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Steter Tropfen

Kategorie: Garten
 Ausgabe 03 - 2012 - 01.03.2012

Text:  Regula Heinzelmann

Eine Regenwassernutzungsanlage spart Wasser und Geld und ist ein kleiner Beitrag an den Umweltschutz – aber nicht in allen Fällen. «natürlich» sagt, worauf Sie achten müssen.

Eine Regenwassernutzungsanlage kann dann sinnvoll sein, wenn sie während des ganzen Jahres von verschiedenen Nutzern gebraucht wird, zum Beispiel für Toiletten, Waschmaschine und Gartenbewässerung. Je mehr Einzelapparate mit Brauchwasser versorgt werden, desto günstiger ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis. Immerhin kostet eine Anlage mit 6000-Liter-Tank, Qualitätsfilter und Pumpe etwa 8000 bis 10 000 Franken. Laut Verband Regenwassernutzung Schweiz (VRS) kann man durch Regenwassernutzung rund 50 Prozent Trinkwasser sparen.

Surftipps
Hier erhalten Sie weitere interessante Informationen zum Thema
hausinfo
Verband Regenwassernutzung Schweiz
Hochschule FÜR Technik Rapperswil - Regenwassermanagement
Gesundes Haus für Geniesser
Pusch
eawag - aquatic research
Trinkwasser sante

Innerhalb der letzten 30 Jahre sank der Trinkwasserverbrauch in der Schweiz – nicht zuletzt dank sparsamerer Geräte – allerdings deutlich von 500 Litern auf 338 Liter pro Einwohner und Tag. Beim Schweizerischen Verein des Gas- und
Wasserfaches (SVGW) ist man deshalb skeptisch, ob Regenwasseranlagen tatsächlich einen grossen Allgemeinnutzen bringen, denn für die nachhaltige und naturnahe Wasseraufbereitung falle die privat konsumierte Wassermenge nicht
mehr ins Gewicht. Ausserdem habe der niederschlagsarme Sommer 2003 gezeigt, dass in Trockenperioden die Regenwasseranlagen leer blieben. Die Anlagen mussten aus Trinkwasser der öffentlichen Wasserversorgungen gespeist werden, was die Wasserversorgung auf Kosten der Verbraucher zusätzlich belastete.

Sparen beim Sparen

Nichtsdestotrotz: Durch Regenwassernutzung sparen Privathaushalte Trinkwassergebühren. Eine Familie, die konsequent Regenwasser für WC, Waschmaschine und Garten braucht und somit Trinkwasser spart, kann damit rechnen, die Kosten für die dazu nötigen Installationen in rund 20 Jahren amortisiert zu haben. Bei einem Mehrfamilienhaus geht das noch schneller. Darin einberechnet sind allfällige zusätzliche Gebühren, die je nach Kanton und Gemeinde völlig unterschiedlich sein können. So informiert beispielsweise das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) des Kantons Zürich darüber, dass man Abwassergebühren zu zahlen hat, wenn das gebrauchte Regenwasser der öffentlichen Kanalisation als Abwasser zugeleitet wird. Allerdings gibt es auch Gemeinden in der Schweiz, die für das Schmutzwasser aus Regenwasseranlagen keine Klärgebühren verlangen, da diese häufig bereits mit dem sogenannten Meteorwasser (Wasser aus Niederschlägen) erhoben wurden.

Zur Verwertung wird das Regenwasser von sogenannten Sammelflächen abgeleitet, meistens vom Dach. Blätter und andere Schmutzstoffe werden dabei durch einen Filter zurückgehalten. Bei dieser ersten Filterung werden aber nicht alle Schmutzstoffe gesammelt. Die Stiftung Praktischer Umweltschutz Schweiz (Pusch) warnt denn auch davor, dass der Schadstoffgehalt von Regenwasser oft unterschätzt wird. Die lokale Luftverschmutzung und auch das Material, aus dem die Sammelfläche besteht, können die Qualität beeinflussen. Das belegen auch verschiedene Untersuchungen der Eawag, dem Wasserforschungs-Institut der ETH in Zürich. Konkret bedeutet das: Zur Körperreinigung, also zum Betreiben einer Dusche, ist gesammeltes Regenwasser nicht zu empfehlen, ebenso wenig für Abwaschmaschinen. Und beim Wäschewaschen, vor allem bei niedrigen Temperaturen, können unter Umständen einzelne Keime oder Sporen überleben.

Je nach Gebäude und Umgebung gibt es aber praktisch überall Regenwasser, das sich gut verwenden lässt, nicht zuletzt weil es wenig Kalk enthält. Das schont Maschinen, Geräte und Installationen und ist für Topfpflanzen und die Gartenbewässerung geeigneter als kalkhaltiges Trinkwasser. Die Wäsche fühlt sich auch ohne Weichspüler angenehm an und zusätzlich spart man Waschmittel. Im Bereich Gewerbe und Industrie kann man Regenwasser zur Kühlung für Produktionsprozesse und Klimaanlagen verwenden – eine beachtliche Sparmöglichkeit.

Alte Tanks nutzen

Nach der Filterung wird das Wasser in einen Speicher geleitet, der auch als Tank oder Zisterne bezeichnet wird. Solche Speicher bestehen normalerweise aus Beton oder Kunststoff und können im Garten oder im Haus eingebaut werden. Auch alte Heizöltanks lassen sich zu Regenwasserspeichern umrüsten, so der Verband Regenwassernutzung. Wer über einen genügend kühlen und dunklen Kellerraum verfügt, sollte den Tank dort unterbringen. Das ist vorteilhaft, weil Regenwasser im Tank unbedingt vor Tageslicht geschützt sein muss, um die Entwicklung von Bakterien- und Kleinstlebewesen zu verhindern.

Der Tank sollte für die bestehenden Nutzungsbedürfnisse gross genug berechnet werden. Ein Tank für Toilettenspülung und Waschmaschine sowie kleinen Garten sollte 5000 bis 6000 Liter enthalten. Für den Fall, dass das Wasser im Tank nach einer längeren Trockenphase verbraucht ist, lässt sich zudem eine separate, schwimmergesteuerte Trinkwassereinspeisung einbauen. Vom Tank aus wird das Regenwasser mithilfe von Pumpen dorthin transportiert, wo es gebraucht wird. Wichtig zu wissen: Um die Verschmutzung von Trinkwasser, respektive die Vermischung mit Trinkwasser zu verhindern, sollte man zwei völlig getrennte Leitungssysteme für das Trinkwasser und das Regenwasser erstellen. Von einer Absicherung mit sogenannten Systemtrenngeräten raten Fachleute ab.

Fotos: fotolia.com

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