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Auf zu neuen Taten

Kategorie: Garten
 Ausgabe_01_2013 - 01.01.2013

Text:  Remo Vetter

Nach den vielen Feiertagen mit gemütlichem Beisammensein ist es an der Zeit, wieder nach draussen zu gehen – auf den Markt und in den Garten, um Topinambur und Kohl zu ernten.

Nach all den Feiertagen in der warmen Stube freue ich mich auch auf den ersten Marktbummel im neuen Jahr. Wacker und unerschrocken trotzen die Gemüsebauern den garstigen Januartemperaturen. Mit Plastikblachen schützen sie sich und ihre Auslagen vor der grössten Kälte und dem eisigen Wind. Seit ich vor vielen Jahren selbst einmal einen Tag lang bei minus 10 Grad Gemüse auf dem Markt verkaufte, habe ich einen riesigen Respekt vor den Bauern und Marktfahrern. Jetzt im Januar liegt die letzte Ernte des Jahres auf dem Markttisch. Schön nach Länge und Dicke sortierte Schwarzwurzeln, rohe und gekochte Randen, Fenchelknollen, Sauerkraut und Sauerrüben, Kartoffeln, Nüsslisalat und Endivie, Palmkohl, Federkohl und Topinambur. Der Speisezettel ist in dieser Jahreszeit einfacher geworden, wenn wir uns mit einheimischen Produkten versorgen.

Geniale «Indianerkartoffel»

Topinambur, dieses alte Gemüse, das lange vor dem Zweiten Weltkrieg in ganz Europa verbreitet war und dann in Vergessenheit geriet, erlebt in den letzten Jahren ein Revival, vor allem bei Produzenten, die biologische Landwirtschaft betreiben.

Geerntet werden die Knollen gleich wie Kartoffeln, jedoch erst ab November bis April. Ein grosser Vorteil von Topinambur ist, dass er auch grösste Kälte erträgt und so den ganzen Winter hindurch frisch ausgegraben werden kann. Das ist vor allem gut, wenn zum Beispiel die Kartoffeln bereits aufgebraucht sind und sonst noch nichts Frisches im Garten spriesst. Sollten wir überschüssige Exemplare haben, lassen wir sie einfach im Boden, wo sie sich Jahr für Jahr verbreiten. Wegen seiner dünnen Schale sollte Topinambur nicht lange gelagert werden; er verliert schnell seine Feuchtigkeit und wird runzlig.

Topinambur eignet sich ausgezeichnet als Spezialkost für Diabetiker. Die Knolle enthält Kalzium, Eisen, Phosphor, viel Vitamin B und C sowie Karotin zum Aufbau des Vitamin A. Die Verwendung ist vielseitig. Die Knollen können wie Kartoffeln gedämpft, gedünstet, gekocht, gebraten, gebacken oder püriert zubereitet werden. Sie können aber auch roh, als Salat oder zu einem Dessert verarbeitet werden.

Gartenarbeit im Januar
Im Winter muss der Boden nicht umgegraben werden, denn der nasse, harte Boden wird dabei nur unnötig verdichtet. Doch es gibt auch andere Meinungen und Ansichten zum Thema: Einige raten zum Umgraben im Herbst, andere zur Brache und wieder andere – und ich auch – zum Nichtstun, sprich Belassen, wie es ist. Möglich ist alles. Ich persönlich halte mir das Bild des Meeres vor Augen. Ebenso wie im Meer, wo Fische und Lebewesen in ganz spezifischen Tiefen heimisch sind, leben in der Erde bestimmte Kleinlebewesen nur in bestimmten Schichten. Wenn ich diese Bodenschichten und Strukturen durch Umgraben oder mechanische Bearbeitung verändere, zwinge ich die Kleinlebewesen zu einem Leben in einer für sie ungünstigen Umgebung. Das ist meine subjektive Wahrnehmung und so setze ich in meinen Garten auf permanente Bepflanzung, Gründüngung und «Bodenkosmetik» mit Brennnessel- und Beinwell-Auszügen. Diese einfache Art der Bodenpflege hat sich bewährt. Zudem erlaubt es diese Arbeitsweise, den Januar gemächlich anzugehen. Es bleibt Zeit, um Saatgut zu bestellen, im Treibhaus oder im Wintergarten einige Pflanzen anzusäen und um sich Gedanken zu machen, was man im kommenden Frühjar, wo pflanzen will.

Ernten
● Winterharte Kohlsorten liefern frische Vitamine und können im Boden bleiben, bis sie verwendet werden.
● Steckrüben sollten Sie ernten, bevor sie zu gross und holzig werden.
● Knollensellerie nach Bedarf ernten. Es bewährt sich, eine Schicht Stroh um die Wurzeln zu verteilen, um die Pflanzen länger im Boden belassen zu können.
● Pastinaken vertragen einige Minusgrade und schmecken sogar noch süsser, wenn sie Frost bekommen haben.
● Lauch wird auf dem Beet belassen und frisch geerntet.
● Winter-Endivien überstehen den Winter auf dem Beet, wenn sie mit Folien geschützt werden.
● Rosenkohl wird von unten nach oben geerntet, wenn er heranreift.
● Alle Grünkohlsorten sind frosthart und können den ganzen Winter über geerntet werden.
● Winterrettich ernten. Er schmeckt roh im Salat oder wie Rüben gekocht.
● Topinambure im Boden belassen und erst ausgraben, wenn sie gebraucht werden sollen.
● Brokkolis können in milderen Gegenden bis im Frühjahr geerntet werden.
● Im Januar ist der erste Winter-Blumenkohl erntereif. Die Köpfe überstehen Frost besser, wenn man die äusseren Blätter über ihnen zusammenbindet.

Ein Lob auf das Sauerkraut

Etwas weniger Anklang bei den Kindern findet erfahrungsgemäss Sauerkraut. Doch erwachsene Feinschmecker schätzen den eingemachten Kohl als Beilage zu deftigen Fleischgerichten, aber auch als Belag einer salzigen Wähe. Unbestritten ist auch die heilsame und entschlackende Wirkung des Sauerkrauts: Es wird bei Schlankheitskuren angewendet, denn es baut Fett im Körper ab (sofern wir nicht gerade Speck dazu essen) und es wirkt stoffwechselanregend. Sauerkraut ist ausser dem reich an Vitaminen und Mineralstoffen.

Das Angebot im Handel ist vielfältig und doch findet man vielleicht nicht immer das Sauerkraut, das dem eigenen Geschmack entspricht. Darum gibt es eigentlich nur eine Lösung: selber machen. Am besten eignet sich Winterkohl, weil er einen höheren Zuckergehalt hat als Kohl aus der Sommerernte.

Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen (AR) tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräutergarten von A. Vogel hegt.

Fotos: fotolia.com, artist in doing nothing/flickr/cc

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