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Die ganze Pracht

Kategorie: Garten
 Ausgabe 07 - 2012 - 01.07.2012

Text:  Remo Vetter

Im Juli präsentieren sich Gemüse- und Blumengärten in ihrer ganzen Pracht. Die beginnende Erntezeit gibt viel Arbeit. Doch das vergisst man rasch beim Essen all der frischen Köstlichkeiten.

Obwohl ich letzten Monat einen Lobgesang auf die Walderdbeeren antönte, will ich die anderen Beeren nun nicht einfach links liegen lassen. Die natürliche Saison ist nur kurz, und es lohnt sich allemal, den geheimnisvollen Geschmack von Himbeeren und Co. für die kommenden Monate einzufangen. Rote, weisse und vor allem schwarze Johannisbeeren schmecken ohnehin gekocht oftmals besser, weil sie so ihr volles Aroma entfalten können. Mit ihrem intensiven Geschmack ergeben schwarze Johannisbeeren eines der besten Fruchtgelees, und man glaubt beinahe ihr gesundes Vitamin C auf der Zunge zu spüren.

Rote Johannisbeeren harmonisieren gut mit anderen weichen Sommerfrüchten wie Himbeeren oder Kirschen, zudem prädestiniert ihr hoher Pektingehalt sie zur Herstellung von Konfitüre oder Gelee. Rotes Johannisbeergelee ist eine klassische Beilage bei Wildgerichten. Es lohnt sich kleine Gläschen abzufüllen, sie reichen dann für eine Mahlzeit.

Auf Himbeeren braucht man selbst in einem kleinen Garten nicht zu verzichten, denn sie beanspruchen nur wenig Platz, und da die alten Ruten jedes Jahr weggeschnitten werden, wuchern sie auch nicht. Man sollte sie jedoch mit Netzen vor Vogelfrass schützen. Manche Leute mögen die kleinen Kerne der Beeren nicht; in diesem Fall kocht man einfach ein Gelee entweder nur aus Himbeeren oder zusammen mit roten Johannisbeeren. Wer erst einmal selbstgemachte Himbeerkonfitüre gekostet hat, wird kaum noch Gefallen an industriell hergestellten Produkten finden.

Arbeiten im Juli
● Im Juli werden die mittelfrühen Kartoffeln geerntet. Die Kartoffeln ausgraben, ehe sie zu gross werden. Wir freuen uns auf die ersten 8 Wochen Nüdeli, Parli, blaue Schweden, Fläckler und Corne de Gatte.
● Wird Broccoli regelmässig geerntet, bildet er eine Zeit lang neue Köpfe.
● Erbsen reifen nun sehr schnell. Pflücken Sie täglich, damit sie nicht zu dick und mehlig werden.
● Zwiebeln erreichen im Juli eine gute Erntegrösse.
● Niedrige Buschbohnen-Sorten sind meist zuerst reif. Die Hülsen wachsen sehr schnell. Jung und dünn schmecken sie am besten, darum sollten Sie jetzt fast täglich pflücken.
● Die ersten Schalotten sind erntereif, wenn ihr Laub verwelkt ist. Bei trockenem Wetter direkt auf dem Beet in der Sonne trocknen lassen.
● Knoblauch ausgraben, wenn das Laub gelb wird und verwelkt.
● Jetzt beginnt die Zucchiniernte. Die Früchte können ihr Volumen innert weniger Tagen verdoppeln, darum täglich kleine Exemplare ernten.
● Fenchel mit einem Messer etwa zwei bis drei Zentimeter über der Erde ab schneiden und den Strunk im Boden lassen. Nach wenigen Wochen zeigen sich junge Blätter, die gut in Salaten und Gemüsegerichten schmecken.
● Schneiden Sie die Blütenstände der Artischocken, wenn sie dick und rund sind, aber die schuppenartigen Blätter noch geschlossen sind.
● Karotten direkt aus der Erde ernten und verspeisen, wenn sie noch jung und zart sind.
● Wer zeitig im Frühling gesät hat und in einer warmen Gegend lebt, kann Ende Monat die ersten Auberginen ernten. Auch für Paprika beginnt Ende Monat die erste Ernte.
● Regelmässig Spinat ernten und giessen, damit er nicht in Saat schiesst.
● Kopfsalat wächst relativ schnell. Ernten, sobald die mittleren Blätter beginnen einen Kopf zu bilden.
● Ruccola laufend ernten. Er treibt immer wieder von neuem aus.
● Stangensellerie vor dem Ausgraben giessen, dann bleibt er länger knackig.
● Freilandgurken ernten, wenn sie etwa 15 bis 20 Zentimeter lang sind. Später werden sie bitter und entwickeln unangenehm grosse Samen.
● Von alten schwarzen Johannisbeersorten, die allmählich reifen, zuerst die obersten Früchte jeder Rispe pflücken.
● Die ersten Heidelbeeren werden gepflückt, wenn sie dick und rund sind und eine blauschwarze Haut haben.
● Himbeer-Sommersorten pflücken, wenn sie voll ausgefärbt sind und sich leicht abzupfen lassen.
● Frühe Aprikosensorten können an einem günstigen Standort jetzt schon Früchte tragen.
● Ab Juli den Rhabarber wachsen lassen, damit er den Winter gut übersteht und im nächsten Jahr kräftig austreibt.

Eine besonders grosse Beere

Melonen hat zwar kaum jemand im Garten, doch die Früchte wachsen an geschützten, sonnigen Lagen durchaus auch bei uns. Wir kaufen die süssen Sommerfrüchte am liebsten auf dem Markt. Melonen sind übrigens botanisch gesehen auch Beeren und gehören zu den Kürbisgewächsen. Jedenfalls passen sowohl die süssen Zuckermelonen als auch die grossen Wassermelonen mit dem leicht säuerlichen Fruchtfleisch perfekt zu heissen Sommertagen. Ist eine Melone noch nicht genussreif, lässt man sie bei Raumtemperatur nachreifen. Geben die Früchte auf Druck am Stielansatz leicht nach und verströmen an der Blüte einen wundervollen Duft, sind sie bereit zum Verzehr.

Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen (AR) tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräutergarten von A. Vogel hegt.

Fotos: zvg,  Josef Türk Reit im Winkl Chiemgau / flickr / cc

 

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