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Älter als das Weihnachtsfest

Kategorie: Natur
 Ausgabe 12 - 2012 - 01.12.2012

Text:  Isabelle Meier

Funkelnde Lämpchen, prächtige Sterne und Kugeln: In der Weihnachtszeit wird ringsum üppig dekoriert. Der Brauch, Bäume und Zweige zu schmücken, hat ursprünglich aber nichts mit dem Christfest zu tun.

Dass wir in der Adventszeit unsere Häuser schmücken, hat eine lange Tradition. «Sie begann sogar schon vor Christus», erklärt der Basler Johann Wanner, der weltweit bekannte Hersteller und Händler von handgefertigtem Weihnachtsschmuck, der 1998 den Christbaum des Vatikans auf dem Petersplatz in Rom schmückte und auch schon für Hillary Clinton im Weissen Haus den Baum festlich verzierte. «Schon die Römer haben bei den Saturnalien ihre Bäume mit Kerzen geschmückt.» Die Römer feierten jeweils Ende Dezember ein Fest zu Ehren des Gottes Saturn. Auch bei der Sonnenwendfeier am 21. Dezember, dem Tag der Wintersonnenwende, wurden früher Zweige mit Kerzen geschmückt. Die Kerzen symbolisierten die Sonne, die nach der Sonnenwende wieder länger schien. Dieser Brauch des Schmückens wurde später von den Christen übernommen.

Glaskugeln statt Nüsse und Äpfel

Der Weihnachtsbaum kam jedoch erst viel später in unsere Stuben. Erst im 16. Jahrhundert zeugen erste Aufzeichnungen davon, dass man Christbäume im Haus aufstellte. Quellen zufolge war der Weihnachtsbaum zunächst das Weihnachtssymbol der Protestanten. Die katholischen Gebiete standen dem Christbaum lange skeptisch gegenüber. Noch kurz vor 1900 wurde der Protestantismus gerne als «Tannenbaum- Religion» verunglimpft. Aber bald darauf hielt der Christbaum auch in katholische Familien Einzug – nebst der Krippe, dem wahren christlichen Weihnachtssymbol, das noch heute in den lateinischen Ländern einen höheren Stellenwert hat als der Baum. Übrigens: der Christstern hat mit Weihnachten nichts zu tun. Seinen Namen trägt der Weihnachtsstern bloss, weil seine Blütenbildung um die Weihnachtszeit herum vollendet ist.

Der Baumschmuck unterschied sich anfangs noch sehr von unseren heutigen Deko-Artikeln. «Früher schmückte man den Baum mit dem, was einem lieb und teuer war», erzählt Johann Wanner. Dazu gehörten Esswaren – vor allem Äpfel und Nüsse – sowie Kerzen. Später kamen Gebäck und Zuckerwaren hinzu. Deshalb nannte man den Weihnachtsbaum in manchen Regionen auch Zuckerbaum. Neben Süssigkeiten spielten sehr früh auch vergoldete und versilberte Elemente eine wichtige Rolle, vor allem Äpfel und Nüsse. Dieser Schmuck wurde von jeder Familie selber hergestellt, in der Regel für jedes Weihnachtsfest neu. Die Chistbaumkugeln hat einer Legende zufolge ein armer Glasbläser erfunden, der sich im Jahre 1847 die teuren Walnüsse und Äpfel nicht leisten konnte und stattdessen farbige Glaskugeln an den Baum hängte.

Entsprechend gelten die Kugeln als Symbol für den Apfel. Die runde Form steht zudem für die Vollkommenheit. Auch die anderen traditionellen Weihnachtsfiguren wie Herz, Engel und Vogel haben eine spirituelle Bedeutung. Dessen ist sich auch Johann Wanner bewusst, wenn er einen Baum schmückt – und deshalb versteckt er im Baum jeweils einen Teufel. Die Schattenseiten des Lebens solle man nicht einfach ausblenden oder verdrängen, meint er. «Wenn der Teufel im Baum hockt, habe ich ihn im Auge. Dann kann er mich nicht von hinten anfallen», sagt er.

Fotos: fotolia.com

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