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Kategorie: Natur
 Ausgabe_05_2013 - 01.05.2013

Text:  Sabine Joss

Wer in den Sommermonaten im Unterengadin unterwegs ist, wird mit einer Vielzahl Alpenblumen beglückt und geniesst dabei die Aussicht auf die «Unterengadiner Dolomiten». Die imposante Alpen-Bergscharte zeigt sich im Sommer in ihrer ganzen Pracht.

Der Bahnhof Scuol – Schuls wie die Unterländer sagen und schreiben – und die Talstation der Motta-Naluns-Gondelbahn gleich nebenan, liegen am Rand des Dorfes. Von Dörfchen selber sieht man deshalb nur wenig. Ein kurzer Abstecher – vor oder nach der Wanderung – lohnt sich aber alleweil: Zu Fuss sind es knapp 10 Minuten. Die alten Dorfteile Sot und Sura, unterhalb der Hauptstrasse gelegen, zeigen ein Stück romanische Wohnkultur, mit beindruckenden Häusern und kunstvollen Sgraffiti an den Fassaden – in einigen Dorfbrunnen sprudelt frisches Quellwasser. Und dann ist da auch noch das Engadin Bad Scuol, wo sich müde Glieder bestens erholen können.

Viele Mineralquellen

Von der Gondel, die den Naturfreund zum Start der Wanderung auf Motta Nalus bringt, erkennt man gut, wie sich der Hauptort des Unterengadins entwickelt hat; oben liegt der modernere, hauptsächlich mit dem Tourismus gewachsene Dorfteil, unten der alte Teil. Von der Bergstation beginnen wir die Wanderung auf dem Strässchen rechts des nur im Winter in Betrieb stehenden Skilifts. Ein Pfad durch die Wiesen kürzt eine weite Kurve ab, dann folgt ein weiterer Abschnitt auf dem Strässchen zur Chamanna da Naluns. Dort endet der Asphaltbelag. Der Wanderweg führt durch das sogenannte Unterengadiner Fenster. Dies ist die geologische Bezeichnung für einen Bereich im Unterengadin mit einer Ausdehnung von 10 mal 70 Kilometern. Die umliegenden ostalpinen Decken aus Gneis- und Granitschichten fehlen hier, sodass tiefere penninische Decken aufgeschlossen sind. Indem die für Gase undurchlässigen ostalpinen Decken ein Fenster offen lassen, können hier Gase aus dem tieferen Erdinnern durch Risse und weiche Schieferschichten nach oben steigen und sich mit dem Grundwasser vermischen. Dieser geologischen Besonderheit verdankt die Region etwa 20 Mineralquellen mit unterschiedlichem Gehalt an gelösten Mineralien und entsprechend unterschiedlichem Geschmack. Die Quellen sind schon seit dem 14. Jahrhundert bekannt, der Bädertourismus begann im 19. Jahrhundert und zieht auch heute noch zahlreiche Badegäste an.

Spuren der Vergletscherung

Mit wenig Höhenunterschied leitet uns der Wanderweg an der schuttreichen Südseite des Piz Clünas entlang zur Alp Clünas. Auf diesem Panoramaweg präsentiert sich eine wundervolle Aussicht über das ganze Unterengadin. Besonders eindrücklich thronen auf der gegenüberliegenden Talseite die «Unterengadiner Dolomiten» mit der Lischana und der Pisoc-Gruppe. Wir wandern auf einer Höhe von etwas mehr als 2400 Metern über Meer, gut 1300 Meter höher als das Flussbett des Inns. Es ist fast unvorstellbar, dass der Inngletscher während der letzten Eiszeit sogar bis oberhalb dieses Wegs reichte. Doch die Mächtigkeit des Eisstromes hat deutliche Beweisspuren hinterlassen. Unter den schroffen Gipfeln hat der Inngletscher bis auf über 2500 Meter Höhe abgerundete Buckel geschaffen.

