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Wohnzimmerzeit

Kategorie: Garten
 Ausgabe 12 - 2012 - 01.12.2012

Text:  Remo Vetter

Draussen ist es kalt und düster. Doch im Haus ist es wohlig warm; Kürbisse leuchten um die Wette und aus der Küche duftet es nach Weihnachten.

Es ist Winter, die Natur schläft: Die Menschen auf dem Land, zumindest bei uns im Apenzellerland, richten sich häuslich ein; nur wer muss, geht vor die Tür. Der Kachelofen spendet wohlige Wärme, man liest, spielt und bleibt länger bei Tisch.

Der Winter – und vor allem der Dezember – ist die Zeit der Gerüche im Haus. Natürlich kommen sie aus der Küche, entsteigen herb und kräftig den Töpfen oder süss und würzig dem Ofen. Wann haben Sie zum letzten Mal Konfitüre gekocht, Likör hergestellt oder gar Sauerkraut eingemacht? Wenn ich Besucher danach frage, bekomme ich meist zur Antwort, das sei zu aufwendig, zu altmodisch oder einfach «keine Zeit». Dennoch scheinen solche hausgemachten Leckereien einem Bedürfnis zu entsprechen, füllen wir unsere Taschen an den Weihnachtsmärkten doch immer wieder gerne mit Selbstgemachtem.

Konservieren
Die häufigste Art, Lebensmittel zu konservieren, haben schon unsere Grosseltern angewandt. Das Einmachen oder Sterilisieren ist heute noch die energieschonendste und billigste Konservierungsmethode. Dazu benötigen Sie Einmachgläser mit Deckeln, die luftdicht verschliessen. Es gibt verschiedene Typen von Gläsern: solche mit RillenMassivrand, mit Bügelfederverschluss, mit Gummiabdichtungen, Flachrandgläser oder mit Twist offVerschluss. Flachrandgläser sind meiner Meinung nach die besten, weil sie durch breite Gummiringe und sehr breitgeschliffene Ränder besonders gut schliessen. Erhältlich sind ausserdem sogenannte Sturzgläser, die man vor allem zum Einkochen von Fleisch, Suppen und Saucen verwenden kann; ein fester Inhalt lässt sich durch kurzes Eintauchen der Gläser in heisses Wasser leicht stürzen oder lösen. Vor Gebrauch sollten alle Gläser genau kontrolliert werden. Schadhafte Gläser und rissige Gummidichtungen sollten laufend ersetzt werden. Die Gläser vor dem Füllen immer gründlich auswaschen und heiss klarspülen.

Düfte einfangen

Dezember ist auch die Zeit der Erinnerungen: Nikolaus, Weihnachten, Silvester. Wenn man die Augen schliesst, weiss man, wie diese Feste duften oder man erinnert sich, wie sie früher dufteten. Und es ist die Zeit, wo die Vorratskammern gefüllt sind mit liebevoll angelegten Vorräten: Zwiebeln, Kohl, Kürbisse und Äpfel im Keller, Eingemachtes und Getrocknetes in den Schränken. Die Ernte des Gartenjahres liegt geborgen im Haus.

Diesen Reichtum an Gaben, Düften und Stimmungen am besten wiedergeben, können Gärtner und Gärtnerinnen, Köche und Köchinnen. Dies ist letztlich auch der Grund, weshalb ich gärtnere, nämlich um den Reichtum, die Farbenpracht und die Düfte der Natur unmittelbar zu erleben, einzufangen und wiederzugeben. Eine schier unendlich grosse Palette von Möglichkeiten bieten hierfür Kürbisgewächse: Sie lassen sich nicht nur auf unzählige Arten einmachen und kochen; mit ihren prächtigen Farben und drolligen Formen sind sie auch ideale Dekorationsobjekte. Baby Boo, Big Max Butternut, Spaghettikürbis und wie sie alle heissen, sind ursprünglich als Lebensmittel gezüchtet worden. Weil sie aber eben auch hübsch anzusehen sind, gibt es mittlerweile eine grosse Auswahl, die nur für dekorative Zwecke verwendet werden. Für Arrangements eignen sich nur die in voller Reife geernteten lagerfähigen Sorten, so bleiben sie in der Regel über viele Monate hinweg sehr schön. Ich selbst bin vor vielen Jahren dem Reiz dieser Pflanzen verfallen. Jedes Jahr schmücke ich das Haus mit Kürbissen: kleine Exemplare fülle ich in eine grosse Terrakottaschale. Andere arrangiere ich auf einer Gartenbank oder ich lege sie ganz einfach aufs Fensterbrett.

