tatsache ist: Wer seinen Balkon gerne mit üppigen Blumen schmückt, frische Erdbeeren und Cherrytomaten nascht oder sich sogar an Gurken, Auberginen und Federkohl wagen will, muss jeden Frühling zumindest einen Teil frische, nährstoffreiche Erde in die Töpfe mischen, die je nach Grösse der Pflanze ein gewisses Volumen benötigen. Pflanzenerde gibt es im Gartengeschäft und in gut sortierten Grossverteilern, am besten ist natürlich Bio-Substrat. Als Faustregel gilt: Je schneller die Pflanze wächst und je grösser die Frucht, desto wichtiger, dass jedes Jahr neue Erde verwendet wird. Im Folgejahr gedeihen dann in dieser Erde kleinere Blumen, Gräser, Salat, Bohnen oder Rüebli. Danach ist sie jedoch verbraucht und kommt auf den Kompost. Einzig Wildpflanzen – oder eben Unkräuter – werden sich noch wohlfühlen in der mageren Erde, denn die wilden Schönheiten brauchen kaum Nährstoffe.

2. Schritt: Setzlinge und Samen besorgen

Wer genügsame Wildpflanzen mag, findet diese in Wildstaudengärtnereien. Samen und Setzlinge von Blumen und Gemüse oder verschiedene Kräuter können auf dem Markt oder im Gartengeschäft gekauft werden. Die Lichtverhältnisse auf dem Balkon oder der Terrasse werden bei der Auswahl eine Rolle spielen, ebenfalls das Klima. Im Fachhandel steht auf den Pflanzenschildchen und auch auf den Samentüten, welcher Standort optimal ist. «Im Schatten gedeihen nur Waldpflanzen», erklärt Sabine Reber. An einem sonnigen Ort hingegen fühlen sich mediterrane Pflanzen wie Lavendel, Rosmarin, ein kleiner Feigenbaum, Granatapfel oder Reben wohl. Es gibt inzwischen diverse Zwergsorten, die extra für die Kultur im Topf gezüchtet wurden. Ebenfalls Wärme brauchen Auberginen, Peperoni, Melonen, Tomaten und Gurken, aber Vorsicht: Die beiden letzten nicht in den gleichen Topf setzen, sie vertragen sich nicht. Dafür passen Geranien gut zu Tomaten – beide mögen kein Wasser auf ihren Blättern und ein möglichst geschütztes, warmes Plätzchen.

Das richtige Gefäss
Ob Ton oder glasierte Keramik, Plastiktopf oder Metallgefäss – die Auswahl ist riesig. Auch ausrangierte Weinkistchen, Wäschetröge, Reissäcke, Woks oder Gummistiefel eignen sich – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Damit die Pflanze nicht ertrinkt, braucht jeder Behälter ein Abflussloch, vor allem wenn er unter freiem Himmel steht. Weil anderseits in luftdurchlässigen Gefässen, die Feuchtigkeit schnell verdunstet, hilft es, einen Kunststofftopf in den Terrakottatopf zu stellen. Körbe werden vor dem Bepflanzen mit Plastik ausgelegt. Je kleiner das Gefäss, desto häufiger muss gegossen werden. Interessant für Balkongärtner sind die neuen vertikalen Pflanzsysteme. In Pflanztaschen können ganze Wände mit Salaten, Kräutern und Blumen begrünt werden. Blühende Zierpflanzen wie Fuchsien oder Kapuzinerkresse sehen besonders hübsch aus in sogenannten Ampeln oder hängenden Körben. Diese eigenen sich jedoch auch bestens für Erdbeeren und kleinwüchsige Gemüse arten. Vertikale Pflanzsysteme findet man beispielsweise bei www.vegandthecity.ch

3. Dranbleiben: mulchen, giessen, düngen

Sind die Setzlinge oder Samen in den Boden gebracht, brauchen sie als Erstes Wasser, und zwar luftwarmes. Also nach dem Giessen die Kanne immer gleich wieder auffüllen. Am liebsten mögen die Pflanzen Regenwasser; wer eine Möglichkeit hat, dieses von einer Regenrinne aufzufangen, wird bestimmt mit Extra-Blüten belohnt. Gerade in den ersten Wochen sollte mässig gegossen werden, damit sich die Wurzeln gut entwickeln. Je wärmer es wird und je mehr Blattmasse die Pflanzen produzieren, desto mehr Wasser benötigen sie. Von allen Gemüsen am meisten brauchen Peperoni, Gurken und Auberginen. Sie gehen sogar in «Fruchtstreik», wenn sie zu trocken haben. Und Salat und Fenchel reagieren bei Trockenheitsstress mit Blüte und Verzicht auf Kopf- oder Knollenbildung.

Fast schon ein Zaubermittel ist das Mulchen. Eine dünne Schicht Heu, Stroh, frische oder trockene Blätter – ideal sind Brennnesseln oder Beinwell – rund um die Pflanze sorgt dafür, dass die Erde nicht so schnell austrocknet, und führt ihr gleichzeitig Nährstoffe zu. Ums Düngen kommt man aber trotzdem nicht herum. «Das Allerwichtigste ist, nicht zu viel, aber regelmässig zu düngen», sagt Fachfrau Reber. Je nach Pflanze und Bodenqualität genügt alle zwei Wochen bis einmal im Monat. Düngen ohne Chemie ist mittlerweile schon fast Ehrensache. Biodünger gibt es im Fachhandel. Mit der richtigen Düngung kann man den Pflanzen beinahe zuschauen beim Wachsen und aus dem grauen Balkon wird in Windeseile ein Blumen- und Pflanzenmeer.

Buchtipps
• Sabine Reber: «Gärtnern – die neue Freiheit!», reich bebildertes Foto- und Lesebuch mit vielen unkonventionellen Tipps, blv-Verlag, Fr. 44.90
• Andrea Heistinger: «Handbuch Bio-Balkongarten», ausgesprochen fundiertes Basiswissen, leicht nachvollziehbare Anleitungen, viele Fotos sowie Porträts von Stadtgartenprojekten, Ulmer-Verlag, Fr. 42.90

Fotos: fotolia.com, mauritius-images.com

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