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Des Teufels Dutzend

Kategorie: Leben
 Ausgabe 01 - 2012 - 01.01.2012

Text:  Andreas Walker

Nächstes Jahr fallen gleich drei 13. auf einen Freitag. Dass diese Konstellation manchen Menschen unheimlich ist, hat vielerlei historische Gründe – ein Exkurs zu Aberglaube und Statistik.

Freitag, den 13., gibt es dieses Jahr gleich im Dreierpack: Im Januar, April und im Juli tritt diese Konstellation jeweils auf. Das bedeutet konkret: drei Freitage, der 13., innerhalb von nur sieben Monaten. Das dürfte dem einen oder anderen unheimlich sein, denn auch in der heutigen Zeit gilt die 13 immer noch als Unglückszahl, vor allem dann, wenn sie noch an einem Freitag auftritt. Es soll gar Menschen geben, die eine krankhafte Angst vor dieser Konstellation haben. Der medizinische Ausdruck dafür lautet Paraskavedekatriaphobie. Im Extremfall kann dieses Phänomen so weit führen, dass Betroffene Reisen und Termine absagen oder im schlimmsten Fall an einem Freitag, dem 13., gar nicht mehr aus dem Bett zu steigen wagen. Der Aberglaube, dass 13 eine Unglückszahl ist, hält sich hartnäckig. Wer zum Beispiel in einem Hotel wider Erwarten ein Zimmer mit der Nummer 13 findet, braucht sich nicht zu wundern, wenn in diesem Raum anstatt Betten, Besen und Putzeimer vorzufinden sind. Und Meinungsumfragen ergaben, dass immerhin ein knappes Drittel der Befragten an eine unheilvolle Wirkung eines Freitags, des 13., glauben.

Glückszahl für Muslime und Hindus

Hollywood hat zum Freitag, dem 13., gleich eine ganze Reihe von Horrorfilmen produziert. Im deutschen Sprachraum sorgt die Kinderbuch-Hexe «Bibi Blocksberg» dafür, dass auch der Nachwuchs das Datum kennenlernt. Und auch der Liedermacher Reinhard Mey widmete dem «Unglückstag» ein eigenes Lied. Bereits bei den alten Griechen bedeutete der 13. nichts Gutes. Der Heerführer Agamemnon starb an einem 13. und schon 700 Jahre vor Christus warnte Hesiod davor, an einem 13. mit der Aussaat zu beginnen. In der Seefahrt galt der Freitag als Unglückstag, an dem man nicht auslaufen sollte. Bei Muslimen und Hindus wird der Freitag hingegen als Glückstag betrachtet, der sich besonders gut zum Heiraten eignet.

Eine der Erklärungen, weshalb der Freitag, der 13., in unserem Kulturkreis als Unglückstag gilt, geht auf die heidnische Götterwelt der Germanen zurück. Die Liebesgöttin Freya, nach der unser Freitag benannt wurde, lud zwölf Götter im Himmel zum Mahle. Dabei erschien aber auch der Gott Loki als ungeladener
13. Gast, der schliesslich Freyas Sohn brutal erschlug. Seither soll der Freitag, der 13., als Unglückstag gelten. Das Motiv des ungeladenen und Unglück bringenden 13. Gastes findet sich übrigens auch in späteren Märchen wie zum Beispiel Dornröschen.

Jesus, König, Papst und Tempelritter

Ein anderer Grund dafür, dass ein Freitag, der 13., nichts Gutes bedeutet, ist aus dem Christentum abzuleiten. Jesus starb an einem Freitag. Zudem sassen am Abendmahl vor der Kreuzigung 13 Personen am Tisch. Eben gerade die dreizehnte Person zu Tisch – Judas Ischariot – war der Mann, der Jesus verriet und damit den Römern auslieferte. Die 13 liegt eins über der 12, jener symbolischen Zahl, die göttliche, kosmische und jahreszeitliche Ordnung (12 Monate) repräsentiert. So hat der Volksmund aus der 13 «Das Dutzend des Teufels» gemacht.

Erhöht Aberglaube Unfallrisiko?

Britische Forscher untersuchten die Angst vor dem Freitag, dem 13., wissenschaftlich und kamen zum Ergebnis, dass an Freitagen, die auf den 13. fallen, mehr Menschen bei Verkehrsunfällen verletzt werden als an gewöhnlichen Freitagen. Die Erklärung: Der Aberglaube an den Unglückstag führt zu Konzentrationsschwächen und damit zu einem erhöhten Unfallrisiko. Die schweizerische Beratungsstelle für Unfallverhütung kommt allerdings zu einem anderen Ergebnis. So ereignen sich sowohl an «normalen» als auch an «kritischen» Freitagen im Strassenverkehr durchschnittlich etwa gleich viele Unfälle. Der Heidelberger Soziologe Edgar Wunder vom Forum Parawissenschaften kommt zum gleichen Ergebnis. Er untersuchte 147000 Freitagsunfälle von 1985 bis 1999 und fand heraus, dass die Unglückshäufigkeit
sowohl an Freitagen den 6., den 13., und den 20., eines Monats ähnlich hoch waren.

Doch was tun, wenn einem die Zahl 13 doch irgendwie nicht geheuer ist? Man greift zu einem Trick, der so simpel wie effizient ist: Man entzieht der Zahl den unheilvollen Einfluss, indem man sie schlicht und einfach weglässt. So kommt es, dass trotz wissenschaftlicher Studien über die Ungefährlichkeit der 13 auch in unserer hoch technisierten Zivilisation Hotels und Fluggesellschaften dem eventuellen Unglück der Zahl 13 insofern vorbeugen, als dass sie die 13 erst gar nicht erscheinen lassen. Zimmernummer 13 und Sitzreihe 13 in Flugzeugen sind daher seltener anzutreffen, als alle anderen Zahlen.

Fotos: fotolia.com

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