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Herzblumen

Kategorie: Garten
 Ausgabe 11 - 2012 - 01.11.2012

Text:  Remo Vetter

Im Garten finden wir Ruhe und Inspiration, und wer die Gartenschere im Herbst nur für das Schneiden von Blumen verwendet, wird im Winter mit einem Naturspektakel belohnt.

Wenn ich einen fremden Garten besuche, verhalte ich mich fast wie eine Biene: Ich lasse mich von den Farben anziehen. Der optische Eindruck ist zuerst der wichtigste. Doch was macht einen Garten eigentlich besonders? Warum fühlen wir uns darin wohl? Was gefällt uns speziell? Sind es die Proportionen? Die Farben? Die Texturen? Oder liegt es daran, wie die Pflanzen aufeinander abgestimmt sind?

Dass der Garten die Sinne anregt, kann vor allem auch bei Kindern und älteren Menschen schön beobachtet werden: Instinktiv greifen Hände zu Früchten und Blättern, schnuppern Nasen an Blüten. Wie viel Zeit haben unsere drei Mädchen doch im Sommer in ihren spontan aufgestellten Zelten und Baumhütten verbracht, Geschichten erfunden und abends wollten sie gar nicht mehr ins Haus kommen, sondern viel lieber im Garten schlafen. Ein Garten regt die Fantasie und die Sinne an. Und er kann jeden Tag neu entdeckt werden. Manchmal kommt es deshalb auch vor, dass ich mein Ziel – nämlich zu arbeiten – aus den Augen verliere, weil mich eine Pflanze, eine Hummel oder ein Schmetterling so sehr in den Bann gezogen hat.

Schmuck fürs Haus

Obwohl ich Blumen persönlich lieber draussen im Beet oder in der freien Natur betrachte, fällt mir immer wieder auf, dass ein kleiner Strauss Feldblumen jeden Raum sofort mit Leben und Schönheit erfüllt. Vor der Haustüre, im Garten oder auf dem Bauernmarkt, überall finden wir zu jeder Jahreszeit wunderbare Blumen und Zweige und können so ganz einfach ein bisschen Natur ins Haus bringen. Blumen zeigen, dass man sich um sein Heim kümmert. Blumen sind Ausdruck des Augenblicks. Sie sind Glücksbringer und vermitteln uns Wachstum, Wandel und Vergehen. Wir lieben Blumen wegen ihrer sinnlichen Eigenschaften; die unwahrscheinliche Formen- und Farbenvielfalt und der Duft regen unsere Vorstellungskraft an. Blumen inspirieren Dichter, Maler und Schriftsteller – ein bunter Strauss bereichert jeden Arbeitsplatz – und manch einer setzt sich gar, wenn es das Wetter erlaubt, in den Garten oder er geht in die Natur, um dort kreativ zu arbeiten.

Gartenarbeiten im November
• Allgemein
Aussaat von dicken Bohnen, Pflanzung von Knoblauch und Rhabarber.
Pflanzung wurzelnackter Bäume und Sträucher, ehe der Boden zu kalt und zu nass wird.
Schnitt von Apfel- und Birnbäumen und Beerensträuchern jetzt und während der Winterruhe.
Beete eventuell mit Folie abdecken, um Pflanzen vor starkem Regen und Frost zu schützen.
• Gemüse und Obst
Rosenkohl: Die jungen Blätter an den Spitzen kann man abschneiden und wie Frühlings-Blattgemüse zubereiten.
Blumenkohl: Er kann im Beet bleiben, bis es richtig kalt wird.
Bohnen: Sollen Bohnen eingelagert werden, können sie an den Pflanzen bleiben, bis die Hülsen ganz getrocknet sind.
Endivie: Der Salat kann bis in den Winter geerntet werden.
Winterspinat: Das Gemüse wächst sehr schnell. Ab jetzt ernten, vor schlechtem Wetter schützen.
Federkohl und Palmkohl: Beides kann den ganzen Winter hindurch geerntet werden.
Kohlrabi: Der Knollen verträgt einige Minusgrade, sollte aber bei zu tiefen Temperaturen mit Vlies geschützt werden.
Rüben: Sie sollten bei Frostgefahr geerntet und eingelagert werden.
Knollensellerie: Das Gemüse vorsichtig ausgraben, Laub entfernen und einlagern.
Pastinaken: Nach Bedarf ernten. Radieschen: Jetzt die letzten ernten, bevor sie holzig werden.
Pflücksalate: Diese Salate sollten vor Frost geschützt werden.

Pflanzen stehen lassen

Jetzt im November geht es im Garten beschaulich zu, Arbeit gibt es wenig. Das hat nicht nur mit der Jahreszeit, sondern auch mit einem meiner Grundsätze zu tun. So viel wie möglich stehen lassen, lautet er. Ich schneide nur ab, was ohnehin schon zusammengebrochen ist. Und aus den Beeten räume ich nur weg, was den matschigen Herbst nicht überstehen würde. So kann ich in den nächsten Wochen und Monaten als stiller Beobachter dem Naturschauspiel im Garten zuschauen und dabei innerlich ruhig werden und staunen.

Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen (AR) tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräutergarten von A. Vogel hegt.

Foto: mauritiusimages.com

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