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Rote Königinnen

 Ausgabe 06 - 2012 - 01.06.2012

Text:  Remo Vetter

Rose oder Erdbeere? Beide Pflanzen haben im Garten Königinnen-Status. Während die Beere unkompliziert gedeiht und Nase und Gaumen erfreut, verlangt die Rose nach extra viel Hege und Pflege. Sie dankt es mit betörendem Aussehen und verführerischen Duft.

Stellen Sie sich vor, wie es war, als es Erdbeeren nur für kurze Zeit im Frühsommer gab: Es war das erste Beerenobst des Jahres, meist liebevoll gehegt und gepflegt, manchmal sogar mit einer Glasglocke abgedeckt, um die Früchte eine oder zwei Wochen früher als üblich zur Reife zu bringen. Es gab unzählige Sorten mit wundervoll klingenden Namen. Ihr Duft betörte die Nase, ihr Aroma verzückte den Gaumen. Im Gegensatz dazu verzehren wir heute das ganze Jahr über wässrige, übergrosse Früchte und die Auswahl beschränkt sich auf ein paar wenige Sorten. Glücklich, wer einen Garten sein eigen nennen kann, und die Möglichkeit hat die alten Sorten wieder aufleben zu lassen.

Unsere absoluten Lieblinge sind die kleinen Walderdbeeren, die nur sehr wenig Platz beanspruchen und ein unvergleichliches Aroma haben. Walderdbeeren ergeben eine herrliche Konfitüre, sind aber vor allem frisch gepflückt eine Wucht: Wir streuen sie gerne über das Frühstücksmüesli. Wer genügend dieser kleinen Früchte hat, kann ganz einfach eine frische Konfitüre zum Sofortgebrauch herstellen: 2 bis 3 Handvoll Walderdbeeren pflücken, waschen, einen Löffel Honig zugeben und mit dem Pürierstab kurz mixen. Das dauert keine drei Minuten. Wir machen diese leckere Konfitüre in diesen Tagen täglich frisch.

Weniger populär, aber kulinarisch höchst interessant sind Stachelbeeren; früher wurden sie in der Pfingstzeit gegessen. Sie gehörten zu den ersten frischen Früchten der Saison, die es in ausreichend grossen Mengen gab. Stachelbeeren passen zu gehaltvollen, fetten Speisen und man stellt daraus Kompott, Gelee und Konfitüre her.

Parfüm für den Garten

Jetzt im Juni stecken wir auch bereits mitten in der wunderbaren Rosenzeit. Wer auf dem Markt noch Pfingstrosen kaufen möchte, muss sich schon bald beeilen. Im eigenen Garten bleibt die Pracht einem noch etwas länger erhalten. In unserem Garten wachsen und blühen etwa 20 verschiedene Rosensorten um die Wette.

Das starke Wachstum in dieser Jahreszeit bringt vor allem Blätter und Blüten hervor. Das Laub der Weinrose (Rosa rubiginosa), die auch schottische Zaunrose heisst, hat einen herrlichen Duft, der an grüne Äpfel erinnert und besonders intensiv ist, wenn die Rose in einem geschützten Bereich wächst, wo sich ihr Parfüm nicht so leicht verflüchtigt. An warmen, feuchten Tagen oder nach einem Regenschauer entfaltet sie ihren Duft besonders schön. Mit ihren kleinen ungefüllten hellrosa Blüten ähnelt sie im Aussehen einer wilden Hundsrose. In diesem Jahr möchte ich unseren Garten noch intensiver «parfümieren»: Geplant sind verschiedene Dufthecken aus Liguster, Weinrosen, altenglischen Duftrosen und Weissdorn. Ich werde mich von den Farben und Düften inspirieren lassen.

Rosenpflege – gewusst wie

Wichtig ist, Rosen genug tief einzupflanzen. Die Stelle, an der die Triebe aus der Wurzel kommen, die sogenannte Veredelungsstelle, sollte etwa fünf Zentimeter unter der Erde sein. Junge Pflanzen brauchen «Erziehung». Das heisst nicht zu viel Wasser geben, da sie sonst «faul» werden und ihre Wurzeln nicht in die Tiefe schicken, um sich dort selbst zu versorgen.

Arbeiten im Juni
● Unkrautbekämpfung.
● Boden lockern. Zum Beispiel mit der Pendelhacke und Mulchdecke ständig erneuern (siehe Box Seite 34).
● Küchen- und Heilkräuter ernten und trocknen.
● Spargeln und Rhabarber nach der Ernte düngen und mulchen.
● Sommerschnitt bei Obstbäumen und Beeren.
Geerntet werden jetzt neue Kartoffeln, Erbsen, dicke Bohnen, Zwiebeln, Randen, Sommersalate und Obst, Erdbeeren, Stachelbeeren und Kirschen.
Aussaat von Gemüse, Salat und Kräutern, die im Spätsommer und Herbst geerntet werden sollen.
Alle Jungpflanzen können ausgepflanzt werden, weil keine Frostgefahr mehr besteht.
Jäten und giessen Sie oft, um den Jungpflanzen beste Bedingungen zu bieten.

Eine andere beliebte Duftpflanze, die jetzt in den Gärten und Wäldern blüht, ist der Waldmeister (Galium odoratum), den man früher auf den Fussboden streute, um die Luft frisch zu halten und an Festtagen zum Schmücken von Kirchen verwendete. Auch in der Naturheilkunde hat Waldmeister eine wichtige Bedeutung. Er wirkt harntreibend und wird bei Leber- und Gallenleiden empfohlen. Wegen seiner beruhigenden Wirkung nimmt man ihn auch bei nervösen Beschwerden. Waldmeisterblätter eignen sich auch zum Parfümieren von Wäsche und werden in Hautlotionen verwendet. Und natürlich kann man mit den Blättern, Sekt und Weisswein die herrliche Waldmeisterbowle machen.

Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen (AR) tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräutergarten von A. Vogel hegt.


Foto: fotolia.com, Scarygami / flickr / cc

 

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