Früher bauten wir nur Zucchini und Rondini an.Vor zehn Jahren hat es uns gepackt und wir säten 27 Sorten Kürbisse. Sie wuchsen zu unserer Faszination in allen möglichen und unmöglichen Farben und Formen heran. Wir wurden zu richtigen Kürbisexperten und bereiteten, schon fast zum Leid unserer Kinder, die Kürbisse in allen erdenklichen Variationen zu. Vom Kürbisbrot über den Kürbiskuchen bis hin zur Kürbissuppe, zum Kürbisauflauf und zum Kürbisgratin kam alles auf den Tisch.

Arbeiten im Dezember
Lagern, kontrollieren, einmachen

• Im Dezember müssen Sie sich entscheiden, ob Sie das letzte Gemüse im Beet lassen oder ernten und einlagern wollen. Rosenkohl, Winterkohl, Brokkoli, Grünkohl und Lauch können bleiben, wo sie sind.
• Theoretisch können auch Pastinaken, Steckrüben, Knollensellerie und Winterrettich im Beet bleiben, sollten aber mit Stroh oder Reisig abgedeckt werden. Wenn allerdings Gefahr besteht, dass der Boden richtig hart gefriert, sollten Sie Wintergemüse wie Karotten, Rüben und Randen vor Jahresende ernten.
• Damit sich Gemüse lange hält, sollte es kühl, trocken und möglichst dunkel gelagert werden. Zum Beispiel in einem Schuppen, sofern er frostfrei ist und keine Mäuse und Ratten hineinschlüpfen können. Keller oder Garage sind ebenfalls geeignet, wenn es dort nicht zu warm ist. Wichtig ist eine gute Belüftung, denn in stehender, feuchter Luft vermehren sich Krankheitserreger schnell.
• Lagern Sie nur gesundes Obst und Gemüse ohne Schäden oder Anzeichen von Krankheiten ein. Sortieren Sie alles aus, was nicht einwandfrei ist, sonst kann es faulen und den Vorrat «anstecken».
• Jedes Mal, wenn Sie etwas aus dem Vorrat holen, um es zu verwerten, sollten Sie den Rest kurz kontrollieren und alles aussortieren, was nicht mehr gesund ist.

Immenses Wachstum

Da die Jungpflanzen sehr kälteempfindlich sind, sollte man mit der Kürbis-Aussaat aber unbedingt bis Mitte Mai zuwarten.Wir säen die Kürbisse einzeln in nicht zu kleinen Töpfen aus, in denen sie heranwachsen können. Wenn die Zeit der Nachtfröste vorbei ist, werden die dann schon recht kräftigen Pfl anzen draussen ausgesetzt. Je grösser die Keimlinge sind, wenn sie ins Freiland kommen, desto besser. Die Pflanzen brauchen mindestens einen Quadratmeter Platz, gute Komposterde und viel Wasser. Das verdanken sie mit immensem Wachstum. Von der Aussaat bis zur Ernte dauert es in der Regel dreieinhalb Monate.

Alle Sorten benötigen viel Sonne. Wichtig ist, dass die rankenden Sorten sehr viel Platz haben. Entweder durch ausreichend Bodenfl äche oder in Form eines Rankgerüstes oder eines Blumenbogens. Es kann gut vorkommen, dass die Ranken der Kürbispfl anzen zwischen sechs und zehn Meter lang werden. Bei uns zieht es sie weit über die Gartenbeete hinaus in die Naturwiese. Achten Sie auf ausreichende Bewässerung sowie genügend Nährstoffe in Form von organischem Dünger. Wenn Sie grosse Früchte ernten möchten, stutzen Sie die Pflanze frühzeitig, sodass sie ihre Kraft in das Wachstum der Früchte legen kann, die Sie an der Pfl anze belassen haben. Im dunklen, gut durchlüfteten Keller lagern wir das Gemüse bis weit über den Jahreswechsel hinaus. Unsere Favoriten sind Butternut, Golden Delicious, Marina di Chioggia und Mustard.

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