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Balkongemüse

Kategorie: Natur
 Ausgabe 05 - 2012 - 01.05.2012

Text:  Remo Vetter

Dank Mini-Zucchini, Tomätchen und winzigen Auberginen verwandeln sich Balkone zunehmend in Gemüsegärten. Remo Vetter weiss, was es als «Balkongärtner» zu beachten gilt.

Ziel vieler jungen Menschen und Familien mit Kleinkindern ist es, die Lust am Gärtnern in die Stadt zu bringen. Mich freut diese Kreativität. «Gärtnern ohne grossen Garten», «Urban Gardening» oder «Gärtnern auf dem Balkon» hat zu einem neuen Trend geführt: Minigemüse ist angesagt. Knabbergürkchen, süsser Mais, pflaumengrosse Paprika, Aubergine und Mini-Zucchini haben «Balkonformat». Auf wenig Raum lässt sich so ein Bio-Gemüsegarten zusammenstellen; es entstehen kleine Balkonparadiese, die Geranien, Petunien und Co. wohl bald den Rang ablaufen werden.

Das Besondere an den neuen Zuchtformen ist, dass sie sowohl im Schrebergarten als auch auf dem Balkon hervorragend gedeihen. Auf begrenztem Raum lässt sich so ein abwechslungsreicher Gemüsegarten zusammenstellen. Oft ist es ja so, dass bei herkömmlichen Sorten zu viele oder zu grosse Exemplare wachsen. Wer hat schon Lust auf einen 50 Kilogramm schweren Kürbis und wochenlanges Kürbisessen. Viel angenehmer sind kleine Exemplare, die man in einer Zubereitung verzehren kann. In unserer «Balkonkultur» ernten wir stets nach Bedarf und frisch ab Kistchen oder Topf. Manchmal zupfen wir gar während des Essens die in Reichweite wachsenden Tomätchen oder Kräuter – frischer geht es nicht.

Arbeiten im Mai
• Säen
● Gemüsefenchel und Kohlrabi können im Freiland gesät werden. Fenchel aber nur, wenn der Boden wirklich gut erwärmt ist. Bewahren Sie Samen für eine zweite oder dritte Folgesaat später im Sommer auf.
● Busch- und Stangenbohnen bei unberechenbarem Wetter im Haus säen, wenn der Boden erwärmt ist und keine Frostgefahr mehr besteht, im Freiland. Falls nötig, junge Sämlinge mit Tunneln schützen.
● Blattgemüse wie Grünkohl, Spinat, Mangold und asiatische Blattgemüse können weiterhin im Freiland gesät werden. Bei Frostgefahr schützen.
● Folgesaaten von Kopfsalat, Rucola, Gartenkresse, Sommerportulak, Feldsalat und anderen Blattsalaten legen, um eine fortlaufende Versorgung sicherzustellen. In kühleren Regionen und Höhenlagen jedoch in Tunneln oder Frühbeeten säen.
● Karotten, Randen, Rüben können jetzt gefahrlos im Freien gesät werden. Randen keimen etwas unzuverlässig, darum ist es ratsam, in Folientunneln zu säen, wenn der Boden noch kühl und feucht ist.
● Markererbsen, Mangetout-Erbsen und Kefen können im Freiland gesät werden. Falls nötig mit Netzen oder Folientunneln schützen.
● Bei milder Witterung können Süsskartoffeln in Erdhügeln oder Wällen gepflanzt werden. Andernfalls wärmeres Wetter im Juni abwarten.
● Gegen Monatsende können junge Auberginen und Paprika, die im Haus gesät wurden, ausgepflanzt werden. Vorher abhärten und bei einem plötzlichen Kälteeinbruch abdecken.
● Selbst gezogene Kräuter in Töpfen auspflanzen. Empfindliche Arten wie Basilikum brauchen über Nacht eventuell noch Schutz.
● Erdbeeren können noch gepflanzt werden. Walderdbeeren müssen im Mai ins Beet, wenn sie im Sommer Früchte tragen sollen.
● Im Mai kommen Tomaten-Jungpflanzen in den Handel. Warten Sie lieber bis Juni, wenn Sie keinen Frostschutz bieten können.

