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Flug in den Suppentopf

Kategorie: Natur
 Ausgabe 06 - 2012 - 01.06.2012

Text:  Tertia Hager

Viele verbinden mit den trägen Brummern Kindheitserinnerungen; eingesammelte Maikäfer besserten nicht nur das Sackgeld auf, sie landeten früher auch im Kochtopf.

Zu Abertausenden, wie sie bis etwa in den 1970er-Jahren über Felder und Kulturen hergefallen sind, treten Maikäfer heute kaum noch in Erscheinung. Das hat mit der inzwischen verbotenen chemischen Bekämpfung, mit zyklischen Populationsschwankungen und auch mit weniger geeigneten Lebensräumen sowie dem Rückgang natürlicher Fressfeinde zu tun.

Dennoch gibt es noch immer sogenannte Maikäfer-Flugjahre: Dieses Jahr sind die trägen Brummer vor allem in der Nordost- Schweiz unterwegs. Zum Schutz gegen das Abfressen von Wurzeln durch die Engerlinge gibt es einerseits mit einem Pilz geimpfte Gerstenkörner, die im Boden ausgebracht werden und die Engerlinge töten. Andererseits werden an Obstkulturen Netze gegen Käfer, die sich am Blattwerk gütlich tun, angebracht. «Lauern» schon Engerlinge unter der Erde, müssen diese wie früher von Hand eingesammelt werden. Einst gab es für einen Liter Käfer 30 Rapppen; sie dienten auch als Hühnerfutter oder zerrieben als Pflanzendünger. Und selbst in die Küche fanden die proteinreichen Insekten Eingang. So steht in einem deutschen Haushaltungslexikon aus dem Jahr 1884 beispielsweise ein Rezept für eine Maikäfer-Suppe: «Die Maikäfer werden gewaschen, in einem Mörser zerstossen, in heisser Butter hart geröstet, in Fleischbrühe gekocht, durchgeseiht und über geröstete Semmelschnitten angerichtet.» 30 Stück brauchte es pro Portion. Auch süss zubereitet wurden die Käfer: Wikipedia schreibt von Konditoreien, die kandierte und gezuckerte Maikäfer verkauften. Darüber, ob die heutigen Schoggi-Maikäfer die konsumententauglicheren Abkömmlinge davon sind oder ob die Konditoren einfach etwas suchten, um die Umsatzeinbrüche nach Ostern zu stopfen, lässt sich nur spekulieren.

Foto: fotolia.com

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