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Kräftige Winzlinge

Kategorie: Garten
 Ausgabe_01_2013 - 01.01.2013

Text:  Vera Sohmer

Keimlinge und Sprossen sehen zart und apart aus. Doch sie sind weit mehr als Dekoration: Die kleinen Kraftpakete liefern eine geballte Ladung Nährstoffe – und damit so ziemlich alles, was der Körper im Winter braucht.

Auf dem leuchtend gelben Kürbis- Karotten-Salat sind die lilafarbenen Rotkohlsprossen ein toller Farbkontrast. Die Kressesprossen mit ihrem zarten Grün verpassen dem Kartoffelpüree den optischen Frischekick. Und wie hübsch ist die mit ein paar roten Linsenkeimlingen garnierte Tomatensuppe.

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Sprossen und Keimlinge von A bis Z

Keimlinge (frisch gekeimte Samen) und Sprossen (weiterentwickelte Keimlinge mit grünen Blättchen) sind beliebt. Schliesslich lässt sich mit ihnen vieles ganz unkompliziert appetitlich anrichten: Dips und Suppen ebenso wie Sandwiches, Salate oder ein Risotto. Sie auf ihr gutes Aussehen zu reduzieren, hält Michael Brönnimann von der Lebensmittel-Manufaktur «Naturkostbar» aber für verwerflich. «Gekeimte Saaten sind eines der wertvollsten Lebensmittel überhaupt. Etwas Besseres kann man kaum für sich tun.» Seit er jeden Tag selbst gezogene Keimlinge und Sprossen esse, fühle er sich frisch und fit und gehe energiegeladener durchs Leben.

Reich an Eiweiss

Brönnimanns Empfinden mag subjektiv sein, fest aber steht: Keimlinge und Sprossen werden allgemein als Powerpäckchen gepriesen. Durch den Keimvorgang schnellt der Gehalt an Nährstoffen in die Höhe. Alle essenziellen Bausteine werden dabei auf Hochtouren produziert, erklärt Brönnimann. Hinzu kommt, dass die wertvollen Inhaltsstoffe aus der gekeimten Saat vom Körper besonders gut aufgenommen werden. Keimlinge und Sprossen sind reich an hochwertigem Eiweiss, Mineralstoffen, Enzymen und Vitaminen. Kurzum: Wer Wert auf gesunde Ernährung legt, sollte die Winzlinge auf den Speiseplan setzen. Sie seien eine willkommene Abwechslung und Ergänzung, erst recht in der kalten Jahreszeit mit dem eher kleinen Saisonangebot, heisst es bei der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung.

Gesund ist schön und gut. Aber mundet Gekeimtes auch? Und ob, schwärmt Kochbuch- Autorin Valérie Cupillard. Keimlinge und Sprossen verwöhnten uns mit neuen Aromen, seien pure Gaumenfreude. Den Beweis liefert die Bioköchin mit überraschenden Rezepten: Da werden der Minestrone kurzerhand gekeimte grüne Linsen verpasst; in die Frühlingsrollen Sprossen von Sonnenblumenkernen eingewickelt. Und der Bratapfel bekommt eine Garnitur der Extra-Klasse: eine Mischung aus Honig, Zimt und gekeimtem Sesam.

Köstlich auf dem Butterbrot

Kenner kombinieren Keimlinge raffiniert und gekonnt. Sie mischen süsslich-milde aus Weizen oder Hafer ins Müesli oder den Fruchtsalat. Garnieren goldbraun gebratene Kartoffeln mit pikant schmeckenden Zwiebelsprossen. Oder streuen mildwürzige Alfalfa-Keime einfach aufs Butter- oder Frischkäsebrot. Überhaupt Alfalfa: Wer zu Hause selbst Keimlinge ziehen will und es zum ersten Mal probiert, ist mit dieser Sorte gut beraten. Alfalfa, auch Luzerne genannt, keimt leicht und schnell – innerhalb von vier Tagen sieht man das Ergebnis. Für Anfänger sicher motivationsfördernd und vielleicht Anlass, es nach und nach mit heikleren Sorten wie beispielsweise Randen zu probieren. Michael Brönnimann kann das Selbst-Kultivieren wärmstens empfehlen. So habe man alles frisch von der Fensterbank. «Und mit ein paar Grundkenntnissen funktioniert es wunderbar.»

Wichtig sei, auf Hygiene zu achten. Sprich: nur saubere Gläser oder Keimvorrichten zu verwenden, das Keimgut regelmässig zu wässern, aber aufzupassen, dass sich keine Staunässe bildet. Und: die richtige Sorte fürs richtige Gerät zu verwenden. Samen von Kresse oder Rucola bilden viel Schleim. Im Glas können sich deshalb leicht Fäulnis und Schimmel breitmachen. Darum lieber auf einem flachen Teller keimen lassen oder diese Samen mit anderen Sorten wie Alfalfa mischen. Ebenfalls ein guter Trick: Fügt man keimenden Hülsenfrüchten einige Rettichoder Senfsamen bei, bleibt das Keimmilieu frei von Bakterien.

Roh oder blanchiert?

Wer seine Keimlinge und Sprossen hegt und pflegt, muss also keine Angst haben, sich neben den wertvollen Nährstoffen auch Bakterien oder Schimmelpilze einzuverleiben und kann darauf verzichten, wie oft geraten, grundsätzlich alles Gekeimte erst einmal kurz zu erhitzen. Dies empfiehlt sich laut Valérie Cupillard nur bei grünen Linsen und Kichererbsen, um deren unverdauliche Stoffe herauszulösen. Auch Keimlinge von Sojabohnen sollten blanchiert werden. Ansonsten gilt: Wenn möglich – gut gewaschen – roh verzehren und so von der ganzen Ladung Energie spendender Nährstoffe profitieren. Denn erhitzt verlieren die Powerpäckchen schnell einen Teil der Vitamine.

Fotos: fotolia.com

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