Der richtige Topf

Viele Hobbygärtner wollen heute nicht bloss einen Topf, um die Pflanze zu «versorgen», sondern vielmehr auch ein schickes Gefäss, das die Pflanze attraktiv in Szene setzt. Die Auswahl an Töpfen und Kistchen ist in den letzten Jahren immer trendiger und grösser geworden. Früher sah man praktisch in allen Geschäften die gleichen Pflanzgefässe. Heute sind vor allem auch bunte, ja fast schon knallige Farben im Trend. Aus Frankreich kommen die neuen «Bacsac Pflanzsäcke» aus robustem, durchlässigem, textilem Material. Sie haben den Vorteil, dass sie reissfest und transportabel sind und jederzeit überall leicht aufgestellt und verstellt werden können. Aber auch hängende Gefässe, sogenannte Ampeln, «hanging baskets» und vertikale Bepflanzungen werden immer populärer. Wichtig ist indes vor allem, dass sich die Pflanzen in ihrem Gefäss und an ihrem Standort wohlfühlen.

Arbeiten im Mai
• Ernten

● Im Mai überschneidet sich die Blumenkohlernte. Es gibt die letzten Köpfe der Wintersorten und die ersten Frühlingssorten, die im Vorjahr gepflanzt wurden. Ab Juni sind die ersten Sommersorten der neuen Saison erntereif.
● Roter Eichblattsalat und andere Blattsalate, die keine Köpfe bilden, können im Ganzen geerntet werden. Schneidet man jeweils nur eine Portion Blätter, treiben neue aus.
● Die ersten zarten Mairüben sind jetzt reif. Am besten schmecken sie, wenn man sie jung erntet. Auch die Blätter sind essbar, z. B. gedünstet oder im Wok gegart.
● Radieschen wachsen schnell. Wer im April einige Samen gelegt hat, kann jetzt schon ernten. Nicht zu lange warten, sonst werden sie holzig.
● Erntet man Spinat blattweise nach Bedarf, wächst er nach. Junge Blätter kann man roh für Salate verwenden, grössere Blätter schmecken gedünstet besser.
● Der erste Knoblauch der Saison ist köstlich. Graben Sie einige Knollen aus, wenn sie noch grün sind. Rasch verbrauchen, solange der Knoblauch noch mild und saftig ist.
● Mangold gibt es in verschiedenen Farben. Junge Blätter schmecken roh in Salaten, ältere dünstet man wie Spinat.
● Die ersten Frühlingszwiebeln, die früher im Jahr gesät wurden, sind vielleicht schon erntereif – vor allem, wenn die Witterung mild war und Sie sie mit Tunneln geschützt haben.
● Die ersten Artischocken der neuen Saison sind noch winzig. Schneiden Sie trotzdem schon jetzt einige, um sie ganz zu garen. Sie sind hervorragend und ausserdem wachsen ja neue nach.
● Ende Monat kann schon der erste Frühlingskohl reif sein. Geniessen Sie ihn, denn es kann noch ein bis zwei Monate dauern, bis die ersten Sommersorten geerntet werden.

Gemüse und Kräuter im gleichen Topf

Als Material bevorzuge ich persönlich gerne Holztröge, Eternit- und Tongefässe, welche die Feuchtigkeit besser speichern, als Plastiktöpfe, die den Nachteil haben, dass die Pflanzen austrocknen und durch Sonneneinstrahlung verbrennen können.

Rüebli, Schnittsalat, Radiesli, Artischocken, Chilies, Tomaten, Auberginen, Erdbeeren können problemlos in Töpfen kultiviert werden. Wichtig ist, dass Sie nicht zu kleine Gefässe wählen. Ich empfehle Töpfe mit 40 bis 50 Zentimeter Durchmesser. Als Untersaat bei Tomaten pflanze ich zum Beispiel Basilikum und habe so mit einem Griff gleich noch die Beilage. Fehlt nur noch der Mozzarella und das Olivenöl, und die Vorspeise ist bereit. Als weitere Untersaaten wären auch Peterli, Schnittlauch oder Koriander möglich. Peterli und Schnittlauch vertragen sich allerdings nicht sehr gut, also in separate Töpfe als Untersaat pflanzen. Der Vorteil der Untersaat liegt darin, dass man den Boden bedeckt, die Feuchtigkeit besser hält, da die Erde nicht direkt der Sonne ausgesetzt ist, mehr auf gleichem Raum gepflanzt werden kann und eben, dass Gemüse und Kräuter in Kombination geerntet werden können.

Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen (AR) tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräutergarten von A. Vogel hegt.


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