Farbenfrohe Blumenpracht

Bis zur Alp Clünas ist der Wanderweg eher ein Spaziergang. Dann aber geht es zur Sache. In der Falllinie führt der Pfad steil den Hang hinauf und an Lawinenverbauungen vorbei Richtung Gipfel des Piz Clünas. Je höher wir steigen, desto reicher an Edelweiss werden die niedrigen Rasen und desto schöner und weiter wird die Aussicht. Oben auf dem Gipfel leuchten tiefblaue Enzianpolster. Etwas zerstreut kommt die aromatisch duftende Echte Edelraute vor. In einem Tälchen nordwestlich des Gipfels schimmert aus dem Geröll der türkisfarbene Lai da Minschun, ein kleiner Bergsee, an dem uns die Abstiegsroute vorbeiführt. Weniger steil als der Aufstieg wandern wir um die Westseite des Piz Clünas zurück zur Abzweigung auf der Alp Clünas. Wem der Aufstieg auf den Piz Clünas zu steil und der Abstieg zu geröllreich ist, kann den Gipfel auch weglassen und an dieser Abzweigung bereits mit dem Abstieg nach Lidorna beginnen. Im Zickzack steigen wir durch die farbenfrohen Weiden mit Arten aus Blaugras- und Rostseggenhalden talwärts. Gelbe Sonnenröschen, purpurrote Berg-Esparsetten, Gold-Pippau und gelbe Kerzen der Straussblütigen Glockenblume leuchten in den Sommermonaten in den verschiedensten Farbtönen. Der weissliche Schnee-Klee dazwischen ist eine Unterart des Rot-Klees.

Unterhalb von Lidorna, wo sich wieder Wege kreuzen, gibt es die Flurbezeichnung Clünas ein weiteres Mal. Wir folgen dem oberen Weg Richtung P. 2169. Schon nach wenigen Metern wächst die stattliche Alpen-Bergscharte (Stemmacantha rhapontica) flächendeckend. Zu bewundern ist die bis zu 150 Zentimeter hoch wachsende Pflanze von Mitte Juli bis anfangs August. Sie gehört zur Familie der Korbblütler und wächst westalpin in der Schweiz, in Italien, Slowenien und in einem kleinen Gebiet in Frankreich. Die Pfl anze gilt als rar, in den Kantonen Bern und Glarus ist sie geschützt.

Ein Paradies für Bienen und Hummeln

Einige der imposanten Blütenköpfe sind versehentlich von weidenden Kühen abgegrast worden. Sonst scheint diese grossblättrige Pflanze mit ihren rosa bis purpurnen Blüten kein bevorzugtes Futter der Tiere zu sein und die Kühe lassen sie stehen. Dafür herrscht reges Kommen und Gehen von Bienen, Hummeln und weiteren Insekten. Der auffällige, aus vielen kleinen Einzelblüten bestehende Blütenkopf weist den Bestäubern den Weg. Auch Arnika, Berg-Pippau oder Gemswurz- Greiskraut mit unter den gelben Blütenköpfen verdicktem Stengel sind weitere auffällige Arten in der Umgebung.

Das Buch «Blütenwanderungen in der Schweiz» ist als Leserangebot zu einem Vorzugspreis erhältlich.

Blütenwanderung im Unterengadin
• Anreise Mit der Bahn via Landquart nach Scuol. Dann mit der Gondelbahn bis Motta Naluns.
• Rückreise Von Ftan mit dem Postauto zurück nach Scuol.
Schwierigkeit Gute Bergwanderwege, steiler Aufstieg auf den Piz Clünas (kann weggelassen werden, siehe Varianten).
• Dauer 4 ½ Stunden
• Höhendifferenz 650 m Aufstieg, 770 m Abstieg.
• Unterkunft/Verpflegung Diverse Hotels und Restaurants in Scuol und Ftan. Restaurant bei der Bergstation Motta Naluns und 300 m
östlich der Bergstation Natèas (Prümaran Prui).
• Karten Landeskarte 1:25 000, 1199 Scuol
Wanderkarte 1:50 000, 249T Tarasp
• Varianten Abstieg von der Alp Clünas ohne Besteigung des Piz Clünas: ca. 1 ½ Stunden weniger. Mit dem Sessellift von Natèas bis Ftan: ca. ¾ Stunden weniger. Von Lidorna in einem weiten Bogen via Alp Laret nach Ftan: zusätzlich 40 m Aufstieg, 500 m Abstieg, insgesamt 1 ½ Stunden.
• Weitere Informationen Engadin/Scuol Tourismus, Telefon 081 861 22 22, www.engadin.com, www.scuol.ch, www.ftan.ch, www.sent-online.ch

Fotos: swiss-image.ch/Max Galli, fotolia.com

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