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Garten im Wandel

Kategorie: Garten
 Ausgabe 10 - 2012 - 01.10.2012

Text:  Remo Vetter

Ein Garten verändert sich ständig: Stunde für Stunde, Tag für Tag. Jetzt im Herbst sind die Veränderungen besonders eindrücklich. Wer trotz des bevorstehenden Winterschlafes seines Gartens noch nicht mit Gärtnern pausieren will, baut für die nächste Saison jetzt ein Hochbeet.

Ein Garten zeigt stets ein neues Bild: von Jahr zu Jahr, von Saison zu Saison, von Monat zu Monat, von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde. Der Schmetterling ist verschwunden, ein Blumenstängel ist geknickt, eine Blüte verliert im Verblühen ein Blatt nach dem anderen, die Sonne verschwindet hinter Wolken oder wirft nach einer kurzen Weile Schatten oder blendende Strahlen durch das Blattwerk der Bäume, ein Vogel zwitschert aus einer neuen Ecke, ein leichter Wind kommt auf und bringt Bewegung in die zuvor noch steifen Gräser, Regentropfen bringen ein Spinnennetz zum Glitzern. Es sind Bewegung und Beleuchtung, Blüte und Wachstum, Farbtöne und Wettereinflüsse, die sich im Garten ständig verändern, kurzfristig oder über Tage hinweg. Wir müssen nur genau hinschauen, dann offenbaren sich die schönsten Erlebnisse und Wandlungen, die ganze Lebendigkeit unseres Gartens.

Zeit für Hochbeete
Manchmal dauert es ein paar Jahre, bis der Garten das ist, was wir haben wollen, bis er sich so zeigt, wie wir ihn uns in unseren Träumen vorgestellt haben. Es gilt die anfängliche Ungeduld oder gar Unzufriedenheit zu überbrücken. Alles geht am Anfang zunächst viel zu langsam. Ich habe vor Kurzem einem Mann ein Hochbeet angelegt und mit Gemüse bepflanzt. Nach zwei Wochen hat mich der Herr angerufen und nachgefragt, warum der Salat noch nicht erntereif sei.
Doch abgesehen davon, dass Hochbeete nur bedingt als Wachstumsbeschleuniger funktionieren, haben diese modernen Beete viele Vorteile. Sie schonen den Rücken, Gemüse wächst dank vieler Nährstoffe und zusätzlicher Bodenwärme optimal, überdies lässt es sich leicht vor Schneckenfrass und Mäusen schützen. Zudem kann mit bis zu 30 Prozent grösseren Erträgen als in herkömmlichen Beeten gerechnet werden. Dies hat mit den unterschiedlichen Aufbauschichten eines Hochbeetes zu tun; die unteren bestehen aus Ästen, Laub, Grobkompost und Kräuterzusätzen wie Beinwell und Brennnesseln. Die durch diese «Zutaten» entstehenden Zersetzungsprozesse im frisch gemachten Hochbeet erzeugen Wärme und helfen den Pflanzen beim Wachsen. Wer ein solches Beet anlegen möchte, findet jetzt oder im zeitigen Frühjahr die besten Voraussetzungen dafür. Damit man optimal gärtnern kann, sollte das Hochbeet 80 bis 100 Zentimeter hoch und nicht breiter als 100 bis 120 Zentimeter sein. Hochbeete lassen sich auch auf Terrassen und Balkonen problemlos installieren. Wollen Sie mehr über Hochbeete und Bestellmöglichkeiten wissen? Schreiben Sie eine Mail an remo.vetterwhatever@natuerlich-online.ch

Langsam tritt die Natur den Rückzug an

Die aufregendste Zeitdimension des Gartens drückt sich in den Jahreszeiten aus. Sie bedeuten ein zyklisches Zeitverständnis, ein Naturzeitverständnis, das wir in uns aufgenommen haben. Wie Tag und Nacht, so haben die Jahreszeiten auch etwas mit Helligkeit und Dunkelheit zu tun, sind verknüpft mit Bedeutungen, Empfindungen und Gefühlen, mit Fruchtbarkeit, Ernte, Freude, Melancholie und Trauer, sie korrespondieren mit Licht, Wärme und Kälte, mit Farben und Farbkombinationen, mit unterschiedlichen Pflanzen.

Arbeiten im Oktober
Herbstkohl jetzt und bis November ernten. Dabei Schutznetze nicht abnehmen.
Pastinaken können im Beet bleiben. Ihr Aroma wird besser, wenn sie Frost bekommen.
Die letzten Erbsen und Knollensellerie vor dem Frost ernten.
Der Oktober ist der letzte Erntemonat für Brokkoli.
Kürbisse diesen Monat ernten und in der Sonne oder im Trockenen liegen lassen, damit die Schale hart wird. Vor dem Frost ins Haus holen.
Lauch bei Bedarf ernten. Stangen, die im Beet bleiben, anhäufeln.
Randen ernten, sonst werden sie holzig.
Fenchel verträgt einige Minusgrade. Dennoch vorsichtshalber mit Folie abdecken.
Winter-Endivie kann den ganzen Herbst und Winter hindurch geerntet werden.
Laub sammeln und Hölzer schreddern. Alles welke Laub und alte, absterbende Pflanzen abräumen. Was keine Anzeichen von Krankheit zeigt, wird kompostiert oder zum Aufsetzen von Hügelbeeten und Hochbeeten verwendet.
Holzige Stängel von Mais, Bohnen und Kohl schreddern, damit sie schneller verrotten. Bohnenstangen, Erbsenreisser und andere Pflanzenstützen über Winter unter Dach lagern.
Beete mit hartem oder verdichtetem Boden lockern und Unkraut entfernen.
Folie schützt den Boden vor Verdichtung durch starken Regen, unterdrückt Unkraut und ermöglicht nächstes Jahr eine frühzeitige Aussaat.

Energie speichern

Der Herbst ist die Zeit der Besinnlichkeit, des Blicks zurück ins reiche Gartenjahr und auf die Früchte und Gaben, die daraus hervorgegangen sind. Der Herbst ist der Höhepunkt des Gartenjahres, die Erntezeit und auch die Dankeszeit. Jetzt ist es vollbracht. Die Natur tritt allmählich den Rückzug an, um über die nächsten Monate die notwendige Kraft für die kommende Vegetationsperiode zu entwickeln.

Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen (AR) tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräutergarten von A. Vogel hegt.


Foto: mauritius-images.com, fotolia.com

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